Sport, Spiel oder Wissenschaft?

Nachdem die Dart-Weltmeisterschaft 2017 beendet ist, kommen hier und da Diskussionen auf, ob Dart denn nun ein Sport sei oder nicht. Ganz sicher ist das eine Frage der Definition von „Sport“, aber wer mal mehr oder weniger ernsthaft ein paar Runden Darts (Steel- oder Softdart ist erstmal zweitrangig) geworfen hat, der wird mir zustimmen, dass es sich um mehr als nur ein Spiel handelt. Und wenn man dann betrachtet, mit welcher Ausdauer und Disziplin von den Profis die guten Würfe, also immer wieder Triple und die notwendigen Doppelfelder, geworfen werden, dann ist das sogar auf jeden Fall ein Sport.

Ich erinnere mich, dass es eine ähnliche Unterhaltung auch bei der letzten Schach-WM gab. Es wurde die Frage gestellt: „Ist Schach denn Sport, Spiel oder Wissenschaft?“ und der Gefragte antworte nach einigem halblauten sinnieren, man müsse ein neues Wort dafür erfinden.

Ganz offiziell gelten beide eindeutig als Sportart. Und natürlich muss nicht jeder Sport so strapaziös wie Boxen oder ein Marathonlauf sein. Beim Golfen sind doch auch alle einer Meinung, und wenn das jemand als „Spiel“ bezeichnen würde, gäbe es sicher einiges an Gemecker. Aber ich gebe zu, dass es eigentlich einen passenderen Begriff für z.B. Darts geben müsste.

Aber andererseits: Warum immer alles neu erfinden, immer alles genau definieren und beschreiben? Der Sport an sich ist ja schon ein Oberbegriff und kann vielfältig unterteilt werden, u.a. Denksport, Rennsport oder eben Präzisionssport. Und genau da gehört Darts dazu, neben Curling, Billard, Golf (und Minigolf!) usw.

Beim Schach verhält es sich genau so, nur anders: Wer Schach nur „spielt“, wird nie einen Gegner ernsthaft Matt setzen können, da gehört einiges mehr zu. Zwar benötigt man nicht zwingend einen sportlichen Körper, aber das Gehirn will und kann auch trainiert werden. Schach ist deswegen so lange schon beliebt, weil es trotz der übersichtlichen Anzahl an Figuren (2x 16) und Feldern (64) und der festen, überschaubaren Regeln so wahnsinnig viele Möglichkeiten gibt, einen unerwartet guten Zug zu machen. Davon abgesehen kann eine Schachpartie auch recht lange dauern, da braucht man auf jeden Fall Ausdauer.

Die Triple- und Doppelfelder auf der Dartscheibe sind nur 8mm breit. Diese aus 2370mm Entfernung wiederholt exakt zu treffen, schafft man nicht spielerisch, dann wäre es ein Glücksspiel. Des weiteren werden die Pfeile (die im Durchschnitt 20-26 Gramm wiegen) auf bis zu 60 Km/h allein durch die Armbewegung beschleunigt. Nein, das ist eindeutig Sport. Deswegen können wir es uns verkneifen, Wortkonstrukte wie „Sportspiel“ oder „Spielsport“ zu bemühen.

Wer spielen will soll Pfeile werfen.

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