Schach-WM 2018

Ehrlich gesagt gehe ich nicht davon aus, dass jeder, der hier im Blog mit liest, auch die aktuelle Schach-Weltmeisterschaft verfolgt. Ich tue das aber und langjährige Lerigau-Fans werden auch wissen, das ich durchaus selbst spiele (leider viel zu selten) und auch schon über Schach gebloggt habe.

Aber ich schaue mir die Partien i.d.R. nicht live an sondern später Abends bei Youtube. Eines ist aber dieses Jahr anders: Nicht jeder kann einfach so bei den Partien dabei sein. Bei vergangenen Meisterschaften fand sich immer ein Video, welches beide Kontrahenten am Brett sitzend zeigte. Nun ist das offenbar nur noch zahlenden Gästen vorbehalten. So wichtig ist mir das dann aber auch nicht. Ich fände es zwar sehr interessant, die Mimik und das Verhalten der Spieler während der Züge zu sehen, aber nicht um jeden Preis. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn bei meiner Suche nach den richtigen Videos fand ich welche von Chess24, wo die Partien auf deutsch kommentiert werden (und man kann sie auch live bei YT schauen). Die Kommentatoren sind in diesem Fall Melanie und Nikolaus Lubbe. Zwei junge Menschen, die nicht nur viel Ahnung vom Schach haben sondern auch recht telegen sind und die Zeit zwischen den Zügen gut mit interessanten Ideen, Varianten und Geschichten ausfüllen können. Für Schach-Verhältnisse geht da richtig die Party ab 🙂

Melanie und Nikolaus Lubbe bei chess24

Und gestern, beim zwölften Remis war es wirklich schön anzusehen, denn das Remis von Magnus Carlsen kam zu einem Zeitpunkt, wo keiner damit gerechnet hat. Nicht mal sein Gegner Fabiano Caruana und schon gar nicht die Moderatoren.
Auf dem Bild oben sieht man den letzten Stand auf dem Brett und die offensichtliche Verwunderung von Nikolas. Bei allen anderen immerhin elf Remisen waren stets die Damen und fast alle Leichtfiguren abgetauscht, hier nicht. Wer weiss, was Carlsen sich dabei dachte. Aber ich will das Spiel gar nicht kommentieren, das machen die beiden Lubbes viel besser. Nun geht die WM ja in die nächste Runde mit den verkürzten Spielzeiten. Mein Tipp: Schaut euch ruhig mal so ein Video an, wenn ihr etwas Interesse an Schach habt. Und den Lubbes wünsche ich, das ich irgendwann irgendwo noch mal von denen höre. Kleine Anekdote: Als sie heirateten, spielten sie eine Partie Blitzschach und der Gewinner durfte den gemeinsamen Nachnamen wählen 😉

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Sport, Spiel oder Wissenschaft?

Nachdem die Dart-Weltmeisterschaft 2017 beendet ist, kommen hier und da Diskussionen auf, ob Dart denn nun ein Sport sei oder nicht. Ganz sicher ist das eine Frage der Definition von „Sport“, aber wer mal mehr oder weniger ernsthaft ein paar Runden Darts (Steel- oder Softdart ist erstmal zweitrangig) geworfen hat, der wird mir zustimmen, dass es sich um mehr als nur ein Spiel handelt. Und wenn man dann betrachtet, mit welcher Ausdauer und Disziplin von den Profis die guten Würfe, also immer wieder Triple und die notwendigen Doppelfelder, geworfen werden, dann ist das sogar auf jeden Fall ein Sport.

Ich erinnere mich, dass es eine ähnliche Unterhaltung auch bei der letzten Schach-WM gab. Es wurde die Frage gestellt: „Ist Schach denn Sport, Spiel oder Wissenschaft?“ und der Gefragte antworte nach einigem halblauten sinnieren, man müsse ein neues Wort dafür erfinden.

