Tausendundein Loch

Ich habe in meinem Leben schon viele Löcher gebohrt. Echt viele Löcher, in so ziemlich jedem Durchmesser zwischen einem Millimeter und vielenvielen Zentimetern, in so ziemlich jedes bohrbare Material. Ob Stahl oder Kunststoff, ob Stein oder Holz, ob Erde oder mitm Finger in die Sahnetorte.

Und heute, da ist es dann passiert, nach (gefühlt, nicht gezählt) zehn Millionen Löchern: Nachdem ich neues Laminat in Flur etc. verlegt hatte, mussten noch die von mir ungeliebten Fußleisten zugeschnitten und montiert werden. Ich kann mich da immer nicht richtig entscheiden, wie es am besten geht: Nageln? Vergiss es, Entweder ist der Putz an der Stelle Diamanthart oder gar nicht vorhanden. Kleben? Dann muss meistens die Leiste fixiert werden, bis der Kleber ausgehärtet ist. Das ist nicht immer praktikabel. Bleibt nur die eigentlich einzig vernünftige Methode: Schrauben. Das ist aber auch gleichzeitig die aufwendigste Methode. Ich beschreibe mal kurz die Arbeitsgänge, auch wenn es nicht zwingend hier her gehört:

  1. gewünschte Position der Löcher auf der Leiste anzeichnen
  2. Löcher (in Grösse des Dübels) in die Leiste bohren
  3. Leiste korrekt positionieren und durch die Leiste in die Wand bohren
  4. Leiste wieder entfernen, Bohrdreck wegfegen/wischen/saugen
  5. Dübel einstecken
  6. Leiste wieder vor und anschrauben

Das ist grundsätzlich eine solide Sache. Dabei können natürlich die üblichen Probleme auftreten: Putz steinhart oder nur noch Pulver. Oder Bohrer wandert aus, weil Eisen in der Wand. Oder beim Anschrauben hebt sich die Leiste an anderer Stelle von der Wand und sieht scheisse aus. Oder, und nun kommen wir zu meinem Jubiläum: Man bohrt in ein Wasserrohr.

Mannmannmann. Ich musste so ca. 4 cm tief, wegen der Schrauben und damit das hält und so. Und bei dieser einen kurzen Leiste, die ich eh nur mit einer Schraube festmachen wollte, da ging der Bohrer auf Anhieb nur 3,5cm rein. Kurz gegrübelt: Nä, das haut nicht hin mit Dübel und so, das muss noch ein kleines bisschen tiefer. Und ruckzuck war ich ich gleich 22mm tiefer: Ich hatte das Kupferrohr gut mittig erwischt. Und das ohne ankörnen, auch ne Kunst. Mir kam ein satter 6mm-Strahl entgegen. Zum Glück war Thor im Haus, den konnte ich herbei rufen, damit der den Wasseranschluss zudreht (natürlich nach viel zu viel Gefrage undundund). Dann musste ein Stöpsel her: Weil Thor (er lernt ja gerade Koch) mir da keine schnelle technische Hilfe geben konnte, nahm ich flott den Bohrer, wickelte einen Lappen drum und stopfte ihn rein. Zwei Hammerschläge und dicht war es zunächst.

Was ist die erste Idee? Dichtschmieren und wenn es nicht leckt dann weitermachen als wenn nix wär. Aber so stumpf kann ich gar nicht sein. Zumal es noch ziemlich tropfte… nein. Bevor ich mich weiter darüber ärgern konnte, dass mein frisch verlegter Fußboden total eingesaut ist, nahm ich Hammer und Meißel und stemmte die Wand um das Leck auf. Der neue Boden voll mit Bauschutt. Als ich das Rohr sehen konnte rief ich meinen Klempner an, der zum Glück auch ans Telefon ging. Kurz besprochen: Ich muss weiter frei stemmen, damit er mit der Presse daran kommt und er sieht zu, wie er wen zu mir her kriegt. Letztendlich kam er dann selbst vorbei, sägte das alte gelötete Rohr raus und presste ein neues rein.

Fertig. Das war die Kurzform. Nun muss ich nur noch das Loch in der Wand wieder dicht kriegen, vier Stück 40 Jahre alte Fliessen besorgen und davor setzen und den 20 Stunden alten Fußboden… tja, mal sehen.

Aber ich werde diese Trefferquote nutzen und flott am kommenden Wochenende Lotto spielen.

