Alles Zufall 3

(Die anderen Teile findet man hier: 1 2 )

Alles Zufall
3.

Wir machten dann weiter mit der Taktik-Schulung. Das Basis-Programm der Ausbildung eines Sternenflotten-Kadetten bestand immer darin, dass man alles irgendwie beherrschte, was man brauchte, um auf einem Schiff zu überleben. Egal, welchen Auftrag es hätte. So hatten wir unter anderem Geologie, Chemie, Technik, Waffenkunde und Menschliche Führung. Das war zwischendurch recht unterhaltsam: In Geologie z.B. wurde uns erzählt, das man Steine, je nach Herkunft, folgend nutzen kann: Erstens Hütten bauen, zweitens für Kommunikation oder drittens als Nahrung. Danach bekamen wir einen Haufen Steine, welche wir zuvor genannten Kriterien zuordnen sollten. Es kam schon vor, dass wichtige, freiwillige Botschafter eines fernen Fels-Planeten dabei gebissen wurden oder als Fenstersturz eine Lehrstunde überleben mussten.
Nun, wir waren jetzt bei Taktik. Brad saß hinter mir an seiner Konsole und löste die uns gestellten Aufgaben mit irrationaler Gleichgültigkeit und Exaktheit.
„Hast du mir nun geholfen oder muss ich dir böse sein?“ fragte er zwischen zwei Simulationen, die mir gerade Zeit zum Atmen gaben.
„Ich habe deinen C`leron [1] gerettet. Du findest immer eine Möglichkeit, auf das grosse Schiff zu kommen“, sagte ich vorlaut, da ich mir sicher war, dass meine Aktion zumindest ein richtiger Schritt in Richtung Weltall war. Die Entscheidung von Commander MPacho war noch abzuwarten, aber ich war mir sicher: Er würde mir das entweder als Belohnung oder als Bestrafung andrehen, so dass es seine eigene Entscheidung war, er keine weitere Arbeit damit hätte und ich eben das kriegte, was ich so sehr begehrte.

Ich blickte auf. Auf meinem Schirm stand: „Mission für SE Cornert: Erfüllen sie folgende taktische Anweisungen:“ Darauf folgend eine Liste von kryptischen Befehlen, von denen ich viele nur als weibliche Belästigung kannte.
„Brad, hilf mir! Bin auf Manöver-Taktik!“ Er schaute sich um und las die Anweisungen.
„Okay, das nächste Schiff der Kennung TX-001 mit Traktorstrahl erfassen, andocken und die taktisch wichtigen Positionen besetzen. Danach Übergabe an Flotten-Offizier und Abmeldung.“
Hatte ich also richtig verstanden, aber was bedeutete Abmeldung? Ich gab nach Beendigung des doch einfachen Manövers meinen Code ein und wartete auf die nächste Meldung am Schirm. Plötzlich kündigte ein Glimmen um meinen Körper an, dass ich von einem Transporter erfasst wurde…
„Bitte setzen Sie sich, Kadett“, vernahm ich, kaum das ich ganz materialisiert hatte. Vor mir war dieses typische Bild eines viel zu grossen Tisches mit nur drei Personen, die daran saßen. Commander MPacho und noch zwei, deren Namen mir im Gegensatz zu ihren Positionen entfallen waren: „Der“ Ausschuss! Dazu wohl ein paar passende Worte, weil dieser Ausschuss recht neu ist:
Die neueste Empfehlung der Starfleet ist folgende: Da bei zukünftigen Missionen aufgrund der vielen Verhandlungen mit fremden Völkern häufig Gäste an Bord der Starfleet-Schiffe sind, welche überaus angemessen zu behandeln sind, wird empfohlen, hier gesondertes Personal einzusetzen, damit der eigentliche Ablauf auf den Schiffen nicht beeinträchtigt wird und mögliche Anwärter auf höher bewertete Positionen die Gelegenheit haben, eben jenen Ablauf und auch die für ihn fremden Völker kennenzulernen. Hierzu ist ein Ausschuss bei allen Schulen einzurichten, der die Selektion der entsprechend passenden Kadetten übernimmt.
Dieses sprach sich natürlich recht schnell rum, besonders bei den Kadetten. Einige über-Bemittelte brachten dann den „Starfleet-Kuven“ als Bezeichnung ins Spiel. >Kuve< ist ein klingonisches Wort für Sklave oder Lakai. Somit war es für die meisten Kadetten absolut unpassend, sich freiwillig dafür zu melden. Brad und ich dachten da anders: Wir konnten uns nichts einfacheres vorstellen, um auf DAS Schiff zu kommen.

(Fortsetzung)

[1] C`leron ist irdischen Ursprungs und schon recht alt. Keiner weiss genau, wie es zu einem solchen Schimpfwort wurde und bedeutet nichts anderes als: Arsch, Müll, Gurke, Pfeife, Pfosten, Weichei; ganz nach Situation.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.