Ganz offiziell gelten beide eindeutig als Sportart. Und natürlich muss nicht jeder Sport so strapaziös wie Boxen oder ein Marathonlauf sein. Beim Golfen sind doch auch alle einer Meinung, und wenn das jemand als „Spiel“ bezeichnen würde, gäbe es sicher einiges an Gemecker. Aber ich gebe zu, dass es eigentlich einen passenderen Begriff für z.B. Darts geben müsste.

Aber andererseits: Warum immer alles neu erfinden, immer alles genau definieren und beschreiben? Der Sport an sich ist ja schon ein Oberbegriff und kann vielfältig unterteilt werden, u.a. Denksport, Rennsport oder eben Präzisionssport. Und genau da gehört Darts dazu, neben Curling, Billard, Golf (und Minigolf!) usw.

Beim Schach verhält es sich genau so, nur anders: Wer Schach nur „spielt“, wird nie einen Gegner ernsthaft Matt setzen können, da gehört einiges mehr zu. Zwar benötigt man nicht zwingend einen sportlichen Körper, aber das Gehirn will und kann auch trainiert werden. Schach ist deswegen so lange schon beliebt, weil es trotz der übersichtlichen Anzahl an Figuren (2x 16) und Feldern (64) und der festen, überschaubaren Regeln so wahnsinnig viele Möglichkeiten gibt, einen unerwartet guten Zug zu machen. Davon abgesehen kann eine Schachpartie auch recht lange dauern, da braucht man auf jeden Fall Ausdauer.

Die Triple- und Doppelfelder auf der Dartscheibe sind nur 8mm breit. Diese aus 2370mm Entfernung wiederholt exakt zu treffen, schafft man nicht spielerisch, dann wäre es ein Glücksspiel. Des weiteren werden die Pfeile (die im Durchschnitt 20-26 Gramm wiegen) auf bis zu 60 Km/h allein durch die Armbewegung beschleunigt. Nein, das ist eindeutig Sport. Deswegen können wir es uns verkneifen, Wortkonstrukte wie „Sportspiel“ oder „Spielsport“ zu bemühen.

Wer spielen will soll Pfeile werfen.

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Sonderzug zum Schachgebot

Ich schrieb ja schon etwas über Schach. Nun möchte ich auf die drei besonderen Züge eingehen, die vielleicht nicht jedem bekannt sind.

En passant
Am allerwenigsten ist vermutlich „en passant“ bekannt. Dieses ist ein spezieller Bauernzug und wird nur auf der fünften Linie (von Weiss aus gesehen) wirksam. Er wurde eingeführt, als es dem Bauern auch ermöglicht wurde, in seinem jeweils ersten Zug zwei Felder vor zu gehen. Ein schwarzer Bauer kann also von seiner Grundlinie (die siebte) gleich auf die fünfte Linie springen. Ein weisser Bauer, der schon bis dahin vorgerückt ist hätte so keine Chance mehr, diesen schwarzen Bauern zu schlagen, weil sie dann nebeneinander statt schräg voreinander stehen. „En passant“ heisst im vorbeigehen. In solch einer Situation dürfte der weisse Bauer also so schlagen, als wenn der schwarze Bauer nur ein Feld vorgegangen wäre. Schwer zu erklären, aber wenn man es einmal nachspielt dann versteht man es schnell. Geht natürlich auch anders rum, bei der vierten Linie: Schwarz schlägt Weiss.

Rochade
Dann gibt es noch die „Rochade“, welche die meisten Leute wohl kennen werden. Die Rochade ist ein Königszug und hat folgende Bedingungen:

  1. der König wurde noch nicht gezogen
  2. der beteiligte Turm wurde noch nicht gezogen
  3. zwischen dem König und Turm ist keine weitere Figur
  4. der König zieht über kein Feld, welches durch eine feindliche Figur bedroht wird (der Turm schon!)
  5. der König steht vor oder nach Ausführung der Rochade nicht im Schach (der Turm schon!)
Daraus folgt, dass pro Spieler nur eine Rochade möglich ist (der König wurde bewegt).
Durch eine geschickt platzierte Rochade kann man den eigenen König sichern und den Turm schnell ins Spiel bringen. Macht man eine kurze Rochade (zwei freie Felder), dann wird sie 0-0 notiert, bei einer langen (zur anderen Seite, drei freie Felder), notiert man 0-0-0. Achja: Die Rochade ist nur auf einer Linie möglich. So kann z.B. mit einem durch Umwandlung gewonnenen Turm keine Rochade durchgeführt werden…
Umwandlung
Beliebt, aber recht schwer durchzubekommen (meist in der Endphase eines Schachspiels) ist eine so genannte „Umwandlung“. Hier muss ein Bauer eines Spielers „nur“ die Grundlinie des anderen Spielers erreichen. Dann darf dieser Bauer vom Brett genommen und durch eine andere Figur ersetzt werden. Oft wird die Dame gewählt, es geht aber auch jede andere Figur. Diese Figur darf dann auch mehrfach auf dem Feld vorkommen, z.B. zwei Damen oder drei Springer einer Farbe. Manchmal ist es taktisch geschickt, nicht die Dame sondern vielleicht den Springer zu nehmen, weil man sofort Matt oder zumindest Schach setzen kann 😉
Das häufigste Problem wird sein, die passende Figur zur Verfügung zu stellen. Hier kann man sich aushelfen, in dem man beispielsweise einen schon geschlagenen Turm durch eine kleine Münze oder einen Kronkorken etc. „markiert“ und als gewünschte Figur auf das Feld setzt.
Opposition
Die so genannte Opposition ist kein eigentlicher Zug sondern eine Besonderheit, wenn die Könige sich nähern: Die Könige dürfen nie direkt nebeneinander stehen, es muss immer ein Feld Platz zwischen ihnen sein. So kann man (meist im Endspiel) seinen König dazu verwenden, den anderen fern zu halten oder in eine Ecke zu drängen. Wenn zum Ende einer Partie nur noch wenige Figuren auf dem Feld sind, ist diese Regel wichtig und entscheidet oft über Matt (oder auch Patt?).
Fazit
Jetzt habe ich eigentlich alles relevante über das Schach geschrieben, der Rest ist spielen, spielen, spielen. Und ganz wichtig: Nicht aufregen, wenn man verliert sondern sich für den Gegner freuen und hoffentlich erkennen, was man falsch gemacht hat. Und wenn man gewinnt, dann sollte man nicht hämisch werden, denn es gibt immer einen, der besser ist….
Noch ein Tipp: Macht ruhig immer die gleichen ersten zwei, drei, vier Eröffungszüge, soweit der Gegner das zulässt. So erkennt man nach und nach Stärken und Schwächen des eigenen Spiels und kann optimieren. Wartet, bis der Gegner einen Fehler macht. Stellt sich später raus, dass das kein Fehler sondern ein gekonnter Zug war: Einprägen!
OK, noch ein Tipp: Gerade Anfänger übersehen oft, was die Springer so anstellen können. Achtet auch auf den möglichen übernächsten Zug!

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von Bauern und Brettern

 

Die meisten Lektüren mit Titeln wie „Schachgrossmeister in 30 Tagen“ etc. fangen damit an, lang und breit zu erklären, was denn nun ein Schachbrett sei, was da für Figuren rumhampeln und warum wir überhaupt Schach spielen. Seitenweise Dinge, die die meisten mühsam überblättern müssen. Da man aber grundlegende Sachen doch erwähnen sollte, versuche ich mal, das möglichst knapp und dennoch klar zu erläutern:

Das Brett:
Wer nicht weiss, wie er ein Schachbrett erkennt, hat vermutlich auch kein Interesse am Schach. Wissen sollte man aber, wie das Schachbrett hingelegt wird: Der weisse Spieler kann die Felder a-h genau so vor sich sehen, wie man halt liest: Von links (schwarz) nach rechts (weiss). Damit ist dann auch klar, dass die Reihen 1 bis 8 nach oben steigen, Weiss fängt eben an und bei Schwarz sind Buchstaben und Zahlen dann anders rum.