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Facharbeitermangel

Man hört es häufig in den Medien und neulich stand es wieder in der Zeitung:

Fachkräftemangel bremst Wachstum

Nun bin ich selbst gerade in einer Phase der beruflichen Umorientierung und kann sagen: Diese Aussage ist so nicht richtig! Es gibt sicherlich einen Mangel an Fachkräften, denn gute Leute kann man ja immer gebrauchen, aber was es viel mehr gibt: Einen Fachkräftebezahlmangel. Ja, viele Firmen suchen weitere Mitarbeiter, sind aber nicht bereit, diese entsprechend zu entlohnen. Da sitzt man im Vorstellungsgespräch, tauscht sich prächtig fachlich aus, ist sich eigentlich so weit einig, und dann wird man mit Dackelaugen angeschaut: Mehr als x Euro könne man natürlich nicht zahlen, das wäre schon hoch angesetzt und dürfe man in der Firma auf keinen Fall weitererzählen, aber dafür gibt es ein super Betriebsklima usw. Ein anderer Chef klagte, er hätte soviel Aufträge, er müsste bald Nachts durcharbeiten. Aber als es auch hier um den Lohn ging: Nee, mehr geht auf keinen Fall, er zahlt ja schon immerhin die Anfahrt zur Baustelle (nicht die Rückfahrt, das wäre dann wohl meine Freizeit…). Neulich habe ich mich mit jemanden von der Handwerkskammer unterhalten und das nebenbei erzählt. Als ich Summe X nannte, da machte er grosse Augen: „Das kriegen doch ungelernte Floristinnen aufm Wochenmarkt!“

Diese Firmenchefs sind irgendwie in der Zeit stehen geblieben, ausser beim eigenen Kalkulieren. Habt ihr mal geschaut, was eine Handwerkerstunde heutzutage kostet?

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Menschen, Ideen und Gelegenheiten

Neulich habe ich im Podcast der Zeitzeichen von Emil Berliner erfahren. Da war ich einigermassen baff, als ich erfahren musste, dieser hat das Grammophon erfunden!? Ich war immer der Meinung, Edison hätte seine Wachswalze mit allem Pipapo erfunden und der Plattenspieler wäre „einfach nur“ die logische Weiterentwicklung von Edison. Von wegen, ein Deutscher wars. Und in dem viertelstündigen Zeitzeichen-Bericht erfährt der Hörer kompakt und kurzweilig, wie es dazu kam (Diese Podcastreihe ist sowieso immer sehr interessant, aber das ist ein anderes Thema). Eine ganz nebensächliche Ursache auf dem Weg zu dieser entscheidenden Erfindung war (Zitat aus Wikipedia):

Er wanderte 1870 als junger Mann in die USA aus, um der Einberufung zum preußischen Militär zu entgehen.

Und darüber musste ich nachdenken: Der Herr Berliner war zwar zu alt, um im Weltkrieg gekämpft zu haben, aber irgend ein Krieg ist ja immer. Statt als Soldat zu dienen hat er erstmal 1877 ein funktionierendes Mikrofon erfunden, wurde so wirtschaftlich unabhängig und konnte richtig loslegen. Damals war es etwas sehr außergewöhnliches, seine Stimme konservieren zu können. Heute kann und macht das jeder nebenbei mit seinem Smartphone… das war sicher ein Meilenstein in der technischen Geschichte der Menschheit.

Es gibt genug Dinge, die noch nicht erfunden wurden, oder zumindest verbessert werden müssten. Aber wie viele Menschen sind wohl im Kriege umgekommen, die diese „richtige Idee“ im Kopf hatten, aber leider sterben mussten, bevor diese Idee keimen konnte, wie bei Emil Berliner?
Es ist durchaus anzunehmen, dass jemand mit der Saat einer Idee für funktionierendes Plastikrecycling, Medikamente gegen Krebs, interstellare Antriebe oder für den Weltfrieden rumläuft. Wir sollten nicht zulassen, dass dieses Potential in (sicher immer sinnlosen) Kriegen vernichtet wird.

Hat jemand eine Idee, wie?

