Almayers Wahn

Ich lese ja recht viele Bücher aber sehr wenig Romane. Schon ziemlich häufig wurde ich in dem ein oder anderem Buch auf Joseph Conrad hingewiesen, meist von Seglern, die beschrieben, was sie unterwegs so gelesen haben. Wenn Conrad erwähnt wurde, bezog man sich meist auf „Lord Jim“, welches wohl ganz toll sein soll und ich dachte mir: „Irgendwann werde ich auf einem Flohmarkt schon darüber stolpern, wenn es denn so gut ist“.

Es gibt zwar sehr viele Bücher auf den vielen Flohmärkten, aber die richtige Perle zu finden ist dabei nicht immer einfach. Zu viele Konsaliks, Fitzecks, Danellas, Clancys nebst etlichen Koch- und Kinderbüchern überdecken die wenigen kostbaren Schätze. Also ist mir bisher kein Buch von Joseph Conrad aufm Flohmarkt über den Weg gelaufen. Aber wo anders: Wir waren in Oldenburg am Stadthafen spazieren und ich musste auf Toilette. Glücklicherweise sind dort um die Ecke gleich die Waschräume für die Bootslieger und Gäste und so ging ich hinein. Dort im Eingang statt überraschend und recht sperrig ein Regal, eines von diesen wackeligen grau lackierten Blechdingern. Das Regal war so gut wie leer, nur auf einer Ebene drückten sich so zehn, elf Bücher an die Wand, um nicht runterzufallen. Eines davon konnte ich nicht entziffern, weil der Buchrücken dieses gebundenen Exemplares schon sehr lädiert war und so nahm ich es in die Hand, um genauer zu schauen.

Es war „Almayers Wahn“ von Joseph Conrad. Hatte ich noch nie nicht von gehört. Aber der Autor passte und so nahm ich die Gelegenheit wahr und steckte es ein. Was mich nämlich besonders beeindruckt hatte, war dieser handschriftliche Eintrag auf den ersten Seiten:

Das war doch mal eine interessante Information! Und dann in nur drei Tagen durchgelesen; meine Herren – Nicht schlecht! Es ist zwar kein besonders dickes Buch, aber 238 Seiten muss man schon hinter sich bringen.
Ich selbst konnte nicht sofort beginnen, das Buch zu lesen, denn ich hatte noch einiges in meiner „Lese-Pipeline“. Irgendwann war es mal an der Reihe und ich fing an. Und unabhängig von der Story: Der Conrad hatte ein Talent zum Schreiben! Einerseits so klar beschrieben und andererseits erfährt man immer gerade nur so viel, dass man unbedingt weiterlesen will. Und diese bildhafte Sprache, diese Wortgewaltigkeit! Spontan rausgesucht: „Der Rauch der Salutschüsse stieg in weißen Wolken am grünen Hintergrund der Wälder auf, und Almayer musste unwillkürlich den rasch verschwindenden Dampf mit seinen eigenen schnell dahinschwindenden Hoffnungen vergleichen“. Ich finde das beeindruckend, wobei die Story um den Almayer in Borneo nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Lesbar und interessant, gar lehrreich ist es aber noch immer allemal. So werde ich nun meine Bemühungen verstärken, auch mal den so oft erwähnten Lord Jim vor die Augen zu bekommen.

Unabhängig davon habe ich den oben erwähnten Eintrag dahingehend als Anregung genutzt, das ich auch einen darunter schrieb:

Noch habe ich das Buch hier (weil ich mir die ganze Zeit vorgenommen hatte, darüber zu schreiben und bisher nicht dazu kam), werde es aber irgendwo an einem geeigneten Ort ablegen, damit andere sich dran erfreuen können. Vermutlich wird das irgend ein Hafen bei uns im Revier sein, denn fast überall in den Häfen ist eine Büchertausch-Ecke eingerichtet. Schlecht fürs Geschäft aber gut für den Gemeinsinn. Sonst wäre ich ja auch nie über diesen Conrad und der Lese-Notiz gestolpert und das wäre doch schade drum gewesen (nein, wäre es nicht, weil ja keiner wüsste, was man verpasst hätte, aber das ist ein anderes Thema).