Figuren aufstellen: 
Die Türme stehen wie bei einer Burg aussen an den Ecken, daneben sind die Pferdeställe, also stehen dort die Springer. Dann, weiter nach innen, die Läufer als Leibwache von König und Dame. Weisse Dame weisses Feld, schwarze Dame schwarzes Feld. So bleibt dem König das verbliebene Feld. Die acht Bauern stehen davor. Fertig.

Was können die Figuren:

  • Der Bauer kann immer nur ein Feld nach vorne. Ausser bei seinem ersten Zug, da darf er auch zwei. Schlagen darf er nur schräg, aber auch nur nach vorne.
  • Der Turm kann immer nur die Geraden laufen.
  • Der Läufer kann immer nur die Schrägen laufen.
  • Der Springer immer L-förmig. Die einzige Figur, die wie der Name sagt, über andere Figuren hinweg springen kann.
    (oben im Bild: Springer auf d5 könnte auf c3 unterm König)
  • Die Dame kann Gerade und Schrägen laufen (wie Turm und Läufer zusammen)
  • Der König kann immer nur ein Feld, in alle Richtungen.
Die möglichen Züge der Figuren sind immer einfach. Wenns kompliziert wird ist es wahrscheinlich falsch.
Ein Schlagen einer fremden Figur geht einfach dadurch, dass diese Figur am Ende eines möglichen Zuges steht. Der Schlagende nimmt das Feld ein, die vorher dort stehende Figur geht vom Brett. Ausser dem König, denn dann ist das Spiel vorbei
Wie gewinnt man:
Wenn man eine Figur so positioniert, dass sie den König im nächsten Zug schlagen könnte, dann steht dieser im Schach. Solch ein Schachgebot muss in jedem Fall zu erst durch den betroffenen Spieler aufgehoben werden. Wenn der betroffene Spieler dieses mit keinem Zug mehr vermeiden kann, dann ist das Spiel Matt. Sonderfall: Steht der König nicht im Schach, aber kein weiterer Zug kann vermeiden, dass er im Schach stehen würde und es ist kein anderer Zug mehr möglich, dann ist das Patt (wird in der Regel wie Unentschieden gewertet).
Das muss man im Groben wissen, um Schach zu spielen. Es gibt da noch einige Sonderfälle mehr (z.B. die Umwandlung, siehe Bild mit den zwei schwarzen Damen), davon erzähle ich später mal.

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Spiel im Schatten

Ich hatte ja neulich über Schach geschrieben und kündigte an, dann und wann mal was drüber zu schreiben, was dem Einsteiger hilfreich sein könnte. Da kommt mir dieser Film doch gerade recht:
In der neusten Sherlock Holmes-Verfilmung „Spiel im Schatten“ kommt es zum Ende dazu, dass Holmes und Moriati gegen einander Schach spielen. Natürlich Blitzschach, natürlich nur fünf Minuten Zeit für beide. Diese schnelle Variante des Schachs ist bei weitem nichts für mich, denn mit der extrem geringen Zeit ist es sinnvoll, die gängigen Eröffnungszüge verinnerlicht zu haben, um schnell und richtig reagieren zu können. Und auch wenn man im ersten Moment glaubt, so viele Möglichkeiten gäbe es ja nicht für die Schach-Eröffnung, so steigt doch die Zahl der Variationen mit jedem Zug sehr an und immerhin gelten die ersten 10 Züge noch als Eröffnung des Spiels. Ausserdem gibt es schon 20 mögliche Züge nur für Schritt eins: Die acht Bauern können entweder einen oder zwei Schritte vor gehen, dazu kommen die beiden Springer, die jeweils zu zwei Seiten springen können. Sinnvoll für das weitere Vorgehen sind natürlich nicht alle. Einige könnten auch dem Gegenspieler zu sehr gelegen kommen. Ich selbst könnte ja schon fünf Minuten dafür brauchen, mich für die richtige Eröffnung zu entscheiden und versuche immer wieder, mir im Internet Anregungen zu holen. In letzter Zeit habe ich das aber sein gelassen und konzentriere mich auf die Standarderöffnung: 1.e2-e4. Und wenn ich Schwarz bin und der andere eröffnet genau so, dann antworte ich mit 1. …d7-d5. Dieser schwarze Zug ist für den Anfänger eigentlich schon zu gewagt, die sollten bei …e7-e5 anfangen, das lässt am meisten Spielraum. Dies alles vernünftig zu erklären ist vermutlich der Grund, warum einige Bücher eher schlecht für Einsteiger wirken. Da wird das so hingestellt und der Spieler muss dann irgendwann selbst erkennen, warum das denn so ist. Und wir sind noch beim ersten Zug.