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Aktion Yachtfleet

Ich habe neulich von der Mission Lifeline gehört und deren Idee, Segelyachten als Rettungsschiffe im Mittelmeer einzusetzen, um Flüchtlinge aufzunehmen und in einem sicheren (europäischen) Hafen abzusetzen. Hier kann man genaues dazu lesen: mission-lifeline.de

Mein erster Gedanke war: Interessante Idee! Aber mit ein wenig Grübeln bin ich zu einem ganz anderen Schluss gekommen: Das ist nicht nur doof, sondern auch gefährlich und hat nix mit Humanität zu tun. Davon abgesehen, dass die meisten Yachten die geplante Ausrüstung gar nicht an Bord stauen können:

Zum Ausrüstungspaket für eine Yacht gehören: 2 Rettungsinseln, 300 Mahlzeiten, 150 Automatik-Rettungswesten, 1 Satellitentelefon, Zusatztreibstoff, Seekarten, AIS-Transponder, Schleppleinen, Helme, Hand-Funkgeräte.

Denn wie passt das zu den folgenden Boots-Anforderungen:

Die Segelyachten müssen hochseetauglich, mindestens 12 Meter lang sein und Kojen für mindestens 6 Besatzungsmitglieder haben.

Gut, mein Boot ist nur knapp 10m lang und hat nur max. 5 Kojen, aber auch auf 2m mehr bekommt man das alles nicht Seefest weggepackt. Und selbst wenn man das irgendwie hinbekommt oder eben weniger Ausrüstung mitnimmt, wie soll das ablaufen? So ein Flüchtlingsboot (in letzter Zeit wohl oft Schlauchboote…) ist ja besetzt mit einigen Dutzend Menschen. Wenn ich nun auf ein solches stoße, wen nehme ich mit? Frauen und Kinder zu erst und die anderen warten brav, bis ich weggefahren bin? Ich würde viel eher befürchten, dass so eine Segelyacht schnell „geentert“ und ggf. selbst zum Seenotfall wird, wenn es völlig überladen ist. Hat man es dann geschafft, einige an Bord zu nehmen und fährt die vielen Meilen nach Malta oder Lampedusa (was durchaus einige Tage dauern kann), dann kann man dort einfach in einen Hafen einlaufen und unbehelligt die Leute an Land lassen und wieder ablegen? Ich denke nicht…
Klar, die naive Idee ist: „es gibt tausende Yachten“ und wenn wirklich etliche auf einmal mit Flüchtlingen in einem Hafen ankommen würden, dann gäbe es einen enormen Rummel, man kann nix verschweigen oder vertuschen usw. Aber welche private Yacht-Eigner lässt sich wirklich auf so ein Risiko ein? Zumal ganz sicher keine Versicherung hierbei entstehende Schäden abdeckt und man vermutlich sowieso gegen mehrere internationale Abkommen verstößt. Und nebenbei noch den Schleppern in Afrika in die Hände spielt: „Ach, das machen nun auch Yachten? Dann kann ich ja noch mehr seeuntaugliche Boote voll beladen und auf die Reise schicken, da klingelt die Kasse“.

Nein. Die Idee ist sicherlich ehrenwert, aber nicht umsetzbar. Das kann man höchstens als Gedankenspiel verwenden, um Menschen, die helfen wollen, mal anzustupsen. Und es soll mir auch keiner mit moralischen Aspekten kommen: „Aber da ertrinken Menschen!“. Ja, richtig! Warum fahren die auch los auf das offene Meer? Begeben sich freiwillig in Seenot und wehe es kommt ein lybisches Schiff, um die zu retten, denn das wollen die Flüchtenden nicht so gern.

Das mag alles hartherzig von mir klingen, aber ich bin eben der Meinung, dass diese ganzen komplexen Probleme im Kern gelöst werden müssen, nicht nur die Auswirkungen „lindern“. Krass und verkürzt formuliert: Wäre kein Krieg in Syrien, müsste auch keiner auf dem Mittelmeer sein Leben riskieren.

Und wer von euch, der jetzt empört über meinen Standpunkt ist, befindet sich gerade im Mittelmeerraum, um zu helfen?

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Schach-WM 2018

Ehrlich gesagt gehe ich nicht davon aus, dass jeder, der hier im Blog mit liest, auch die aktuelle Schach-Weltmeisterschaft verfolgt. Ich tue das aber und langjährige Lerigau-Fans werden auch wissen, das ich durchaus selbst spiele (leider viel zu selten) und auch schon über Schach gebloggt habe.

