Alles Zufall 5

(Die älteren Teile findet man hier: 1 2 3 4 )

Alles Zufall

5.

„Dann muss ich dir ja doch böse sein,“ sagte Brad mit einem Grinsen im Gesicht, nachdem ich ihm meine Begegnung mit dem Ausschuß berichtet hatte. „Aber ich komme auch noch dahin, warte es nur ab.“
Wir beide saßen auf der Bettkante. Zwischen unseren Beinen spuckte Brad`s letztes Geburtstagsgeschenk von seinem Onkel nach einem speziellen Random-Programm regelmässig die absolut unglaublichsten Drinks aus. Sein Onkel war als zweiter Chef-Ingenieur in der Abteilung tätig, die unter anderem Replikatoren bauten und weiterentwickelten. Dieser Mini-Replikator war einer von wenigen Prototypen aus einer kleinen Versuchsreihe. Sie wurde zunächst wieder eingestellt, weil die Energie-Anforderungen für ein Gerät solcher Größe bedeutend zu hoch waren.
Wir lösten das Energie-Problem, indem wir das Labor anzapften, in welchem die Schüler im Umgang mit der Kraftfeld-Technik ausgebildet wurden. Da es hier regelmässig aufgrund von unsachgemässen Handlungen zu enormen Energie-Verschwendungen kam, fiel es nicht weiter auf, dass wir die Energie-Speicher der Mini-Bar mehrmals wöchentlich aufluden.
Ich nahm mir das nächste Glas unter der Ausgabe-Glocke und grübelte kurz, auf welchem Planeten die Farben dieses Drinks wohl normal waren.“Du hast doch sicher schon einen Plan, richtig?“ So froh ich war, dass der nächste Schritt für mich offenbar in die richtige Richtung ging, so bedauerlich fand ich, dass Brad mich nicht einfach begleiten konnte.
Er betrachtete die Situation ganz sachlich: „Naja, erst muss ich mal mein Problem lösen, das dich so weit nach vorn gebracht hat.“
Mir ging wieder unser kleiner Ausflug durch den Kopf, der Auslöser dafür war, dass Brad nicht wie schon festgelegt an dem Adjudanten-Projekt teilnehmen konnte:
Brad hatte diesen Ausflug geplant, weil er seine Auswahl zum Starfleet-Kuven angemessen feiern wollte. Eigentlich war nichts überraschendes an dieser Wahl. Stammt er doch aus einer einflußreichen Familie, die ihm mehr Türen öffnet, als anderen lieb sein kann. Und ganz nebenbei hat Brad Eigenschaften, die es den Führungsoffizieren leicht machten, dem sanften Druck der Familien-Einflüsse nachzugeben: Er ist intelligent, einfallsreich, spontan und so weiter; eben alle Attribute, die auf einen Helden passen würden. Seltsamerweise ist er trotz seiner äusserst schlechten Sport-Leistungen ein guter Kämpfer. Er gibt niemals auf und findet fast immer den schwachen Punkt seines Gegners.
Ich hatte ihn mal gefragt, wie das kommt, und er antwortete: „Ich stamme aus einer alten Familie.“
Das sagt er zwar immer, wenn man ihn auf sich selbst anspricht, aber dieses mal sagte er noch mehr: „Der Stammbaum unserer Familie enthält mehr als zwei Dutzend Völker. Ich persönlich entstamme einer Verkettung von acht Völkern. Exakt zur Hälfte bin ich menschlich, da alle Väter immer alle menschlichen Eigenschaften hatten. Meine Ahnen der menschlichen Seite gehörten zu den Mongolen. Meine Vorfahren der Nicht-Irdischen waren allesamt Handelsvölker. Und wer einmal miterlebt hat, wie es auf den Handelsmärkten jenseits der früheren Förderationsgrenzen zugeht[1], weiss, wie Kriege gewonnen werden.“
Nachdem ich das verarbeitet hatte, nahm ich mir vor, nie wieder eine Partie G-nopoly[2] mit ihm zu spielen.
Unser Ausflug vor ca. acht Wochen war wirklich beeindruckend für mich. Hatte ich doch nie die Möglichkeit in Augenschein genommen, mit meinen mühsam verdienten Credits etwas zu veranstalten, was mein Konto bei der enorm respektierten Fereng-Bank derart belasten würde. Brad plante, seine Feier in einer Bar durchzuführen, von der ich früher annahm, dass diese nur der Fantasie einiger angeberischer Weltraumhalunken entsprang.
Im Nachhinein stellte sich raus, dass Brad sämtliche Buchungen aus dem Lokal umgeleitet hatte, zu Lasten des Fonds für „Handelsunfähige Ferenghi in Kaufkraftschwachen Gebieten“ oder so ähnlich. Wie er sagte ein Paradoxon, welches mit seinen eigenen Waffen geschlagen werde müsste.

(Fortsetzung)

[1]vgl. „SSV – Sommerschlußverkauf: Wer überlebt, wird reich“ISBN xxxxx-xxxxxx, ausverkaufte Ausgabe
[2]Eine sich seit 100 Jahren durchgesetzte Variante der veralteten Mo- und Binopoly mit drei Ebenen und echten Credits.

Teil 6

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