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Facharbeitermangel

Man hört es häufig in den Medien und neulich stand es wieder in der Zeitung:

Fachkräftemangel bremst Wachstum

Nun bin ich selbst gerade in einer Phase der beruflichen Umorientierung und kann sagen: Diese Aussage ist so nicht richtig! Es gibt sicherlich einen Mangel an Fachkräften, denn gute Leute kann man ja immer gebrauchen, aber was es viel mehr gibt: Einen Fachkräftebezahlmangel. Ja, viele Firmen suchen weitere Mitarbeiter, sind aber nicht bereit, diese entsprechend zu entlohnen. Da sitzt man im Vorstellungsgespräch, tauscht sich prächtig fachlich aus, ist sich eigentlich so weit einig, und dann wird man mit Dackelaugen angeschaut: Mehr als x Euro könne man natürlich nicht zahlen, das wäre schon hoch angesetzt und dürfe man in der Firma auf keinen Fall weitererzählen, aber dafür gibt es ein super Betriebsklima usw. Ein anderer Chef klagte, er hätte soviel Aufträge, er müsste bald Nachts durcharbeiten. Aber als es auch hier um den Lohn ging: Nee, mehr geht auf keinen Fall, er zahlt ja schon immerhin die Anfahrt zur Baustelle (nicht die Rückfahrt, das wäre dann wohl meine Freizeit…). Neulich habe ich mich mit jemanden von der Handwerkskammer unterhalten und das nebenbei erzählt. Als ich Summe X nannte, da machte er grosse Augen: „Das kriegen doch ungelernte Floristinnen aufm Wochenmarkt!“

Diese Firmenchefs sind irgendwie in der Zeit stehen geblieben, ausser beim eigenen Kalkulieren. Habt ihr mal geschaut, was eine Handwerkerstunde heutzutage kostet?

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Bücher, die man gelesen haben sollte

Neulich, inspiriert durch den Film „The Equalizer“, suchte ich mal im Netz der Netze nach der Liste von Büchern, die man unbedingt gelesen haben sollte. So was gibt es natürlich, und nicht nur eine. Wenn man darüber nachdenkt, kann es auch gar nicht nur „die eine Liste“ geben, denn wer sollte das bestimmen können / dürfen? Es gibt z.B. eine, die ist sehr von Franzosen geprägt und das ist sicherlich nicht identisch mit dem, was wir in DE oder in anderen Ländern als Lesenswert erachten. Also nur Bücher betrachten, die in möglichst viele Sprachen übersetzt wurden? Nein, das ist doch auch unfair. Das sicherste Verfahren scheint mir, wenn einfach jeder, der liest und Interesse an einer solchen Top100-Bücher-Liste hat, seine eigenen Empfehlungen aufschreibt und irgendwann alle zusammengerechnet werden, um möglichst nahe dran an einer allgemeingültigen Liste zu kommen.

Ich fang mal an. Dabei schreibe ich die Bücher erstmal so auf, wie sie mir einfallen und wie sie mir im Bücherregal entgegen springen, ohne Sortierung und Wertigkeit. Ich bin mir nicht ganz im klaren, ob man die bekannten „Klassiker der Weltliteratur“ hier aufnehmen soll (sofern man sie gelesen hat und begeistert ist). Moby Dick kennt ja jeder irgendwie, gelesen habe ich es aber nie (Weissjacke von Melville schon…). Und überhaupt, was ist mit „der Graf von Monte Christo“, „Robinson Crusoe“, Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“.  Die Bibel. Muss man die gelesen haben? Und wenn, muss ich die auf meine Liste packen? Gehört sich das so? Ich denke: Nein. Die Zeiten ändern sich, es gibt sooo viele Bücher und nur weil vor Dekaden von Jahren jemand die immer geltenden Erkenntnisse und Geschichten der Menschheit niedergeschrieben hat, kann man die nachfolgenden Bücher ja trotzdem gut finden. Ja, stimmt schon, der alte Shakespeare trifft bzgl. zwischenmenschlicher Beziehungen immer noch den Punkt, aber das können andere auch, und das oft zeitgemässer und einfacher lesbar 🙂

  • Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
    OK, nicht ganz ohne Grund steht dieses Buch ganz oben. Nicht nur, weil ich immer noch das Gefühl habe, es erst vor kurzem gelesen zu haben. Lest es einfach und ihr wisst, was ich meine.
  • Der hundertjährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand
    Guckt nicht den Film, lest das Buch! Lest das Buch!
  • Stuka (Valentin Mikula)
    Kennt keiner. Zu unrecht. Laut Einband ein „Tatsachenbericht“, liest sich aber wie ein lebendiger Roman. Unglaublich nah.
  • Der Geist fiel nicht vom Himmel (Hoimar v. Ditfurth)
    Die Evolution unseres Bewusstseins. Wer sich das „antut“, der denkt danach anders über die Menschen und das Leben.
  • Das Buch der allerletzten Wahrheiten (Robert Rankin)
    „Eine köstliche Parodie“. Selbst Terry Pratchett soll es zum Lachen gebracht haben.
  • Roboter-Geschichten (Asimov)
    Der Bursche hat sooo viele Bücher geschrieben. Dieses hier fasst einiges zusammen. Immerhin wurden schon (mindestens) zwei der Geschichten verfilmt.
  • Britannica & Ich (A.J. Jacobs)
    Irgendwie bekloppt, aber lesenswert.
  • Harry Potter
    Ich will bzw. kann keine Empfehlung für eines der Bücher aussprechen. Tatsache: „Der Stein der Weisen“ ist fast noch ein Kinderbuch, aber mit jedem Teil wird die Geschichte erwachsener. Nicht umsonst ein Welterfolg, wirklich.
  • Träume (Harold Robbins)
    Sicher kein Autor, der in die Tiefe geht, aber jede Leseratte sollte mindestens eins von seinen Romanen gelesen haben. Ich empfehle „Träume“.
  • Der Schwarm
    Ja, Schätzing ist ein Schwafelsack und man kann die Geschichte ganz bestimmt auch kürzer schreiben, ohne das was fehlen würde. „Der Schwarm“ ist aber schon beeindruckend. „Limit“ habe ich nie zu ende gelesen.
  • Der Medicus (Noah Gordon)
    Wird wohl in keiner Liste fehlen. Ich kenne Leute, die eigentlich gar nicht lesen und gefesselt waren von diesem Buch.
  • Das Schlimmste kommt noch (Charles Bukowski)
    Mit diesem Burschen verhält es sich ähnlich wie mit Harold Robbins, aber irgendwie anders. Zieht euch eins der Bücher rein und ihr wisst, was ich meine.
  • Vagabund der Meere (Bernard Moitessier)
    OK, kein Buch für jedermann, und kein Roman. Eigentlich doch. Unbeschreibbar, aber absolut lesenswert. Die meisten von euch werden aber kaum in die Verlegenheit kommen, denn das Buch kann man nicht mehr neu kaufen und es ist echt selten (schön doof, da kann man als Verlag noch richtig Geld mit machen). Wer echtes Interesse hat: Ich habe es doppelt und würde eines zu einem guten Angebot abgeben…
  • Die Lichtung (Jean Hegland)
    Zwei Schwestern müssen allein überleben. Die eine macht Notizen und so wird die Geschichte erzählt. Seehr beindruckend.
  • Fatu Hiva (Thor Heyerdahl)
    Eigentlich will er zeigen, dass man „im Einklang mit der Natur“ leben kann. Heyerdahl hat die erstaunliche Eigenschaft, Dinge und Erkenntnisse so zu erklären dass man sagt: „Verdammt, er hat Recht“. Obwohl er 1937 dort war, sind seine Gedanken über z.B. Religion, oder seine Herleitung, warum es so was wie Ebola oder Aids gibt, absolut zeitlos korrekt.
  • Das Boot (Lothar-Günther Buchheim)
    Die Verfilmung war ja schon sehr gut, die Vorlage, wie so oft, unschlagbar. Beeindruckend, wie Buchheim alles, aber auch alles so bildhaft rüberbringt. „mehr als ein Roman“.
  • …(tbc)