Aber ich schaue mir die Partien i.d.R. nicht live an sondern später Abends bei Youtube. Eines ist aber dieses Jahr anders: Nicht jeder kann einfach so bei den Partien dabei sein. Bei vergangenen Meisterschaften fand sich immer ein Video, welches beide Kontrahenten am Brett sitzend zeigte. Nun ist das offenbar nur noch zahlenden Gästen vorbehalten. So wichtig ist mir das dann aber auch nicht. Ich fände es zwar sehr interessant, die Mimik und das Verhalten der Spieler während der Züge zu sehen, aber nicht um jeden Preis. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn bei meiner Suche nach den richtigen Videos fand ich welche von Chess24, wo die Partien auf deutsch kommentiert werden (und man kann sie auch live bei YT schauen). Die Kommentatoren sind in diesem Fall Melanie und Nikolaus Lubbe. Zwei junge Menschen, die nicht nur viel Ahnung vom Schach haben sondern auch recht telegen sind und die Zeit zwischen den Zügen gut mit interessanten Ideen, Varianten und Geschichten ausfüllen können. Für Schach-Verhältnisse geht da richtig die Party ab 🙂

Melanie und Nikolaus Lubbe bei chess24

Und gestern, beim zwölften Remis war es wirklich schön anzusehen, denn das Remis von Magnus Carlsen kam zu einem Zeitpunkt, wo keiner damit gerechnet hat. Nicht mal sein Gegner Fabiano Caruana und schon gar nicht die Moderatoren.
Auf dem Bild oben sieht man den letzten Stand auf dem Brett und die offensichtliche Verwunderung von Nikolas. Bei allen anderen immerhin elf Remisen waren stets die Damen und fast alle Leichtfiguren abgetauscht, hier nicht. Wer weiss, was Carlsen sich dabei dachte. Aber ich will das Spiel gar nicht kommentieren, das machen die beiden Lubbes viel besser. Nun geht die WM ja in die nächste Runde mit den verkürzten Spielzeiten. Mein Tipp: Schaut euch ruhig mal so ein Video an, wenn ihr etwas Interesse an Schach habt. Und den Lubbes wünsche ich, das ich irgendwann irgendwo noch mal von denen höre. Kleine Anekdote: Als sie heirateten, spielten sie eine Partie Blitzschach und der Gewinner durfte den gemeinsamen Nachnamen wählen 😉

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Kalte Dusche statt Humor

Hat die Firma Henkel so eine schlechte Rechtsabteilung oder eher eine langweilige, unaufmerksame Marketing-Abteilung? Wie kann man nur so humorlos sein!

Worum es geht hat wohl jeder mit bekommen: Der Verein FC St.Pauli brachte ein Duschgel namens „Anti-Fa“ heraus. Cool: Eigentlich naheliegend, aber irgendwie kurz und knackig amüsant, und wenn man einmal kurz um die Ecke gedacht hat dann muss man grinsen.

Ein Klick aufs Bild führt zur Quelle (nwz-online)

Und nun kommt Henkel und faselt was von „also Anti ist so anti, dat wollen wir nicht“. Dabei wäre das doch die Chance, hier auf den bereits anrollenden Marketingkampagne-Zug aufzuspringen. Selbst ohne lange nachzudenken könnte Henkel dem Verein einen „Fa-ntastischen Erfolg“ mit dem Duschgel wünschen oder dergleichen… aber nee: Dagegen sein ist ja viel einfacher. Ist ja auch modern. So oder so: Spricht wirklich nicht für die Werbefachleute bei der Fa. Henkel!

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E-Autos werden günstiger!

Das ist doch eine frohe Botschaft, die ich hier eben festhalten möchte: Heute wurde ja über alle Medien verkündet, dass Volkswagen in Emden in Zukunft Elektro-Autos bauen wird. Und das führt zu einem Personalabbau. Für die betroffenen 500 befristeten Mitarbeiter ist das natürlich keine so tolle Nachricht, aber die Begründungen von VW zeigen immerhin klar auf, dass die neuen E-PKW wesentlich günstiger werden müssen als aktuelle Viertakt-Modelle.

