Schlag die Maria

Ich gucke ja gerne Schlag den Raab. Aber noch viel lieber gucke ich das nicht live sondern einen Tag später, weil ich dann zum einen den Start der Sendung selbst entscheiden kann und zum anderen nach Belieben vorspulen kann. Das spart locker ne Stunde… ausserdem krieg ich gar nicht immer mit, dass wieder mal eine „SdR“ an der Reihe war. Dafür guck ich wohl zu wenig Fernsehen.

Das letzte Wochenende war wieder so eines: Ich wusste von nix, aber Sonntag Abend beim Essen fragt ein Sohn „Wer hat eigentlich bei Raab gewonnen?“ und bevor ich „Aaaaah, nix antworten!“ schreien konnte, sagte der andere Sohn schon „die Frau“. Mann ey. Mann Mann Mann ey! Damit hat er gleich mehrererere Dinge auf einmal verraten. Um den (einzigen) Vorteil für mich hervor zu heben: Ich hatte etwas Zeit, mir die entsprechende Sendung überhaupt zu besorgen. Hier hab ich, wie so oft, OTR bemüht. Und aus guter Erfahrung habe ich nicht nur Schlag den Raab geholt sondern auch gleich die darauf folgende Aussendung, weil die bestimmt nicht pünktlich fertig werden (und ich hatte recht).

Und ich will gar nicht weiter auf die Sendung und die Spiele eingehen, muss aber eines sagen: Es war spannend! Da ich ja nun wusste, dass nicht der Raab gewinnt, versuchte ich zu raten, wann denn Maria mal gewinnt, um Punkte zu holen. Und das wurde wirklich eng, wann kommt man schon mal bis Spiel 15? Aber wie Buschi gerne sagt: Am Ende wird die Made fett!

Sdr_spiel13

Nur noch zwei Spiele: Wenn man das Ende kennt, dann muss man nur noch den Weg dahin sehen… spektakulär.

Da war ich regelrecht "Atemlos"!
Da war ich regelrecht „Atemlos“!

Nachtrag:
Und sollte mal die Gewerbeaufsicht oder andere Kontrollbehörden in den Gängen und Winkeln nachschauen, wo Stefanie Heinzmann zu Beginn eingelaufen ist, dann muss der Betreiber des Studios bestimmt ein paar gute Erklärungen liefern können 🙂

Flattr this!

Den Raab schlagen?

Oder, wie der Artikel eigentlich lauten müsste:
„Von der Erkenntnis, warum die Kandidaten bei Schlag den Raab so oft verlieren“

Neulich war die fünfzigste Ausgabe von Schlag den Raab und nun steht es aktuell 35:15 für Stefan. Das finde ich ganz beachtlich, wird doch der vermeindlich beste Kandidat als Gegner aus fünfen ausgewählt. Und die haben ja alle nicht nur besondere Fähigkeiten vorzuweisen sondern haben sich sicherlich auch umfassend für die Sendung vorbereitet. Ob Stefan sich jedes mal besonders vorbereitet, da bin ich mir nicht sicher. Er hat bestimmt genug um die Ohren und kann seine Vorbereitungen vielleicht nur mehr oder weniger nebenbei machen, wie z.B. Nachrichten verfolgen, Infos über Prominente erfahren etc. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass er in einem Sportverein tätig ist oder in seiner Freizeit mit dem Mountainbike durch Köln radelt 🙂

Auf Grund dieser Fakten sollte man sich doch wundern, dass 70% der Sendungen von Raab gewonnen werden. Woran liegt es? Darüber habe ich mir mal so meine Gedanken gemacht und bin zu folgenden Erkenntnissen gekommen:
Alle Kandidaten, die es zur Teilnahme bei SdR drängt, glänzen in ihren Vorstellungsfilmchen immer mit gleich mehreren Sportarten, denen sie frönen (wobei dann und wann in der Sendung rauskam, dass das nur mal extra für Raab geübt und gefilmt wurde, einmal war es Eishockey). Die meisten haben irgendwelche „exklusiven“ Berufe und alle sind total vielseitig und aufgeschlossen. Wann machen die das eigentlich alles in ihrem Alltag, was die dort vorstellen? Deren Tag ist doch auch nicht länger. Und keiner rackert mal im Tiefbau, hat einfach keine Zeit, um gleich in mehreren Sportarten zu brillieren, alle sind super Nett und sozial engagiert, keiner raucht usw. Viele sind noch recht jung, haben also dem entsprechend wenig Lebenserfahrung… was man bei dem ein oder anderen verlorenen Spiel durchaus merken kann.

