IGel

Ist jemand in letzter Zeit mal beim Arzt gewesen? Vielleicht beim Zahnarzt, einfach zur Kontrolle? Hat der Arzt vielleicht dringend angeraten, eine prophylaktische professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen? Bei mir war das so, und gleich mit dabei meine ganze Familie. Son büschen vorsorgliche Zahnpflege ist ja immer was gutes und bei den Zähnen hat man ja auch schnell das Gefühl, man pflegt diese nicht ganz so, wie sie es verdient hätten. Daneben gibt es natürlich noch einige andere Ärzte und auch dort hat dieser oft etwas parat, was man für das eigene körperliche Wohlbefinden machen könne, „die Krankenkasse das aber leider nicht übernimmt“.

Ist ja auch eine Schande mit den Krankenkassen… machen Gewinne ohne Ende und die Leistungen werden immer mehr gekürzt! Hört man hier und da. Stimmt aber so formuliert gar nicht. Meine Krankenkasse tut von sich aus recht viel für mich und es gibt einige Leistungen, die ich bei den Ärzten nicht bezahlen muss (z.B. jährliche Untersuchung beim Hautarzt). Und ich kann meine Krankenkasse hierzu immer gern befragen und bekomme immer gute Auskunft.

Aber was hat es nun auf sich mit den (neuen) fürsorglichen Angeboten unserer Ärzte? Teilweise findet man im Wartezimmer ja die Zeitschriften nicht mehr, weil etliche Flyerhaufen auf dem Tischchen liegen und irgendwelche Vorsorge propagieren 😉 Der Hintergrund: Individuelle Gesundheitsleistungen, abgekürzt IGel. Das sind eben Leistungen der Mediziner für seine Patienten, die er als notwendig und hilfreich erachtet und gerne erbringen würde, die aber nicht durch die Krankenkasse bezahlt werden. Der Patient muss hierfür also selbst zahlen und deswegen dieser Behandlung und der Bezahlung explizit zustimmen (komischerweise bekommt man aber nicht immer eine Rechnung über diese Leistung, hm).

Und weil sich herausgestellt hat, dass der ein oder andere Arzt hier scheinbar nicht immer nur das Wohl der Patienten sondern auch das Wohl seines Geldbeutels im Auge hat, befassen sich da mittlerweile  „andere“ Stellen mit. Denn es ist natürlich so, dass diese Einnahmen direkt in die Tasche des Arztes gehen. Es ist dann wie die Dienstleistung eines Fensterputzers etc. Und für den Interessierten, der wissen möchte, ob die letzte IGel des Hausarztes nun wirklich sinnvoll war, der kann sich auf der Seite igel-monitor.de weiter informieren. Noch nicht ganz vollständig werden dort aber schon einige Leistungen bewertet und sogar festgestellt, ob diese nicht sogar schädlich(!?) sein können.

Beispiel:
Bestimmung der Protein-C-Aktivität („Thrombose-Check“):
Die vorsorgende Bestimmung der Protein-C-Aktivität als „Thrombose-Check“ bewerten wir als „tendenziell negativ“.

„Tendenziell negativ“ bedeutet: „Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen“. Da kann man natürlich nachdenklich werden. Ich kam beim ersten Aufruf der Seite schnell ins Stöbern, denn dort werden viele Fragen mit gut verständlichen Texten erklärt, die ich mir vorher gar nicht gestellt hatte… wer nimmt schon an, dass sein Arzt einem was ungutes will? Nichts gegen unsere Ärzte, aber zumindest hier sollte es doch mit viel Vertrauen einhergehen. Unnütze Dinge werden uns schon anderswo oft genug angeschnackt.

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2 comments for “IGel

  1. 2. November 2014 at 12:13

    Hi Holger,

    ach schau, den Artikel hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Interessant … da die Seite aber vom „Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.“ betrieben wird, zweifel ich spontan die Objektivität an. Leider wird auch nicht genau die eventuellen Gefahren beschrieben. So richtig Informativ finde ich den Igel Monitor daher nicht.

    Aber natürlich sind wir uns natürlich einig das es sicher häufig gute Gründe dafür gibt, warum eine Kasse eine Leistung nicht übernimmt.

    MFg der Alex

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