Diese Auflistung wird definitiv fortgesetzt, schaut ab und zu mal wieder rein. Gern könnt ihr mir Anregungen etc. per Kommentar geben, bestimmt hab ich Bücher gelesen, die mir gerade nicht einfallen aber erwähnenswert sind. Man hat ja immer aktuelle Themenschwerpunkte im Leben (das geht doch allen so, nicht nur mir?), die andere Themen in den Hintergrund drücken. Bewusst halte ich mich deshalb z.B. mit den ganzen Büchern zur Seefahrt zurück 🙂

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Fahrrad fahren

Man findet ja immer einen Grund, irgendwas gerade nicht mit dem Fahrrad sondern mit dem Auto zu erledigen. Ich habe seit einiger Zeit einen Grund weniger:

fahrradanhaenger

Weil mein jüngster Sohn mit seinem Fahrrad nicht mehr so zufrieden war und er meins immer so cool fand (ein schlichtes Sparta-Hollandrad mit drei Gängen) hat er meines bekommen und ich besorgte mir ein neues (gebrauchtes). Der Arbeitskollege meiner liebsten Ehefrau bot ein Rad an, wo gleich ein Anhänger mit bei war, so gut wie unbenutzt. Mit einem Fahrradanhänger liebäugelte ich schon länger, konnte das aber vor mir her schieben, weil ich den selber bauen wollte und keine Zeit fand.

Er wollte nur 150,- haben, da vergass ich vor Schreck zu handeln. Und neulich bin ich dann losgeradelt und habe Altglas damit weggebracht. Ich musste noch ein paar Korrekturen an der Satteleinstellung vornehmen und jetzt passt es perfekt.

Das heisst ab jetzt: Keine Ausreden mehr, es wird geradelt, auch wenn man mal grössere Dinge transportieren muss! Ich habe mir fest vorgenommen, damit auch Einkaufen zu fahren. Da kann dann höchstens das Wetter als Grund für das Auto herhalten…

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Na, wie war mein Urlaub?

Für alle, die schon irgendwie wirklich wissen wollen, was ich die letzten Wochen im Urlaub so getrieben habe:

Ein Wochenende waren wir zum „Familientreffen“ am Alfsee. Da kommen immer alle der (Ehefrauenseitigen) Familie zusammen. Am Alfsee ist es schön, es war nicht das erste mal und sicher nicht das letzte mal, dass ich dort war. Dieses Jahr war ich sogar Wasserski fahren und ich habe etliche Runden geschafft (mit ein paar Anläufen zuvor). Da ich vor einiger Zeit unseren alten Wohnwagen verkauft habe (den wir eeecht selten benutzten), hatte ich zeitig ein eeecht günstiges aber eeecht grosses (Stehhöhe für mich) aber eeecht nicht ganz wasserdichtes Zelt gekauft. Darin schlufen nur meine Frau und ich, so hatten wir eeecht keine Campingüblichen Platzprobleme. Im Gegenteil: Weil wir aus diversen Gründen die Stöpsel für die extra neu gekauften Luftmatratzen vergessen hatten (warum baumeln die neuerdings nicht mehr an sonem Band an der Aufblasöffnung?) gabs gratis einen halben Kubikmeter mehr Platz im Zelt… leider nicht sinnvoll nutzbar. Wir haben die dank fehlender Luft fehlende Bequemlichkeit für den Schlaf so gut es gut mit Decken etc. als Unterlage ausgeglichen. Überraschenderweise wurde meine Sturmlampe offenbar erwartet, ich hatte aber keine mitgenommen. Da wollte ich mal Zeitgemäss sein und hatte eine LED-Lampe mit Batteriebetrieb mitgenommen… Licht hat die aber auch gemacht.

