Leergut-Automaten

unfähiges Vorserienmodell des Terminators

unfähiges Vorserienmodell des Terminators T1000

Heute stand ich wieder vor einem Leergut-Automaten und wartetete, bis er bereit war, mein Leergut anzunehmen. Ich musste die Bierkiste zweimal raus und wieder reinschieben, bis es ihm genehm war. Richtig abenteuerlich wird es mit von Kälte verknitterten PET-Flaschen und halb abgelösten Etiketten.

Verdammte Apparate!

Bevor diese Maschinen die Weltherrschaft über das Pfandsystem übernahmen, da waren es noch meist Ex-Häftlinge, die dankbar und vermutlich unterbezahlt aber ohne Meckern die gesammelten Pfandflaschen entgegen nahmen und einem dafür Bargeld statt eines Thermodruckerzettelchens in die Hand drückten. Na gut, die Summe stimmte nicht immer, war aber meist einem Rechenfehler und keinen kriminellen Hintergedanken zuzuschreiben. Doch so kam man mit dem netten Herrn mit den billigen Tätowierungen am Körper mal ins Gespräch und dieser freute sich, einen Weg zurück in die Gesellschaft gefunden zu haben.

Heute? Die blöden Maschinen piepen, tuten und blinken, wenn die irgendwas nicht begreifen und selbst wenn sie funktionieren, dann klingt im matschig-schmatzenden Rotieren der kleinen Förderbänder der nie endende Durst vergangener Saufgelage aus den flüssigen Resten der eingeworfenen Bierflaschen, welche sich dann in die Mechanik ergossen und alles verklebend bis zur nächsten Wartung diese einzigartige Geräuschkulisse produzieren. Nicht notwendig zu erwähnen, dass es dann aus dem Maschinenschlund genau so riecht wie man sich den Atem eines Lippenstiftverschmierten Mundes einer zu lange im Dienst tätigen Nutte Barfrau vorstellt.

Neulich kam ich zur Rush-Hour an zwei solche Apparate, wo sich an beiden schon eine Schlange von wartenden Menschen gebildet hatte. Jeweils vorn am Automaten waren zwei mit Uuuunmengen an Leergut dran, der eine in gelben Säcken, der andere hatte einfach den Einkaufswagen voll gekippt. Um uns die Zeit zu vertreiben kam ich mit dem vor mir Wartenden ins Gespräch und wir versuchten zu erraten, wer von den beiden wohl schneller fertig wird. Seine Vermutung: „Der Typ links; vernünftige Klamotten, schnelles, Zielstrebiges Handeln, der macht das Rennen!“
Ich darauf hin: „Neinnein, der mit der abgerubbelten Cordhose, dem zu engen Karohemd, der ist der Profi. Greift ohne zu gucken in seine Beutel, schmeisst die Flaschen schon nach, bevor die erste ganz weg ist, der kennt sich aus!“ Darauf argumentierte mein Gesprächspartner: „Schau dir doch meinen an, das ist ein Business-Typ, der hat nie Zeit, der muss weiter!“ Das wusste ich ganz gelassen zu kontern: „Ja, genau: Der hat zwei nervige Töchter daheim, die nur Cola light trinken, dazu eine Ehefrau, die ihn nötigt, Getränke zu holen, weil doch nachher noch Besuch kommt und nimm eben das Leergut mit und während er ungeschickt die blöden Flaschen aus dem blöden Wagen fischt denkt der die ganze Zeit an den letzten Anschiss von seinem Chef und ärgert sich, hier so niedere Arbeiten zu machen aber besser als zuhause das Gekeife zu ertragen“.
Das gab ihm zu denken, doch noch bevor er anerkennend nicken konnte, unterbrach uns das Düdeln des Automaten bei meinem Kandidaten, weil ihm irgend eine Flasche wieder mal nicht schmeckte. So wurde der faire Vergleich unterbrochen. Immerhin war es nicht langweilig.

Liebe Discounter, Getränkehökerer und sonstige Pfandautomaten-Verwender:
Nutzt die Chance und seid die ersten, die sich von diesen dummen Teufelsmaschinen abkehren! Das kann man sogar prima Marketingtechnisch verwerten, denn werden so nicht Arbeitsplätze geschaffen? Dazu können die Kunden wieder viel entspannter (und wahrscheinlich mit mehr Zeit) ihren Einkauf tätigen. Beim Lidl sind die Automaten in einem extra Vorraum. Dort müsste nur eine Theke rein und dahinter jemand, der den Job machen will. Und der kann ja bei Gelegenheit die Flaschen in die Maschine stopfen, falls das noch notwendig ist.

Ich denke: Der Markt, der das als erste einführt, der lockt Kunden an. Und die sorgen dann schon dankend für ausgleichenden Umsatz.

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2 comments for “Leergut-Automaten

  1. Mark
    10. Januar 2015 at 23:02

    Endlich spricht es mal jemand aus! Ist das der beschi**ene Automat beim Aktiv Plopp? Der kostet mich auch immer nerven… ein Grund mehr immer nur Kisten mit Glasflaschen zu kaufen!

    VG & Prost
    Mark

  2. Günther
    18. Oktober 2016 at 08:12

    Ich denke das größte Problem ist das die Dinger bei Eiseskälte und Sahara Hitze draussen stehen und dreckig sind. Ich kenne in OL diverse Märkte die gut gepflegte Automaten haben welche zudem auch drinnen stehen. Die laufen eigentlich immer und wenn man die richtig bedient piept auch nix. EDEKA in Kreyenbrück zum Beispiel, die haben sogar einen mit Touchscreen vom selben Hersteller. Rennt wie die Sau.
    Bin froh das es die Dinger gibt. Der ganze Siff damals an den Kassen mit Einweg und das ewige Warten bis Fiete Fusch mal die Mehrwegflaschen gezählt und weggeräumt hatte…. Dann lieber so.

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