Keine Eier!

Meine beiden Hühner legen Eier, kein Problem. Jeden Tag liegt mindestens eins im Nest, manchmal auch zwei. Aber meine Nachbarn, die haben ein Problem. Vermutlich mit meinem Hahn, weil der auch mal zu ungünstigen Zeiten auch mehrmals hintereinander kräht. Ich weiss aber nicht genau, ob die meisten meiner Nachbarn das wirklich stört, denn es hat mich noch keiner darauf angesprochen, dass das doch stören würde. Natürlich gibt es in der Gegend eine Art Rauschen, man hört was tuscheln und munkeln, aber: Keiner hat soviel Mumm oder eben Eier, um sich bei mir zu melden. Offiziell weiss ich von nix. Ich würde ja gern dem Fernsehen und der geringen Bildung die Schuld geben, aber einerseits kenn ich die Freizeitbeschäftigungen meiner Nachbarn gar nicht und andererseits kanns mir auch schnuppe sein. Zumindest kann ich mir eine Meinung zum Bildungsgrad meiner Nachbarn machen, wenn ich mal gezwungenerweise übern Zaun höre, wie die sich untereinander unterhalten.

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Marc-Uwe Kling mal besuchen

Ich klingele. Das Känguru macht auf.
„Hi, ist Marc da?“ sagt ich bestimmt, aber nicht unfreundlich.
Das Känguru schaut halb nach hinten und sagt: „Äh, weiss nicht.“
Ich: „Wieso, der wohnt doch hier?“
Das Känguru: „Ja, aber der ist vor einer halben Stunde im Bad verschwunden. Entweder er duscht ausgiebig, pflegt seinen Körper auf andere Weise (räusper) oder ist durchs Fenster abgehauen.“
„Wenn du das Känguru bist, das bei ihm eingezogen ist, dann würde ich mich nicht wundern, wenn er durchs Fenster weg ist“ sage ich und drängel mich am Känguru vorbei. Ich will jetzt einfach mal kurz dabei sein. Wie das so ist mit den beiden und so, ihr wisst schon.
Känguru scheint das zu akzeptieren und folgt mir ins Wohnzimmer. „Nimm doch Platz“ sagt es beiläufig, während es versucht, sich möglichst lässig in den Sessel zu fläzen (was bei einem Känguru ganz schön bescheuert ausssieht).
Nun versucht es Konversation: „Und, kennst du Marc schon länger?“
Ich mag ja keinen Smalltalk und bin da auch nicht sehr geübt drin. „Nee, ich kenn den gar nicht.“ Sofort bemerke ich, wie das Känguru sich innerlich aufrichtet und vermutlich zu einem wirklich durchdachten Spruch ausholt, um mich entweder auszuloten oder gleich mit irgend nem Nonsens an die Wand zu labern. Dazu habe ich aber noch weniger Bock als auf Smalltalk.
Noch während das Känguru einatmet, um seinen Satz zu beginnen, rede ich einfach weiter: „Einer meiner Kollegen erzählte mir von euch, der hat euch als Hörbuch. Und also hab ich mir kurzerhand das Buch als Buch besorgt und mal eben durchgelesen. Da ich zugegebenermassen recht beeindruckt von euren Dialogen und Themen war, dachte ich, ich schau mal vorbei. Und weil ich selber gern schreibe ist es wohl am einfachsten für mich, ich schreib das einfach mal so auf, wie es sein könnte.“
Das Känguru zog seine Mundwinkel soweit anerkennend runter, wie es für ein Känguru möglich war, gleichzeitig ging noch die rechte Augenbraue ein Stück nach oben.
„Du schreibst also? Auch so Kram wie Marc oder mehr was sinnvolles?“ Ich lächelte über den intelligenten Seitenhieb und antwortete: „Klar, ich blogge. Hab auch schon ein Buch geschrieben, aber das ist ein Fachbuch und zählt irgendwie nicht, oder?“