Ein weiteres Wochenende waren wir in Bayern bei den gleichen Verwandten. Es war die Bahnfahrt, der geneigte Leser erinnert sich? Ich empfehle jedem, der mal nach Regensburg kommt, eine Führung durch den Dom zu machen. Allein schon die Orgel ist beeindruckend (37 Tonnen schwer, nur an Seilen aufgehängt).
Einen anderen Tag waren wir in Papenburg bei der Landesgartenschau, und: Es hat sich gelohnt, wirklich! Nicht nur wegen der Schmetterlinge, obwohl das echt beeindruckend war. Die übrige Zeit des Urlaubs habe ich dadurch versucht aufzufüllen, dass ich oft auf dem Boot war… es ist für mich schon Erholung, wenn man einfach an Bord im Cockpit sitzt und ein Buch liest. Zu basteln gibt es da aber auch immer genug, man wird nie fertig mit dem Boot.

Apropos Boot: Mehr als einmal bin ich rausgefahren, einmal wieder mit der BEVA (Beste Ehefrau von allen) gemeinsam. Richtig schön geplant, die Hunte hoch und Tide, Brückendurchfahrtshöhe vorher berechnet: Passte echt auf 10cm. Wir müssen ja wegen der Cäcilienbrücke und der Eisenbahnbrücke auf dem Weg zur „freien“ Hunte (in die andere Richtung ginge nur der Küstenkanal und der ist langweilig und da ist die Oldenburger Schleuse vor) den Mast legen und dennoch schauen, wann es passt. Ich kann zwar alles auf dem Boot soweit legen, dass es eigentlich immer passt, aber dann wird es wirklich eng und ungemütlich im Cockpit. Grobe Fausregel: Zwei Stunden nach Hochwasser passt es immer. Dann kann man mit ablaufendem Wasser angenehm die Hunte langmotoren.  Der einzige Haken: Entweder echt lange raus, damit man mit dem auflaufenden Wasser wieder zurück kann oder eben gegenan: Das haben wir dann auf der Höhe von Iprump gemacht, gegen den Strom zurück. Ärgert mich eigentlich immer, denn das ist eeecht mal Energieverschwendung: Der Strom (die Strömung) hat durchaus 2 Knoten, also muss der kleine Aussenborder für 4 Knoten schieben, damit wir immerhin 2 Kt. Fahrt über Grund machen. Und das ist nicht schnell, nicht annähernd. Spannend wurde es aber dann doch, als der Motor einfach mal ausging. Mitten in Fahrt. Im Nachhinein war es nur Spritmangel, weil der Benzinschlauch  zu weit im externen Tank steckte und Luft gezogen hatte. Aber in dem Moment guckt man blöd. Naja, Frau (schnappte sich unaufgefordert Paddel, Lob!), Mann (ich), Motor und das Boot haben gleich richtig reagiert und noch zwei Meter vor der Backbord-Uferböschung bekamen wir wieder Schub und konnten alten Kurs aufnehmen. Ich werde wohl noch ne Weile Raucher bleiben.

Einen Samstag war ich in Bingum, denn ein Kollege feierte die Einweihung seines neuen Eigenheims. Das war sehr unterhaltsam, ich habe es mir aber nicht nehmen lassen, die Nacht auf der Ems-Marina Bingum zu verbringen, obwohl mir ein äusserst bequem anzuschauendes Doppelbett angeboten wurde. Dieses mal schlief ich in einem winzigen Zelt, wo ich mich immer frage, warum die Hersteller sich erlauben, sowas als „Zweimannzelt“ anzupreisen. Für mich allein war es schon knapp genug: Zum Schlafen war sicher Platz satt, aber beim reinkrabbeln musste ich mir schon überlegen, welches Ende meines Körpers nach vorn zeigen soll. Das Personal am Campingplatz ist auch cool, typisch ostfriesisch: Ich ging in die Rezeption und da war mal niemand. Also rief ich etwas lauter und aus dem „Off“ kam eine Stimme. Als dann die dazugehörige Person (eine Frau von vielleicht 55 Jahren?) ans Licht kam, war sie für ca. 3 Sekunden distanziert und erzählte mir in den folgenden fünfzehn Minuten von ihren letzen Onlinebanking-Erlebnissen (teils auf Platt, da haben meine bescheidenen Kenntnisse vermutlich das Eis gebrochen), bevor wir zu meinem eigentlichen Begehr kamen: Ein Platz für eine Übernachtung. Ich will hier keine Beschreibung für den nächsten ADAC-Camping-Führer schreiben: Glaubt mir, dass ist nicht der schlechteste Platz zum Campen. Nur konnte ich leider die 12,50 Euro für eine Nacht nicht drücken. Darin enthalten waren auch 2 Euro Müllpauschale… für ein paar Stunden Schlaf, tja. Zahlen und freundlich bleiben, es lohnt sich.