Ich versuche mal, etwas Licht da rein zu bekommen:
Wenn man die e- oder d-Bauern zieht, dann lässt man seinen anderen Figuren noch genug Platz, „sich zu entwickeln“. Das scheitert aber zunächst schon, wenn man die Bauern nur ein Feld hochzieht, denn die Läufer sind dann erstmal blockiert.  Ruckzuck wirkt das Spiel verbaut und eng und man weiss gar nicht, was man als nächstes ziehen soll. Mein oben erwähnter 1. e2-e4 d7-d5 ist die so genannte „Skandinavische Verteidigung“ und zwingt den weissen Spieler gleich zu entscheiden, wie das Spiel weiter gehen soll. Daran erkenne ich wiederum schnell, was für ein Typ von Spieler (Offensiv? Taktiker?) mein Gegner ist (und verstosse im Zweifel anschliessend gegen eine der Grundregeln, siehe unten).

Ausserdem will man Läufer und Springer schnell aus der Bahn haben, weil dann eine Rochade (König/Turm) möglich ist: Eine gute Möglichkeit, sich dem Angriffsspiel des Gegners zu entziehen (aber nicht immer schlau… aufpassen!). So hat man auf jeden Fall die ersten drei bis vier Züge geschafft und man kann warten, was der Gegner macht (vielleicht schon was gewagtes, einen Fehler?). Aus diesen Gründen gibt es mittlerweile einige Grundregeln bei der Eröffnung im Schach, die man als weniger erfahrener Spieler durchaus beherzigen sollte (und ich tue es auch noch im Grossen und Ganzen):

