Ohne googlen

bienemaja

Hier wieder eine Frage, über die man bestümmt nachdenken kann, bevor man antwortet:

Essen echte Veganer eigentlich Honig?

Und ja: ohne googlen, dann wird es spannender und in lockerer Runde kann man mal wieder „über was“ reden (ausser, man ist selbst Veganer und weiss die Antwort…)

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Du hast das Spiel nicht verstanden

Manchmal stelle ich im Freundes- oder Kollegenkreis Fragen wie „haben Haie eigentlich Gräten?“ oder „in welche Richtung zeigt ein Wetterhahn?“ oder was zunächst oberflächliches wie „lauten alle Antworten auf Fragen zu Game of Thrones korrekterweise auch Hodor?“ und weil alle dieses „Spiel“ kennen, wird dann drüber nachgedacht, Informationen ausgetauscht, geredet und vielleicht irgendwann ein gemeinsames Fazit gezogen. Und ab und zu ist jemand in der Runde neu dabei, der eigentlich nur mit halboffenem Mund der Frage und den Herleitungen lauscht und irgendwann mehr oder weniger unauffällig sein Handy zückt oder am Rechner rumtippert. Und wenn derjenige meint, den richtigen Moment erwischt zu haben, dann mischt er sich ein, sagt so was wie „ich hab mal schnell geguckt, die Antwort ist soundso„. Dabei werde ich dann als Fragesteller angeschaut, als wenn ich ein Lob ob der flotten Belehrung und Lösung aussprechen sollte. Ich aber sage dann in solchen Fällen (mit bewusst trockenem Tonfall): „Du hast das Spiel nicht verstanden“. Und weil dann gleich nach einem langem Gesicht zu einer übereilten Antwort ausgeholt wird, setze ich nach einer kurzen Pause als Erklärung nach: „…ohne googlen!“.

Was mir sehr gefällt: Immer öfter in der Runde weist einer der Anwesenden (die das alles schon kennen) schon vor mir Andere genau darauf hin, wenn bemerkt wird, dass die wegen der Frage im Netz stöbern wollen: „Nee, pack das Handy weg, ohne googlen!“ und ich mag diese wunderbare Wandlung der Neulinge, wenn sie wieder selber anfangen zu denken. Dabei entstehen die tollsten Gesprächsrunden und Diskussionen und eigentlich ist es gar nicht wichtig, ob die korrekte Antwort dabei gefunden wird. Oft stellt sich nämlich raus, dass die meisten mehr Wissen in ihrem Kopf haben, als sie sich selbst zutrauen und so ganz nebenbei entstehen Gespräche, wo es mal nicht darum geht „Hast du gestern (irgend nen Kack im Fernsehen) gesehen?“

Haie sind übrigens Knorpelfische, haben also keine Gräten, aber auch kein so beeindruckendes Skelett wie z.B. Wale aber noch wesentlich mehr Knochen als Neunaugen, die eigentlich gar keine Fische sind, nur fischähnlich (aber trotzdem mal Fisch des Jahres 2012 waren).

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mein Haus im Internet

Heute sah ich im TV bei „neues“ (einer tollen Sendung auf 3Sat, die leider jetzt nach fast 20 Jahren eingestellt wird) einen Bericht darüber, dass Microsoft mit ihrer Suchmaschine Bing nun dabei sind, die Strassenzüge in Deutschland abzufotografieren. Das kennen wir doch? Na klar, Googles Streetview. Und heute wie „damals“ kommt die Diskussion um Privatsphäre auf; darum, dass mit den Bildern der Häuser ja das Anlegen eines umfassenden Profils einzelner User möglich wäre. Und (ein unglaubliches Argument) dass werbende Firmen einem ja je nach Wohngegend nicht die besten oder eben nur die teuersten Dinge anbieten aber eben nicht alles. Davon abgesehen, wie erstaunlich ich es finde, dass die Firmen heutzutage offenbar mehr Geld in die Marketingabteilung pumpen als in die Produktentwicklung, um durch das Produkt selbst die glücklichen Käufer zu finden (ja, ein Thema für sich, Obsoleszenz und Bedürfnisse und Konsumverhalten und Selbstdarstellung undundund) kann ich diese Empörung nicht nachvollziehen. Als Beispiel wurde angegeben, dass die Leute ja in Facebook, StudiVZ, Stayfriends, Xing und wie sie alle heissen vertreten sind. Und dort findet man natürlich auch Informationen über eben diese Leute. Klar, dafür soll es ja wohl da sein (warum auch immer man das machen muss). Die Sorge ist nun wortwörtlich:

Datenschützer warnen nun vor der Verknüpfung von Geo-Daten mit Daten aus sozialen Netzwerken

Und wenn man einen Kredit haben will, dann schaut der Berater vorher: wo wohnt „der“ denn. Ja und??? Wenn ich jemanden Geld leihe, dann will ich den auch besser kennenlernen.

Es ist wohl einfach schick geworden, sich über alles mögliche aufzuregen, ohne seine eigenen Argumente mal zu prüfen. Und jaaa, sicherlich habe auch ich nicht immer Recht mit meinen Aussagen, aber zumindest versuche ich, ausreichende Informationen zum Thema einzuholen. Und genau dieses findet oft nicht mehr statt. Versteht mich nicht falsch, ich will das alles nicht pauschal gut heissen. Aber Stadtpläne gibt es z.B. auch schon sehr lange und als ich mir vor dreissig Jahren ein Taschengeld mit dem Verteilen von Handzetteln (für einen Juwelier) verdient habe, da bekam ich auch einen Stadtplan mit eingekreisten Gebieten, wo doch bitte die Zettel verteilt werden sollten. Und das waren keine Hochhaussiedlungen, wo ich viele Zettel auf einen Schlag losgeworden wäre.

Um festzustellen, wo „Geld“ wohnt, brauche ich kein Streetview. Und so bescheuert ich die überzogenen Ideen heutiger Marketingkampagnen finde muss ich doch sagen: Hätte ich ein eigenes Unternehmen, dann würde ich auch versuchen, mit der Werbung meine Zielgruppe zu erreichen. Natürlich würde ich mich nicht auf die Meinung irgend eines Algorithmus aus einem Computer verlassen, aber wer keinen Kamin hat braucht kein Kaminbesteck. Warum den bewerben?

Und dann erfährt man, dass es Dienste wie Foursquare.com gibt, wo die Leute mit Begeisterung preisgeben, wo sie sich gerade aufhalten bzw. aufgehalten haben. Dann sind sie nämlich „Bürgermeister“ irgendeines Klosetts. Und das ist nicht der einzige Dienst, der sowas anbietet. Ob die Leute sich wohl irgendwo über ihre App „einchecken“ und von dort aus twittern, wie Scheisse sie das mit den Häuserfotos im Internet finden?

Das wäre eine verrückte Welt. Aber leider nicht unwahrscheinlich.

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