Am letzten Wochenende bin ich Sonntags mit guten Freunden nach Dortmund gefahren und wir haben das Spiel unserer Nationalmannschaft gesehen: Deutschland gegen Schottland. Die schottischen Fans sind einfach cool! So friedlich und doch so Partymässig drauf und sooo viele! Nicht zu beschreiben, was in Dortmund los war, das muss man erlebt haben. Und auch wenn die schottische Sprache nicht das ist, was ich in der Schule gelernt habe: Die Schotten verstehen einen, tolle Sache! Und ehrlich: Jeder einzelne Schotte hat zwei Kisten Bier bei sich und einen Kilt an und alle singen das gleiche Lied, das passt schon!

schotten_in_dortmund2014

Nö, sonst war glaub ich nix. Ach ja: Ich hab mindestens fünf Bücher gelesen. Auch mal schön.

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Ich habe ein Boot!

Ja, ich habe ein richtiges Boot! Genauer gesagt ein Segelboot, einen Jollenkreuzer, einen so genannten Sturmvogel:

sturmzugvogel

Als ich das Boot das erste mal auf einem Foto sah sprach es mich so gar nicht an. Aber ich wusste immer: Wenn ich mir ein Boot hole, dann soll es auch eine Kajüte haben, und es muss ein Segelboot sein (Ach…). Je öfter ich mir dann die Bilder ansah, desto besser gefiel mir das Boot.  Schon lange Zeit vorher hatte ich mich über diverse Jollenkreuzer kundig gemacht. Ein Jollenkreuzer schien mir die sinnvolle Alternative für das, was mir vorschwebte: Eine Yacht wäre sowieso viel zu teuer, ist schlecht zu transportieren, zuviel Tiefgang (Ostfriesische Inseln!) usw. Eine reine Jolle ist mir zu nass, zu sportlich, nicht Boot genug. Als ich das Boot kaufte, wusste ich nicht, was ich vor mir habe. Sogar in der Länge hatte ich mich vertan. Mittlerweile weiss ich: Der Sturmvogel basiert auf dem Rumpf des Schwertzugvogels, ist aber eben ein Backdecker mit einer entsprechend geräumigen Kajüte drunter und hat noch einen Stummelkiel unterm Boot, mit Schwert darin. Gängige Jollenkreuzer-Typen wie die Lis oder Fam haben da wesentlich weniger Platz. Angeblich soll es nur ca. 10x gebaut worden sein, aber das glaube ich nicht recht… als ich das erste mal wagte, meiner Frau gegenüber den Kauf eines Bootes laut in Erwägung zu ziehen, da sagte sie: „dann hole ich mir ein Pferd!“. Meine Idee, das Boot dann „Fert“ zu nennen, fand sie komischerweise gar nicht komisch. Weil das WSA Emden so nett war, die vorhandende Schiffsnummer auf meinen Namen zu übertragen habe ich das Boot dann doch nicht umgetauft. „Like“ hiess und heisst es, aber aufgepasst: Nicht das englische „Like“, wie „mögen“ oder „gefallen“! Im Ostfriesischen ist Like eine Kurzform von Elisabeth, und da die Queen Elisabeth ein stattliches Schiff ist, haben wir eben die Kurzform davon. Voila, eine neue Beschriftung musste ich schon mal nicht besorgen… Auf jeden Fall ist es schon mit einer Rollfock ausgestattet, hat einen schicken Holzmast und der Trailer war auch Teil des Geschäfts, plus einiger Leinen, Fender und ein uuuralter E-Motor. Mit dabei ist auch noch ein 4PS-Aussenborder. 4PS mag für den Laien wenig klingen, aber glaubt mir: Das reicht! Ich konnte den Evinrude-Zweitakter auch schon in einer meiner Regentonnen testen: Geht, wenn ich auch ca. 20 mal an der Leine reissen musste. Frischer Sprit tut da aber Wunder 🙂

