Lösungsorientiertes Denken

Früher dachte ich immer, ich sei ein Optimist. „Alles wird gut“ lautet meist meine Devise und damit komme ich recht gut durchs Leben. Aber erst nach und nach habe ich feststellen müssen, dass ich nicht einfach nur ein Optimist bin. Es ist die Art, wie ich denke. Und das wird jetzt kein Selbst-Lob oder Macho-Gehabe oder wie man das auch immer nennen will, sondern es ist eine Erfahrung, die sehr langsam heranwuchs und sich dann auf einmal wie das sprichwörtliche Licht auftat: In mir wuchs die Erkenntnis, dass nicht wenige Menschen sehr Problemorientiert denken: Sie sind am jammern, das dies und jenes nicht geht, alles wird teurer, vieles sei zu kompliziert. Ich dagegen unterhalte mich mit diesen Menschen über eine Sache und sehe das alles ganz anders: Ich sehe nicht das Problem sondern mögliche Lösungen. Also Lösungsorientiertes Denken.

Ich weiss nicht, in wie weit darüber schon Abhandlungen etc. geschrieben wurden und will auch gar nicht (im Netz der Netze) danach suchen. Es ist für mich auch kein herausragendes Merkmal oder irgendwas, was mich besser als andere macht, aber es ist ein Unterschied, den ich an mir zu anderen festgestellt habe.  Natürlich sind die Lösungen, die mir gegebenenfalls einfallen, nicht immer die richtigen und oft auch nicht praktikabel, aber dann guck ich mir die Fakten und die vorhandenen Möglichkeiten an und wäge neu ab. Immer mit dem Ziel, dass das Problem keines mehr ist oder erträglicher wird. Und manchmal muss man halt die für die Lösung erforderlichen Elemente so weit reduzieren (niemals erhöhen, das gibt nur neue Probleme…), dass eine Lösung auch funktioniert.

Es ist natürlich schwer, hier ein Beispiel zu liefern. Ich nehme einfach mal das, was mir gerade einfällt und immer und überall ein Thema ist: Benzinpreise. Natürlich kann ich mich darüber beklagen, dass das früher wesentlich billiger war und wenn man das mal in Deutsche Mark umrechnet müssten die Tankwarte ja rot werden vor Scham und überhaupt, wie stellen die sich das vor, ich brauche doch das Auto für meinen täglichen Arbeitsweg und Arbeiten wird man wohl ja noch dürfen usw usf. Aber Fakt ist: Ich kann die Benzinpreise nicht unmittelbar beeinflussen. Nein, es hilft nicht, wenn ich diese und jene Marken-Tanke nie mehr ansteuere. Das ist zu naiv, Leute. Für das Problem „hohe Benzinkosten“ gibt es eine recht überschaubare Anzahl an für mich anwendbaren Lösungen:

  • Ich reduziere meinen Verbrauch
  • Ich erhöhe meine finanziellen Mittel für diesen Kostenpunkt

