Spiel im Schatten

Ich hatte ja neulich über Schach geschrieben und kündigte an, dann und wann mal was drüber zu schreiben, was dem Einsteiger hilfreich sein könnte. Da kommt mir dieser Film doch gerade recht:
In der neusten Sherlock Holmes-Verfilmung „Spiel im Schatten“ kommt es zum Ende dazu, dass Holmes und Moriati gegen einander Schach spielen. Natürlich Blitzschach, natürlich nur fünf Minuten Zeit für beide. Diese schnelle Variante des Schachs ist bei weitem nichts für mich, denn mit der extrem geringen Zeit ist es sinnvoll, die gängigen Eröffnungszüge verinnerlicht zu haben, um schnell und richtig reagieren zu können. Und auch wenn man im ersten Moment glaubt, so viele Möglichkeiten gäbe es ja nicht für die Schach-Eröffnung, so steigt doch die Zahl der Variationen mit jedem Zug sehr an und immerhin gelten die ersten 10 Züge noch als Eröffnung des Spiels. Ausserdem gibt es schon 20 mögliche Züge nur für Schritt eins: Die acht Bauern können entweder einen oder zwei Schritte vor gehen, dazu kommen die beiden Springer, die jeweils zu zwei Seiten springen können. Sinnvoll für das weitere Vorgehen sind natürlich nicht alle. Einige könnten auch dem Gegenspieler zu sehr gelegen kommen. Ich selbst könnte ja schon fünf Minuten dafür brauchen, mich für die richtige Eröffnung zu entscheiden und versuche immer wieder, mir im Internet Anregungen zu holen. In letzter Zeit habe ich das aber sein gelassen und konzentriere mich auf die Standarderöffnung: 1.e2-e4. Und wenn ich Schwarz bin und der andere eröffnet genau so, dann antworte ich mit 1. …d7-d5. Dieser schwarze Zug ist für den Anfänger eigentlich schon zu gewagt, die sollten bei …e7-e5 anfangen, das lässt am meisten Spielraum. Dies alles vernünftig zu erklären ist vermutlich der Grund, warum einige Bücher eher schlecht für Einsteiger wirken. Da wird das so hingestellt und der Spieler muss dann irgendwann selbst erkennen, warum das denn so ist. Und wir sind noch beim ersten Zug.

Ich versuche mal, etwas Licht da rein zu bekommen:
Wenn man die e- oder d-Bauern zieht, dann lässt man seinen anderen Figuren noch genug Platz, „sich zu entwickeln“. Das scheitert aber zunächst schon, wenn man die Bauern nur ein Feld hochzieht, denn die Läufer sind dann erstmal blockiert.  Ruckzuck wirkt das Spiel verbaut und eng und man weiss gar nicht, was man als nächstes ziehen soll. Mein oben erwähnter 1. e2-e4 d7-d5 ist die so genannte „Skandinavische Verteidigung“ und zwingt den weissen Spieler gleich zu entscheiden, wie das Spiel weiter gehen soll. Daran erkenne ich wiederum schnell, was für ein Typ von Spieler (Offensiv? Taktiker?) mein Gegner ist (und verstosse im Zweifel anschliessend gegen eine der Grundregeln, siehe unten).

Ausserdem will man Läufer und Springer schnell aus der Bahn haben, weil dann eine Rochade (König/Turm) möglich ist: Eine gute Möglichkeit, sich dem Angriffsspiel des Gegners zu entziehen (aber nicht immer schlau… aufpassen!). So hat man auf jeden Fall die ersten drei bis vier Züge geschafft und man kann warten, was der Gegner macht (vielleicht schon was gewagtes, einen Fehler?). Aus diesen Gründen gibt es mittlerweile einige Grundregeln bei der Eröffnung im Schach, die man als weniger erfahrener Spieler durchaus beherzigen sollte (und ich tue es auch noch im Grossen und Ganzen):

  • Ziehe einen Zentralbauern, um die Läufer entwickeln zu können
  • Entwickle dann die Leichtfiguren Springer und Läufer
  • Vermeide, die Dame zu früh ins Spiel zu bringen
  • Jede Figur sollte in der Eröffnung möglichst nur einmal gezogen werden
  • Jeder Zug sollte der Beherrschung des Zentrums und der Sicherung der eigenen Figuren dienen
  • Die sichere Positionierung des Königs (aufpassen!) durch eine Rochade sollte so früh wie möglich in der Eröffnungsphase geschehen
Mit etwas Erfahrung kann man die einzelnen Zugfolgen natürlich auch umdrehen, wenn man z.B. erst die Springer und dann die Bauern zieht, aber wesentliche Experimente sollte man vermeiden. Nie den Gegner unterschätzen, seine eigene Raffinesse kann man später immer noch zeigen 😉 Wenn also der Gegner seine Dame sehr früh zieht, dann wisst ihr schon mal, ob er entweder sehr erfahren oder noch ein Anfänger ist… ob es hilft? Hier hilft nur die Erfahrung aus vielen Spielen, um die Stellung zu „sehen“. Deswegen ist auch Simultanschach eine gute Übung: Man prägt sich die Stellungen nach und nach ein.
Da guck ich also den Film und sehe, wie Moriati dramatisch das Spiel mit dem ersten Zug eröffnet. Da hab ich doch gleich mal die Pause-Taste gedrückt, weil ich so baff war. Schaut euch mal das Bild oben an: Fünf weisse Bauern stehen dort noch, also wurde der sechste von rechts gezogen, zwei fehlen noch. Also der c-Bauer. Was ist das denn für eine Eröffnung? Und dann noch in einem Blitzschachspiel?!? Dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder die Macher des Films haben auf solch ein „unwesentliches“ Detail nicht geachtet oder der Dr. Moriati ist wirklich ein sehr schlauer Kopf. Und in der Tat: 1.c2-c4 ist die so genannte „Englische Eröffnung“, und für einen Profi durchaus spielbar. Von den folgenden Zügen des Spiels bekommt man leider nichts mit und in der Schlussphase tragen die beiden das Spiel rein verbal aus. Ich hatte mir die Züge notiert, aber auch mit langem Grübeln und „Rückwärtsspielen“ konnte ich da keinen Sinn mehr erkennen, für mich sieht das willkürlich aus:
LxS+ (das + bedeutet Schach)
Kh2
Ta3+
Lh3
LxL
Tf4
TxT
BxT
Lf7
DxSb (Dame schlägt Springerbauer wurde das im Film genannt…?)
Lf8# (wird manchmal auch ++ notiert)
Ich verrate aber nicht, wer den letzten Zug gemacht hat, will ja nicht die Spannung nehmen 😉

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