Gehört habe ich das heute auf NDR 1 und jetzt gerade habe ich das mal schnell bei NWZ-Online rausgesucht:

Es werden also weniger Arbeitskräfte benötigt

und es sind weniger Produktionsschritte. Im Radio sagte man noch „E-Autos bauen ist einfacher…“. Und das kann ja nur bedeuten, dass letztendlich die Preise für den Verbraucher auch sinken werden! Wäre aber auch wirklich an der Zeit: Die grundsätzliche Entwicklungsphase muss ja nun vorbei sein, man kann seit einer guten Weile zeitgemässe E-Fahrzeuge kaufen. Wir gestehen ja gerne ein, dass neue Technologien (harhar, von wegen) am Anfang natürlich teuer sind. Wobei die aktuellen Preise eher ausgedacht statt  kalkuliert erscheinen:

Diese Infos sind direkt von der VW-Webseite (das Bild ist dahin verlinkt)

Aktuell geht der „normale“ Golf bei 19.300 Euro los, der e-Golf bei 35.900 Euro. Selbst wenn wir den JOIN als Maßstab nehmen, dann können wir uns alle darauf freuen, dass der Emdener e-Golf bald um die 13.000 Euro günstiger wird!

Wollen wir wetten?

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Töte einen Wal!

Wer von uns würde einen Wal töten? So ganz freiwillig, vielleicht sogar ohne Grund, einfach so? Natürlich keiner.

Und genauso natürlich habe ich den Titel dieses Beitrags etwas sehr dramatisierend gewählt. Der Ursprung ist eher etwas weiter entfernt von der Waljagd: Unsere Waschmaschine war kaputt. Siemens Siwamat. Fehler F.43, und wie man schnell rausfinden kann: Wohl irgendwas mit dem Motor. Nun bin ich alt und erfahren und Handwerker und wette mit mir selbst: „Die Kohlen sind runter, die müssen neu“. Auch wenn ich im Grunde weiss, wie man die Kohlen bei einem Elektromotor wechselt: Im Detail weiss ich es nicht und um an den Motor ran zu kommen, muss man sicher auch bestimmte Wege einhalten. Schön ist: Für alles gibt es Youtube-Videos, auch für mein Problem. So stellte sich recht schnell heraus, dass es eigentlich so ist, wie ich es mir dachte: Rückwand abschrauben, unten ist der Motor und wenn man den Treibriemen zur Trommel und die Kabelverbindungen entfernt hat, dann kann man den Motor ausbauen. Dazu gab es im Video noch hilfreiche Tipps zum Lösen der Stecker.

Also quäle ich die WaMa aus ihrer Ecke, mache erstmal mit dem Staubsauger eine grobe Reinigung, um Staub und Spinnenweben zu entfernen und nach dem ich Werkzeug etc. bereitgelegt habe, will ich mich ans Werk machen. Und schon kommt die erste Überraschung, die mich laut schimpfen lässt: Man kann die Rückwand nicht mehr einfach komplett weg schrauben! Es ist nur noch eine ovale Öffnung mit Deckel vorhanden, wo ich mit Kopf und Armen nicht durch passe. Und an den Motor kommt man so auch nicht. Früher und auch im YT-Video ging das noch. Was mich aufregt: Technisch gibt es keinen Grund dafür. Vermutlich kann man so etwas Metall sparen und trotzdem eine steife Konstruktion hinbekommen? Aber wichtiger: Wie komme ich nun an den Motor?

Zerlegen
Ich gebe natürlich nicht auf und nehme die Herausforderung an. Ich weiss nicht mehr, wie teuer diese WaMa seinerzeit war und wie lange wir die schon haben, aber: Wenn alles in Ordnung ist, alles gut funktioniert und NUR die Kohlen des Motors erneuert werden müssen, warum sollte ich dieses Gerät dann wegschmeissen und eine neue kaufen? Meine Frau studierte schon die üblichen Angebote, verglich Preise und Leistungen. Ich legte derweil die Maschine auf die Seite, um an den Boden heran zu kommen. Dort musste ich erstmal die „Wanne“ entfernen, die vermutlich Wasser auffangen soll (wie viel, zwei Liter? Ein Witz), dann das Kabel zum Schwimmschalter lösen und dann sehe ich von unten den Motor. Dieser ist von der Rückseite her auf zwei Daumendicke Kunststoff-Bolzen geschoben und mit zwei Schrauben gesichert. An die zweite Schraube kam man Dank der genialen Idee der Siemens-Ingeneure, die Rückwand fest zu montieren, kaum noch ran. Und als ich endlich den Motor mit einem dicken Schraubendreher nach hinten von den Bolzen hebeln wollte, da erkannte man die ganze Raffinesse dieser Idee: Man kann den Motor nicht einfach von der Trommel trennen und somit nicht ausbauen! Es fehlt schlicht an Platz! Mann Mann Mann!