Indirekt kann man natürlich noch einiges mehr versuchen: Ich trete einer Bürgerinitiative bei, ich beteilige mich an einer Petition oder ich klaue mir den Sprit, den ich benötige. Alles aber keine Ansätze, die mich zeitnah, kostengünstig und/oder langfristig weiterbringen. Und wie mein Schwiegervater quer durch die Stadt zu fahren, um 1,5 (in Worten einskommafünf) Cent pro Liter Super weniger zu bezahlen ist auch mehr Selbstverarschung als Gewinn. Ganz zu schweigen von denen, die immer nur für 20 Euro tanken. Das ist allerhöchstens Risikostreuung, aber keine Ersparnis. Und wenn man kein Geld hat hilft es sowieso nicht, wenig zu tanken: Entweder man braucht den Sprit oder nicht. Dann besser einmal volltanken und für einige Zeit Ruhe mit dem (leidigen) Thema zu haben.
Neulich musste ich auch wieder tanken und der Preis lag bei 1,55(9). Vollgetankt macht das bei ca. 65 Liter 101,45 Euro. Einen Tag später fahre wieder an der Tankstelle vorbei und der Preis ist auf 1,51(9) gesunken. Tja, ärgerlich. Aber 4 Cent mal 65 machen gerade mal 2,60 Euro aus, dafür gibt es nicht mal ein Bier in der Innenstadt. Klar, auf 10 Jahre gesehen hätte ich zig 100 Euro gespart, aber das ist ja noch blöder, sich selbst eine solche Rechnung vorzugaukeln. Ehrlich gesagt gebe ich viel mehr Geld als diese 2,60 für Dinge aus, die ich eigentlich gar nicht brauche. Und hier ist das nächste Problem für Leute, die anders denken als ich: Es geht nämlich gar nicht um den Benzinpreis sondern um Geld allgemein.
Da muss aber jeder erstmal ehrlich bei sich selber schauen, bevor er Tankwarte verkloppen will: Wer jeden Monat für WoW Geld abdrückt oder ein Zeitschriften-Abo hat, das er eigentlich schon längst kündigen müsste oder lieber gerne dieses eine besondere Lokal in der kleinen Gasse besucht oder  sich jeden Tag in der Kantine satt isst statt Stullen mit zu nehmen muss nicht über Benzinpreise jammern. Oder über Verkehrsregeln, die einen zum bremsen zwingen, was ja auch SPRIT kostet… gna. Bei den Problemern sind immer die anderen schuld und müssen das lösen, niemals sie selber.

Ich fahr halt etwas langsamer auf der Autobahn, so dass mein (zugegeben etwas überdimensionierter) BMW unter 9 statt über 12 Liter braucht, nutze oft eine sehr ausgewählte Fahrgemeinschaft und verwende eine Kreditkarte zum Tanken, die mir jedes mal 5% (im obigen Beispiel übrigens über 5 Euro) gutschreibt, wenn ich damit tanke.
Und wenn es mir wirklich auf den Sack geht, dass ich jeden Tag X Kilometer fahren muss, um an meinen Arbeitsplatz zu kommen dann müsste ich mir einen Arbeitsplatz in der Nähe suchen statt meinem Arbeitgeber Schuld an den Benzinpreisen zu geben.

So. Und das war jetzt nur ein kleines Beispiel von vielen Dingen, mit denen man im Leben zu tun hat. Ich sage nach wie vor nicht, dass ich damit richtiger liege als andere. Aber ich mag es nicht, wenn Leute immer einfach nur jammern und warten, das andere was ändern, damit es einem selbst besser geht. Da höre ich lieber in Ruhe zu, schaue mir alles an und sammle Fakten, um meine eigene Lösung zu finden. Wie gesagt: Klappt prima.

In diesem Sinne: Alles wird gut!


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1 comment for “Lösungsorientiertes Denken

  1. Der Alex
    22. Juni 2011 at 07:45

    Salü Holgerchen,

    schöner Artikel und ich glaube ich lüge nicht wenn ich sage das wir da relativ ähnlich denken. Jammern hilft nicht… Gut für mich das ich diese Erkenntnis schon in jüngerem (im Vergleich zu dir) Alter habe ;o) Da kann ich ja noch viel mehr Lösungen finden.

    Man muss aber auch sagen, das es in der Natur des Menschen liegt zu jammern, vll ist er aber dahin erzogen… nein es ist die Natur. Wir sind Herdentiere und brauchen einen der uns leitet. Der der Leitet nimmt uns Entscheidungen ab und wenn uns das Leben dann nicht gefällt ist er Schuld… perfekt. In jeder Herde gibt es aber auch Tiere die selber Leiten wollen und die sind dann eher Lösungsorientiert… Ergo = Wir sind Alphatiere.

    Ich schweife ab. Ich gebe dir recht.. voll und ganz… ;o)

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