Alles Zufall 2

Teil 1 findet man hier

Alles Zufall

2.

„So ein verdammter K’nz-Strpaz-Blu, Himmel und Klinzhai, wie konnte das nur passieren?“
Commander MPacho war immer sehr zurückhaltend, wenn er in Gegenwart von ihm unterstellten Untergebenen fluchte. Er wählte meist Schimpfwörter, die vielen noch unbekannt waren, von Völkern, mit dessen Kindern wir damals „besser nicht“ spielen sollten (aber natürlich trotzdem und gerade deswegen gemacht haben). Ich war mit dieser wüsten Beschimpfung zum Glück nicht gemeint sondern stand nur zufällig dabei, weil ich meinen Übungs-Tricorder mal wieder suchte. Der Angesprochene war einer meiner Mitschüler und wollte sich wohl am liebsten wegbeamen. Keiner stand gern im Fokus vom Commander. Alle anderen Anwesenden zeigten das Talent, unbeteiligt zu wirken und dennoch alles mitzukriegen.
„Ich habe es Ihnen doch schon erklärt, Commander, Und wenn Sie sagt, ich war es, dann glaube ich Ihr.“ Er bekam noch etwas mehr Farbe im Gesicht, ein klarer Nachteil der Menschen bei Scham und Lüge.
„Kwatsh [1], und ich muss mich nun nach Ersatz umschauen,“ sagte der Commander, der es nicht mochte, wenn er irgendeine Arbeit nochmal erledigen musste. Das war der Moment, wo ich mich einklingte: „Ähm, ich könnte die Aufgabe meines Kameraden gerne übernehmen, um Ihre sicher äusserst knapp bemessene Zeit nicht weiter unnötig zu strapazieren und hier umgehend eine passende Lösung herbei zu führen, die das Wohlwollen aller Beteiligten findet“.
Er musterte mich, als hätte ich ihn zum gemeinsamen Tanz aufgefordert.
„Haben Sie einen Rethorik-Chip gefressen oder wollen Sie Belesenheit vortäuschen, Kadett Cornert?“
Ein kleiner Fehler von mir: Commander MPacho war ein Freund der kurzen, präzisen Sätze. Zumindest, wenn er sie sich anhören sollte. Mir hingegen konnten die Sätze nicht lang genug sein, da ich der Meinung bin, dass ich möglichst alles unterbringen sollte, wenn ich schon mal die Chance dazu hatte, damit auch alles gesagt wird, was notwendig ist. Ich sah über seine Bemerkung hinweg (mir lag schon eine passende Antwort auf der Zunge) und sagte stattdessen: „Ich erfülle die gleichen Bedingungen wie Kadett Longest.“
Eine Durchsage über das offizielle Interkom forderte Commander MPacho auf, sich nach VI/b zu begeben und zerschlug meinen blitzschnell ausgearbeiteten, wenn auch unausgegorenen Plan, den Commander in aller benötigten Zeit von meinen Fähigkeiten als Starfleet-Kuve (eine interne Bezeichnung unter Kadetten) zu überzeugen. Der Commander machte sich ans Fortgehen und murmelte im umdrehen „Ich werde mal in ihre Akte schauen, ob es ausreicht“ und verschwand entgültig.
Jetzt hatte ich alle Blicke auf mich. Offene Münder schwiegen mit starrenden Augen, als ob ich gerade vom Commander einen unerwarteten Korb auf meine Tanzaufforderung bekommen hätte. Die Gelegenheit für Brad, sich zu beruhigen.
Brad Longest, mein bester Kumpel hier. Aber das hier hatte er sich selbst zuzuschreiben. Gut, er wurde ausgetrickst, weil er in einem Holo-Center auf eine „Dame“ reinfiel, die eben nicht aus einer Unmenge von Plasma-Bits bestand, sondern aus Fleisch und Blut. Diese wiederum hat sich von einem Labor-Assistenten hereinlegen lassen, der sagte: „Mache dir keine Sorgen, mit diesem Eingriff kann dir nichts mehr passieren“. Jetzt suchte sie nach einem, dem Sie das Kind andrehen konnte. Brad war da eine gute Wahl: Er machte seinem Namen alle Ehre und die Besitztümer seiner Familie deuteten auf ein äusserst angenehmes Leben hin. Und weil Brad ihrer Aussage, er sei der Erzeuger des noch ungeborenen Kindes, erstmal nicht ganz widersprechen konnte, musste er dem Commander leider eine Absage bezüglich seiner bevorstehenden Versetzung mitteilen, bis diese Angelegenheit geklärt sein würde.

(Fortsetzung)

[1] Kwatsh ist eine putzige Analogie in Klingonaase, die im Interlingual-Unterricht gerne benutzt wird, um die Stimmung zu lockern. Die Übersetzung ist etwas schärfer als unser altbekanntes >Quatsch< und besteht aus 32 Worten.

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