Freischneiden
Nun erst recht: Als Schlosser habe ich natürlich eine Blechschere. Diese hergeholt und hinten ins Blech geschnitten. Ob gewollt oder nicht: Die Versteifungsrippen des Bleches waren total im Weg. Der Motor müsste eigentlich nur einen Zentimeter weiter nach hinten, aber dafür musste ich das Blech der festen Rückseite regelrecht vergewaltigen: Ein gerader Schnitt nach unten so weit es geht und dann ein Stück weiter zur Seite einen schrägen Schnitt usw. Irgendwann habe ich mit einer Pumpenzange die frei geschnittene Lasche und die scharfen Ecken weggebogen und endlich konnte ich den Motor rausziehen. Theoretisch hätte man die Kohlen auch am montierten Motor wechseln können, aber praktisch war das nicht möglich, weil extrem kleiner Fummelkram, dazu voll von Kohlenstaub. Bei frei liegendem Motor waren die Kohlen schnell entfernt. Noch ein Vorteil unserer modernen Zeit: Im Internet kann man alles kaufen. Die Ersatz-Kohlen zu finden und zu bestellen war kein Problem. Es war Samstag und Montag kamen sie schon per Post.

Reparatur
Ärgerlich war, dass eine der neuen Kohlen durchgebrochen war. Statt der ca. fünf Zentimeter hatte ich nur noch die Hälfte zur Verfügung. Nur etwas mehr als der entnommene Kohlenstummel. Aber egal, das sollte nun fertig. Ich habe mit Schleifpapier die Bruchkante geglättet und die neuen Kohlen eingesetzt. Und danach alles wieder quasi rückwärts zusammen gebaut. Schwer war natürlich, den Motor wieder in seine Position und über die Plastikbolzen zu kriegen, dazu musste ich sogar eine kleine Schraubzwinge verwenden. Danach nur noch die Bodenplatte fest, WaMa hinstellen, ovalen Deckel davor und erstmal nur grob in Richtung der alten Position geschoben. Ein technisches Hindernis gab es nun noch: Die Maschine zeigte noch immer den Fehler, man musste einen Reset ausführen. Aber auch hier wusste das Internet Rat (Klick). Toll, hat schon beim zweiten Versuch funktioniert und ich konnte den eigentlichen Funktionstest ausführen: Ein, zwei Handtücher in die Maschine und ein schnelles Programm laufen lassen: Super, es dreht sich! Der Motor war zwar etwas laut, aber das war sicherlich der nicht perfekt angepasste (abgebrochene) Kohlenstück. Das schleift sich ein. Prima, Fall doch noch erledigt.

Und was hat das nun mit dem Töten eines Wales zu tun?
Schaut euch mal eine Waschmaschine von innen an, am besten von oben. Da müsst ihr nur die Abdeckplatte runternehmen. Auf den ersten Blick alles HighTech, alle Kabel etc. akkurat und zackig verlegt. Auf den zweiten Blick? Alles verkapselte, vergossene HighTech und sehr viel Kunststoff. Da irgendwas auszutauschen oder zu entfernen ist kaum möglich. Nun weiss ich nicht, wie viele Waschmaschinen im Laufe der Zeit verkauft werden, aber auf jeden Fall werden fast genau so viele entsorgt, also weggeschmissen. Und selbst wenn ich glauben könnte, dass 95% der Wertstoffe recycelt werden würden, dann wäre immer noch sehr viel Abfall übrig. Und wo landet dieser Abfall? Ein Anteil davon ganz sicher irgendwann in unseren Weltmeeren (Klick). Und dort verhungern dann, oft gar mit vollem Magen, die Tiere (weil der unverdaubare Müll im Verdauungssystem steckt). Und damit sterben dann auch die Wale. Wollen wir das?

Ich will ja gar nicht so weit gehen und behaupten, Siemens ruiniert unsere Umwelt, denn das wäre zu einfach gedacht. Aber immer nur wegwerfen und neu kaufen geht eben nicht (mehr). Eigentlich. Es hört aber nicht auf und deswegen ist es, nüchtern und depressiv betrachtet, egal. Immerhin habe ich einige hundert Euro für eine neue Maschine gespart.

Wenn es doch nur so einfach wäre.

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