  • Ziehe einen Zentralbauern, um die Läufer entwickeln zu können
  • Entwickle dann die Leichtfiguren Springer und Läufer
  • Vermeide, die Dame zu früh ins Spiel zu bringen
  • Jede Figur sollte in der Eröffnung möglichst nur einmal gezogen werden
  • Jeder Zug sollte der Beherrschung des Zentrums und der Sicherung der eigenen Figuren dienen
  • Die sichere Positionierung des Königs (aufpassen!) durch eine Rochade sollte so früh wie möglich in der Eröffnungsphase geschehen
Mit etwas Erfahrung kann man die einzelnen Zugfolgen natürlich auch umdrehen, wenn man z.B. erst die Springer und dann die Bauern zieht, aber wesentliche Experimente sollte man vermeiden. Nie den Gegner unterschätzen, seine eigene Raffinesse kann man später immer noch zeigen 😉 Wenn also der Gegner seine Dame sehr früh zieht, dann wisst ihr schon mal, ob er entweder sehr erfahren oder noch ein Anfänger ist… ob es hilft? Hier hilft nur die Erfahrung aus vielen Spielen, um die Stellung zu „sehen“. Deswegen ist auch Simultanschach eine gute Übung: Man prägt sich die Stellungen nach und nach ein.
Da guck ich also den Film und sehe, wie Moriati dramatisch das Spiel mit dem ersten Zug eröffnet. Da hab ich doch gleich mal die Pause-Taste gedrückt, weil ich so baff war. Schaut euch mal das Bild oben an: Fünf weisse Bauern stehen dort noch, also wurde der sechste von rechts gezogen, zwei fehlen noch. Also der c-Bauer. Was ist das denn für eine Eröffnung? Und dann noch in einem Blitzschachspiel?!? Dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder die Macher des Films haben auf solch ein „unwesentliches“ Detail nicht geachtet oder der Dr. Moriati ist wirklich ein sehr schlauer Kopf. Und in der Tat: 1.c2-c4 ist die so genannte „Englische Eröffnung“, und für einen Profi durchaus spielbar. Von den folgenden Zügen des Spiels bekommt man leider nichts mit und in der Schlussphase tragen die beiden das Spiel rein verbal aus. Ich hatte mir die Züge notiert, aber auch mit langem Grübeln und „Rückwärtsspielen“ konnte ich da keinen Sinn mehr erkennen, für mich sieht das willkürlich aus:
LxS+ (das + bedeutet Schach)
Kh2
Ta3+
Lh3
LxL
Tf4
TxT
BxT
Lf7
DxSb (Dame schlägt Springerbauer wurde das im Film genannt…?)
Lf8# (wird manchmal auch ++ notiert)
Ich verrate aber nicht, wer den letzten Zug gemacht hat, will ja nicht die Spannung nehmen 😉

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Ne4xd6… CHECK!

An dem Titel dieses Artikel werden sich die Geister scheiden. Ich hoffe, ein grosser Teil der Leser kann mit der Zeichenfolge „Ne4xd6…“ durchaus was anfangen. Für alle anderen sei gesagt: Es handelt sich um Schach, genauer: um eine Notation für einen Spielzug im Schach. Wahrscheinlich haben die meisten irgendwann mal irgendwie Schach gelernt: Die grundlegenden Regeln, wie welche Figur ziehen darf und was das Ziel des Spiels ist. Und dann hat man das nie wieder gespielt. Und wenn man gefragt wird: „Nee, ich weiss wie die Figuren ziehen, aber spielen kann ich es nicht“.

Dabei stimmt das gar nicht. Man muss nicht mehr wissen, der Rest ist Taktik und vorausschauendes Denken! Natürlich gibt es noch einige Besonderheiten wie Rochade und en passant, aber grundsätzlich kann man Schach auch ohne dieses Wissen spielen 😉 Und gegen einen gleich (un)erfahrenen Spieler hat auch so ein Spiel seinen Reiz! Häufigste Probleme, die einem eher vom Schach abhalten sind ja: Erstmal einen Spielpartner finden so wie ein Schachbrett, Figuren und Zeit zu haben. In Zeiten des Internets gibt es sicher auch viele Online-Schach-Varianten, aber ich persönlich spiele lieber gegen Leute, die ich kenne. Ausserdem kommt oft beim „leibhaftigen“ Schach das Problem hinzu, dass Stellungen nicht erkannt werden (z.B. ein drohendes Schachgebot) und so unzulässige Züge gemacht werden. Das passiert nicht nur Anfängern: Die größte Anzahl von Rochaden in einer Partie betrug drei  (zwei sind aber nur möglich 😉 ).

