mein Haus im Internet

Heute sah ich im TV bei „neues“ (einer tollen Sendung auf 3Sat, die leider jetzt nach fast 20 Jahren eingestellt wird) einen Bericht darüber, dass Microsoft mit ihrer Suchmaschine Bing nun dabei sind, die Strassenzüge in Deutschland abzufotografieren. Das kennen wir doch? Na klar, Googles Streetview. Und heute wie „damals“ kommt die Diskussion um Privatsphäre auf; darum, dass mit den Bildern der Häuser ja das Anlegen eines umfassenden Profils einzelner User möglich wäre. Und (ein unglaubliches Argument) dass werbende Firmen einem ja je nach Wohngegend nicht die besten oder eben nur die teuersten Dinge anbieten aber eben nicht alles. Davon abgesehen, wie erstaunlich ich es finde, dass die Firmen heutzutage offenbar mehr Geld in die Marketingabteilung pumpen als in die Produktentwicklung, um durch das Produkt selbst die glücklichen Käufer zu finden (ja, ein Thema für sich, Obsoleszenz und Bedürfnisse und Konsumverhalten und Selbstdarstellung undundund) kann ich diese Empörung nicht nachvollziehen. Als Beispiel wurde angegeben, dass die Leute ja in Facebook, StudiVZ, Stayfriends, Xing und wie sie alle heissen vertreten sind. Und dort findet man natürlich auch Informationen über eben diese Leute. Klar, dafür soll es ja wohl da sein (warum auch immer man das machen muss). Die Sorge ist nun wortwörtlich:

Datenschützer warnen nun vor der Verknüpfung von Geo-Daten mit Daten aus sozialen Netzwerken

Und wenn man einen Kredit haben will, dann schaut der Berater vorher: wo wohnt „der“ denn. Ja und??? Wenn ich jemanden Geld leihe, dann will ich den auch besser kennenlernen.

Es ist wohl einfach schick geworden, sich über alles mögliche aufzuregen, ohne seine eigenen Argumente mal zu prüfen. Und jaaa, sicherlich habe auch ich nicht immer Recht mit meinen Aussagen, aber zumindest versuche ich, ausreichende Informationen zum Thema einzuholen. Und genau dieses findet oft nicht mehr statt. Versteht mich nicht falsch, ich will das alles nicht pauschal gut heissen. Aber Stadtpläne gibt es z.B. auch schon sehr lange und als ich mir vor dreissig Jahren ein Taschengeld mit dem Verteilen von Handzetteln (für einen Juwelier) verdient habe, da bekam ich auch einen Stadtplan mit eingekreisten Gebieten, wo doch bitte die Zettel verteilt werden sollten. Und das waren keine Hochhaussiedlungen, wo ich viele Zettel auf einen Schlag losgeworden wäre.

Um festzustellen, wo „Geld“ wohnt, brauche ich kein Streetview. Und so bescheuert ich die überzogenen Ideen heutiger Marketingkampagnen finde muss ich doch sagen: Hätte ich ein eigenes Unternehmen, dann würde ich auch versuchen, mit der Werbung meine Zielgruppe zu erreichen. Natürlich würde ich mich nicht auf die Meinung irgend eines Algorithmus aus einem Computer verlassen, aber wer keinen Kamin hat braucht kein Kaminbesteck. Warum den bewerben?

Und dann erfährt man, dass es Dienste wie Foursquare.com gibt, wo die Leute mit Begeisterung preisgeben, wo sie sich gerade aufhalten bzw. aufgehalten haben. Dann sind sie nämlich „Bürgermeister“ irgendeines Klosetts. Und das ist nicht der einzige Dienst, der sowas anbietet. Ob die Leute sich wohl irgendwo über ihre App „einchecken“ und von dort aus twittern, wie Scheisse sie das mit den Häuserfotos im Internet finden?

Das wäre eine verrückte Welt. Aber leider nicht unwahrscheinlich.

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1 comment for “mein Haus im Internet

  1. Thomas
    6. Juli 2011 at 11:37

    Also ich glaube Verbote und Regeln helfen bei solchen Dingen nciht viel weiter. Die Leute sollten endlich aufwachen und sich an die Gegebenheiten anpassen. Man muss eben den Umgang mit neuen Techniken lernen und sie nicht gleich ablehnen. Mein Haus ist im Internet und ich finde es nicht schlim. Es hat sich doch gezeigt, dass sich solche Entwicklungen eigentlich nie umdrehen lassen, selbst wenn es nicht immer gut ist.

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