Nun will ich die Like dieses Jahr noch unbedingt einmal im Wasser haben, am besten gleich für ein paar Tage. „An Land“ habe ich schon mal testweise den Mast aufgestellt (allein!), das Gross ausgerollt, Fock ausprobiert und einige Mängel festgestellt. Das bleibt sicher nicht aus, das Boot ist weitweit über 30 Jahre alt. Und ich hoffe, ich werde da einige schöne Tage mit verbringen. Über den Winter werde ich vermutlich einiges machen müssen, der Trailer braucht z.B. eine ordentliche Zulassung…. meinen SBF bräuchte ich für die Schipperei übrigens offiziell nicht, aber ich bin froh, dass ich weiss, was ich gelernt habe und ich weiss, es wird noch einiges an Erfahrung auf mich zu kommen. Ich freue mich drauf und falls ich mich mal im Watt trockenfallen lasse, um den Sonnenuntergang zu geniessen, im Cockpit bei einem Bierchen ein Buch zu lesen und einfach mal zufrieden mit allem zu sein, dann werde ich hier sicher berichten!

PS:
FERT: Familie Eckerts Reise-Treibholz

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Grills

Gestern war ich bei Hornbach und hab mir… nun ja, ähm, aktuelle Grillmodelle angeschaut. Heute wollte ich das meinen Kollegen erzählen und kam ins sprachliche Straucheln, weil ich den Plural von „Grill“ gar nicht kannte. Aber alle guckten doof, keiner war sich sicher und wir probten verschiedene Varianten: Grills, Grille, Griller, Grillen, Grillse. Einer wollte es dann pragmatisch lösen und sagte: Man hat nur einen Grill, fertig!
Das ist aber leider zu simpel, denn im Baumarkt stand nun mal mehr als ein Grill. Ich persönlich finde ja „Grille“ am schönsten, aber die Wikipedia behauptet, „Grills“ sei die korrekte und einzig gültige Mehrzahlbildung, wenn es um mehr als einen Grill geht. Da wir in einer Männerrunde standen waren wir uns auf jeden Fall alle einig, dass das Grillen eine tolle Sache ist. Nicht nur das Verspeisen von fast schwarzem, heissem Fleisch sondern das ganze mit allem „drumrum“. Hier zitiere ich noch mal die WP:

Grillen beziehungsweise das Braten über dem offenen Feuer ist eine ursprüngliche Methode des Garens von Lebensmitteln – sie verlangt nur die Beherrschung des Feuers, benötigt aber kein Kochgeschirr. Grillen ist eine der weltweit beliebtesten sozialen Freizeitformen, es wird jedoch von klimatischen Faktoren bestimmt und gilt als Männerdomäne.