Da mich aber Schach schon immer faszinierte, obwohl ich selbst wie viele andere Jahrzehnte am Stück nicht gespielt habe, und ich die oben genannten Probleme umgehen wollte, machte ich mich auf die Suche und fand etwas genial simples: Eine Online-Schach-Variante, die man einfach in einer Homepage, welche PHP unterstützt, installieren (eigentlich nur entpacken und hinkopieren) kann. Danach sollte man noch die account.php passend erweitern (einfach nach vorgegebenem Muster) und schon kann es losgehen! OCC nennt sich das ganze und regelt alles, was geregelt werden muss. Es ist ein geschlossener Kreis an Nutzern, falsche Spielzüge sind durch das Skript unterbunden, der letzte Zug des Gegners wird farblich hervor gehoben, es gibt ein Ranking mit ELO-Punkten und alle Spiele werden perfekt zum nachschauen archiviert. Sogar die Anzeige des Spiels im PGN-Format (zum importieren wohin auch immer) ist möglich. Man kann sich sogar per Mail über einen Zug informieren lassen. Einfach klasse! Mittlerweile ist es schon vier Jahre her (Start des ersten Spiels: Sep 1st 2008 10:49, Archiv sei Dank), dass ich das Skript installierte und der Mitspielerkreis hat sich erst erweitert und aktuell bei überschaubaren fünf Leuten eingependelt. Ich habe dort bereits 170 Spiele durchgespielt, habe aber „nur“ eine Elo-Zahl von gut 1400. Ist aber auch gar nicht so wichtig. Das tolle ist, dass es auch nach vier Jahren noch Spass macht. In aller Bescheidenheit glaube ich auch, mein taktisches Denken wurde dadurch gefördert. Schaden kann es sicher nicht.

Nun möchte ich aber noch erklären, was es mit der Überschrift auf sich hat: Ne4xd6… Check!
Das Skript basiert auf englischer Sprache, Check bedeutet nichts anderes als ein Schachgebot. Checkmate ist demnach ein finales Schachmatt. Das „N“ steht für das Pferd, den Springer, der im Englischen Knight heisst. Da der König der King ist und das „K“ hat, nahm man eben den nächst naheliegendsten Buchstaben. Im Deutschen wird der Springer natürlich „S“ abgekürzt.
e4 und d6 sind die entsprechenden Felder auf dem Schachbrett. Der Springer wurde also auf d6 gezogen. Weil dort eine Figur stand, hat er sie geschlagen, dass zeigt das „x“ in der Notation. Welche, geht nicht direkt hervor, das müsste man aus den vorherigen notierten Zügen raussuchen. Ausserdem wurde wie erwähnt Schach angesagt und das „!“ weist darauf hin, dass es sich wohl um einen guten Zug gehandelt haben mag. Ein Fragezeichen steht dem entsprechend für einen schlechten Zug. Das wird oft hinter Bauernzügen gesetzt, wenn die nichts aussergewöhnliches leisten (z.B. Schachgebot oder noch raffinierter Abzugsschach).
Man kann aus obiger Schreibweise nicht direkt erkennen, ob Schwarz oder Weiss gezogen hat. Da Weiss immer den ersten Zug macht, würde man das bei vollständiger Schreibweise daran erkennen: Weiss 7. Ne4xd6 oder Schwarz 7. … Ne4xd6. Die sieben steht natürlich für den siebten Zug bzw. Halbzug: Erst wenn beide Spieler ihre Figur bewegt haben, ist der Zug vollständig, jeder für sich macht einen so genannten Halbzug.

Und wie ich hier so munter schreibe, merke ich: Man kann viel erzählen über das Schachspielen. Leider habe ich bisher kaum hilfreiche (bezahlbare) Literatur oder Seiten im Netz gefunden, die einem gut weiterhelfen. In den einschlägigen Foren geht es mir persönlich viel zu sehr ins Eingemachte, oft wird scheinbar vorausgesetzt, dass man zumindest die 500 (oder weiss der Geier wie viel) gängigsten Eröffnungen auswendig weiss. Die wirklich elementaren Dinge für Anfänger, Einsteiger und Interessierte muss man sich mühsam zusammen suchen. Ich hab das grösstenteils hinter mir und habe mir nun vorgenommen, in diesem Blog dann und wann darüber zu schreiben.

Ich kann nur jedem, der eine PHP-fähige Homepage hat, empfehlen, das oben erwähnte OCC-Skript mal auszuprobieren: Wirklich, wirklich toll!

(Übrigens sind Schachwitze wirklich witzig, wenn man Schach selber spielt)

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