Wo sind die „normalen“ Leute, die körperlich arbeiten (und deswegen keinen Ausgleichssport brauchen), dennoch mitten im Leben stehen und auch auf ein gesundes Mass an Allgemeinbildung zurückgreifen können? Bei der letzten Folge wusste keiner der beiden, dass die „Lehre vom Licht“ in der Physik schlicht Optik genannt wird. Ist das sooo exklusives Wissen?
Und was die ausgeübten Sportarten betrifft: Das ist beileibe kein Mass für eine Raab-Tauglichkeit. Vielmehr braucht man Ehrgeiz, hohe Konzentration und schnelle Auffassungsgabe. Das meiste davon erlernt man nicht, indem man geregelten Sport betreibt, wo man bei einem Misslingen einfach noch mal von vorn anfangen kann. Eine gesunde Fitness ist sicher hilfreich, aber man sieht an Stefan selbst, dass der eben noch völlig ausgepumpt ein Spiel gewinnen kann, weil er sich selbst einfach nicht aufgibt. Und wenn ich sehe, dass einige Kandidaten nach einem verlorenen Spiel noch freundlich lächeln, dann bin ich mir sicher, dass denen eben genau dieser Biss fehlt. Mein Gott, für 500.000,- Euro und mehr würde ich blutend auf Knien aus dem Studio krabbeln, gewonnen oder nicht.

Apropos ich: Mein grösstes Manko für eine Teilnahme dort ist übrigens neben der Raucherei meine fehlende „Fernsehbildung“. Da ich so sehr selten TV gucke, kenne ich die meisten Leute (die in irgend einer Weise prominent sind) und Geschehnisse schlicht nicht und würde somit so manches Spiel sang- und klanglos verlieren. Fitness? Wenn ich in Haus und Garten irgendwas von A nach B bringen muss oder sonst wo montieren, dann mache ich das einfach. Ich mag es nicht, andere um Hilfe zu fragen und mit deren eventuellen Paddeligkeit rumschlagen und dann muss man sich halt mal dolle anstrengen, dann schafft man das schon. Danach kann man sich ja ausruhen (und eine rauchen…). Mein Boot auf dem Trailer schiebe ich allein durch den Garten und als wir den Teppich im Schlafzimmer neu gemacht haben, da lud ich die Rolle (4x 5,5m dicker Flor) allein vom Anhänger und trug sie ins Haus. Das war nicht leicht, aber ich konnte es sofort machen ohne auf jemanden zu warten. Und ich bin sicher ein eher unsportlicher Typ. Seit 12 Jahren arbeite ich im Büro. Aber lassen wir das, es geht ja nicht um mich.

Könnt ihr euch noch an Hans-Martin erinnern? Der war sogar ein Oldenburger. Der war zwar absolut arrogant und überheblich, hatte aber den rechten Ehrgeiz, um die Show zu gewinnen. Darum geht es: Keiner weiss, welche Spiele kommen werden (ausser Elton irgendwann), also muss man sich auf die jeweilige Situation schnell einstellen können, vielleicht sogar Arschloch sein und direkt das Ziel anstreben. Gegenbeispiel: Ole Bischof, Judoka und Olympia-Gewinner. Der hatte die Ruhe weg und verlor mit 3:63. Das drittschlechteste Ergebnis eines Kandidaten (die anderen beiden verloren gleich zu Null).

Das bedeutet ganz einfach: Beherrschte Fähigkeiten auf bestimmten Gebieten führen eben nicht automatisch zu Fähigkeiten in beliebigen Themen. Dazu braucht es elementare Eigenschaften, die ein Stefan Raab wohl ganz offensichtlich in sich trägt.

Also, liebe zukünftige potentielle Kandidaten: Wenn alle Leute um euch rum euch einfach nett finden und ihr euch für andere freut, wenn die beim Mensch-ärgere-dich-nicht oder im Armdrücken gegen euch gewinnen, wenn ihr mit Hinkelsteinen jonglieren könnt, aber keinen Faden in ein Nadelöhr bekommt oder anders rum, wenn ihr wisst, was ein Bulls-Eye ist, aber nicht, was eine Rochade, wenn ihr eine Kerze nicht mit den Fingern löschen mögt und keinen Fisch töten könnt, wenn ihr Schmerzen spürt, bevor es blutet und euch in den letzten 12 Monaten mal an Papier geschnitten habt, wenn ihr beim Griechen immer den Grillteller bestellt, bei der Pizza immer die Anchovis runterpult, euer Auto immer von der gleichen Marke ist und ihr noch nie besoffen zu Fuss nach Hause finden musstet,

dann seid ihr vielleicht nicht die richtigen.

Flattr this!