„Buch ist Buch, aber vermutlich verkauft sich ein Fachbuch ziemlich Scheisse. Das bedeutet, du kannst kein Kapitalist sein und das findet natürlich meine Anerkennung“ haute mir das Känguru spontan um die Ohren. Während ich überlegte, wie ich dem Känguru erklären sollte, dass mein Buch allein vom draufzahlen existiert und ich aber nix dagegen hätte, wenn es ein Bestseller werden würde oder mindestens mein nächstes Buch, kam Marc mit einem Handtuch seine Haare trocken rubbelnd ins Wohnzimmer. Ich hielt es für angemessen, ihn zu begrüssen, bevor er sich erschreckt.
„Hi Marc, ich bin Holger. Solltest du das Handtuch nicht besser verwenden, um deine Hüfte zu bedecken?“ Er war nackt.
„Hi Holger! Hätte ich gewusst, dass Besuch da ist, hätte ich mir zumindest Socken oder so angezogen“. Zum Känguru: „Kannst du einen nicht vorwarnen?“ Zu mir: „Nachdem das Känguru mir gegenüber heute morgen hinreichend treffend argumentiert hat, dass es selbst hier andauernd ohne Kleidung rumhüpft, haben wir für dieses Wochenende vereinbart, dass wir uns zumindest in der Wohnung naturbelassen begegnen.“ Zum Känguru: „Den hast du doch eingeladen, damit ich hier doof da stehe, richtig?“. Känguru zu Marc: „Nee, der hat sich selbst hier reingeschrieben, da kann ich nix für, auch wenn es eine echt coole Idee ist.“ Känguru leise zu mir:“Sag nix über seinen… “ Känguru laut zu uns beiden:“Darf ich vorstellen? Holger? Marc! Marc? Holger!“
Ich: „Angenehm…“
Marc: „Angenehm. Als ich reinkam hörte ich, du bloggst?“
Ich: „Ja, eine schlichte Seite im Netz, ganz und gar ohne Werbung (Känguru flüstert „cooool, wusste ichs doch“), wo ich das, was ich so denke, niederschreibe. Lerigau.de lautet die Adresse…“
Marc: „Hey, Lerigau.de, klar, cool! Das bist du? Das lese ich an-dau-ernd. Dich wollte ich immer schon mal kennenlernen, weil deine Artikel einfach so genial sind und mich schon soo oft inspiriert haben, und da schreibst du dich einfach mal in meine Geschichten rein? Na, wenn das mal nicht ne supergeile Idee ist (nickt dem Känguru hektisch zu)! Herzlich willkommen in unserem trauten Heim, Holger! Känguru, mach mal Kaffee! Wir müssen dringend mal was zusammen schreib…

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Die Känguru-Chroniken

Dann und wann hab ich ja auch mal einen eher witzigen, zeitkritischen Artikel rausgehauen, über den man vielleicht sogar hervorragend schmunzeln konnte. Hab ich lange nicht mehr gemacht, wie ich bei einem flüchtigen Sichten (der ersten Seite) feststellte. Ich brauche aber auch nichts witziges, treffendes mehr zu schreiben: Das alles hat schon das Känguru gesagt. Beziehungsweise Marc und sein Känguru. Genauer gesagt hat der Marc-Uwe Kling (was für ein kurzer und doch unhandlicher Name) Bücher geschrieben, in denen er die Erlebnisse mit dem Känguru, das bei ihm einzog, niederschrieb. Interessanterweise ist dieses Beuteltier ziemlich kommunistisch angehaucht, bzw. möchte es seinen permanenten Geldmangel dem Kapitalismus in die Schuhe schieben. Dadurch und durch die subversive Einstellung des Tieres kommt es durchaus zu witzigen Dialogen und Begebenheiten. Auch wenn ich glaube, dass das Känguru ganz schön oft ganz schön übertreibt und ich wirklich nicht alles für bare Münze nehme, sind diese Geschichten doch sehr erfrischend.

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