Das klingt doch wirklich toll, oder? Wobei die Beherrschung des Feuers für mich nie so im Fokus stand… ist halt immer der notwendige erste Schritt zum fertigen Grillgut. Mit den klimatischen Faktoren ist offenbar gemeint, das man ja so gut wie nur im Sommer grillt und nicht im Winter. Regnen sollte es auch nicht (ist aber kein Hinderungsgrund). Übrigens erzählte dabei ein Kollege (Herr P aus O, genannt Matze), er kannte mal jemanden, da war das so: Derjenige, der grillt, macht erst aaallles fertig, alle anderen warten am Tisch und das ganze Fleisch kommt auf einen Haufen und wird dann gemeinsam verspeist. Wie doof, wie falsch, wie widersinnig der eigentlichen Idee (siehe oben, soziale Freizeitform)! Natürlich steht man schon zu Anfang, wenn der Grill erstmal in die Gänge kommen muss, gemeinsam rum, stellt im Kollektiv fest, ob die Kohle schon gut ist oder noch etwas kann, redet über Vor- und Nachteile von Holzkohle versus Briketts, diversen Anzündhilfen, welches Fleisch das beste sei, wieviel Knoblauchzehen passen in ein Hähnchen, „das wollte ich ja immer schon mal grillen!“ und den unterschiedlichsten Grillbauformen, durchmengt von Erzählungen über die neusten Erlebnisse der einzelnen anwesenden Personen. Und, was im obigen Zitat irgendwie gar nicht erwähnt wird: Bier. DAS ist Grillen!

Offiziell dient das Bier natürlich primär dem Ablöschen von hochlodernden Flammen, um das wertvolle Fleisch zu schützen und irgendeiner weiss immer zu berichten, dass man ja festgestellt hat, da würden giftige Stoffe entstehen aber genauer könnte er das auch nicht sagen und ist auch egal, Hauptsache das Bier schmeckt und Hunger hätte er wie Sau und was einen nicht umbringt…
Stichwort Hunger: Natürlich haben alle in Erwartung eines opulenten Grillabendes den Tag über kaum oder wenig gegessen, weil man will sich ja mal was gönnen und so wird unmittelbar nach Belegen des Rostes mit 95%iger Wahrscheinlichkeit sofort gefragt, ob schon was fertig sei, ne Wurst ginge auch erst mal. Und der Grillmeister ist am vertrösten, verweist auf das schon fertige Baguette („das wird ja sonst kalt“), wirbelt dabei mit der Grillzange und ruft schon bald nach Tellern, weil alles auf einmal fertig ist, ausser das dicke Nackensteak, das kann noch. Und sobald ein Teller voll gepackt ist wird er am Tisch rumgereicht und ist gleich wieder leer und Salatschüsseln werden ausgeschabt und der, der grillt, kriegt erstmal nix, kann sich aber das beste Stück raussuchen und normalerweise kommt irgendwann einer und löst einen ab, „du sollst ja auch mal was essen.“ Ja, DAS ist Grillen!

Der für mich dööfste(!) Spruch zum Thema Grillen: „Na, schon angegrillt?“ Zum einen ist das mittlerweile echt mal abgedroschen mit der An- und Abgrillerei und zum anderen grillt man solange im Jahr, wie es geht und fängt so früh wie möglich wieder damit an. Und wenn es passt, dann grillt man auch im Schnee oder an Silvester oder oder oder. Da gibt es kein definierten Start und kein Ende. Ausserdem klingt das so ultimativ, als wenn man nach dem Abgrillen auf keinen Fall noch mal grillen darf und warten muss bis zum Angrillen. Totaler Quatsch, uncool und markiert denjenigen Spruchmacher als flachen Geist.

Allein die Frage nach dem perfekten Grill kann nicht beantwortet werden. Die meisten bevorzugen einen mit ausreichend grossem Rost und Ablagefläche zu beiden Seiten. Ich nutze schon seit Jahren einen Schwenkgrill und habe noch keinen Grund, was anderes zu nehmen. Ein Gasgrill hat sicher auch seine Vorteile, aber das ist mehr was fürs schnelle Grillen zwischendurch. Damit wirds kein echtes Grill-Event. Vermutlich gibt es den perfekten Grill gar nicht, sondern für verschiedene Anwendungsfälle eben den passenden.

Ja, ich freue mich auf das nächste Grillen und ich habe mir fest vorgenommen, dieses Jahr nicht nur so oft wie möglich sondern auch mal andere Dinge als Steaks und Wurst zu grillen!

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