mehr Plastikverpackungen

Neuste Meldung: In Deutschland wurde wieder mehr Plastik hergestellt, statt weniger! Ist das nicht merkwürdig? Alle reden davon, überall ist es ein Thema, es gibt dramatische Bilder von Tieren, die auf Grund von Plastikteilen elend verendet sind usw. und dennoch wird immer mehr Plastik produziert? Und Menschen wie Esther Schweins hüpfen durch die Medien und fordern: Wir müssen was machen!

Falsch, liebe Esther: Wir können da kaum was machen.  Klar kann jeder von uns die in Folie eingeschweisste Gurke liegen lassen oder das Zeug noch an der Kasse abfummeln, aber ehrlich: Wer macht das denn? Wer lässt die Plastikverpackungen im Laden? Zumal man dann ja den losen eingekauften Kram hat, den man irgendwie nach Hause bekommen muss. Das fängt beim Brot an, geht über Wurst und Käse bis zu… ach, ihr kennt das ja alle. Ausserdem: Was nützt es? Das Plastik ist ja bereits produziert. Wo wir es wegschmeissen spielt keine Rolle. Wir setzen ein Zeichen, wenn wir den Müll in den Läden lassen? Welches Zeichen denn? Den Herstellern von den Folien etc. ist es offenbar herzlich egal. Die einzigen, die dann „was merken“ ist das Personal in den Läden, die nun mehr Arbeit haben, den Kram zu entsorgen. Vielleicht ist die Konsequenz dann, dass die Läden effektivere Müllpressen bekommen. Na toll.

Tatsache, liebe Mitmenschen, ist: Wenn die Bequemlichkeit endet, hört der Mensch auf, an Umwelt, Klima und Natur zu denken. Die Schwelle mag bei jedem auf einem anderen Level sitzen, aber es ist und bleibt so. Oder, wie Johannes König so drastisch und wahr beim Thema „mit dem SUV zum Bioladen“ sagt (von mir frei aus der Erinnerung zitiert): „…oder wenn ich einfach kein Bock habe“. Und alle lachen und klatschen.
Hier müsste das Umdenken stattfinden, aber: Glaubt ihr wirklich, das passiert in der nötigen Konsequenz? Was nützt es denn, wenn einer sein Leben auf Jute umstellt (was natürlich nie vollständig funktionieren wird), während andere nach wie vor „rumasen“ mit Plastik? Ob der Magen eines Wales mit 20 Kg oder 40 Kg Kunststoff gefüllt ist, spielt keine Rolle, wenn das Tier stirbt. Ob Seevögel von einem Quadratmeter Fischernetz oder von einer Sixpackfolie erdrosselt wird, spielt keine Rolle. Das ist wie beim CO2: Eine Senkung der Steigerung nützt nix.

Was muss geschehen? Nun, im Grunde ganz einfach: Wir, als Masse, als Volk, als Bürger, dürften den „Mist“ gar nicht erst kaufen können. Was nicht da ist, verursacht keine Folgen. Und hier nützt es nichts, an die Freiwilligkeit der Hersteller und Auftraggeber zu appellieren: Die handeln alle nur Umsatz- bzw. Gewinnorientiert. Die Mitarbeiter dort sind ein Teil vom „wir“, vom Volk. Und die freuen sich, wenn sie Geld verdienen. Klar.
Also müssen Gesetze her, und zwar recht drastisch: Gurke einpacken verboten! Und zwar auch nicht vom Grosshändler zum Einzelhandel auf riesigen Paletten in breite, mehrlagige Folienstreifen eingehüllt. Neulich hatte ich einen Sossenbinder in der Hand, der war dreifach verpackt: Aussen so eine beschichtete Papier(?)Umverpackung, drinnen ein kleiner Karton und darin ein Mehrschichtkunststoff-Tütchen. Mindestens eine Schicht kann man hier weglassen! Zumal ja dieses Päckchen mit anderen in einem Papptablett liegt und diese wieder zu Einheiten verpackt in den Laden kommt. Generell sollte ein Verpackungsgesetz z.B. so lauten:

  • So wenig wie Plastik wie möglich, auch ggf. zu Lasten der Hygiene (ehrlich!)
  • So wenig Verpackungsschichten wie möglich, unabhängig ob Plastik, Pappe, Holz etc.
  • Wenn es eine umweltfreundliche Alternative zu Plastik gibt, so ist diese zwingend zu verwenden
  • neue, umweltschonende Verpackungen erfinden (Zahnpasta im Glas usw.)

Wie bitte? Da werden nun die Firmen, die diese Umverpackungen herstellen, Arbeitsplätze abbauen müssen, weil ja so viel weniger Plastik in Umlauf gebracht wird? Nein, liebe Firmen: Denkt um, macht die entsprechende Erfindung und sichert eure Existenz: Nach wie vor werden ja Güter verkauft und benutzt, wir wollen eben nur nicht, dass das alles in dieses Scheissplastik eingepackt ist! Kaufen werden wir schon alles, was uns da vorgesetzt ist, da mache ich mir keine Sorgen.

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Klima und das böse CO2

Ich unterhielt mich mit ein paar Leuten über die Welt, Politik, Klima und wie das alles so zusammen hängt. Dabei stellte sich heraus, das eigentlich alle etwas verwirrt sind, weil so viele Sachen durcheinander geschmissen werden oder einfach hingenommen oder alles gleichzeitig. Da habe ich versucht, mich sachlich und neutral zu informieren und das alles mal zu verstehen. Tue ich jetzt. Und lieber wäre mir, ich würde das alles gar nicht in meinem Kopf haben.

Der Trend ist: Politik und Medien verteufeln das Kohlendioxid und es muss alles getan werden, um dem Herr zu werden. Nun fragt sich vielleicht der Laie: Aber warum? Tja, Tatsache ist, dass das CO2 nicht selbst die Erde wärmer macht, sondern in der Atmosphäre wirkt das CO2 wie eine Folie über einem Gewächshaus: Die abgestrahlte Wärme von der Erde wird nicht hinausgelassen und so wird es unten immer wärmer. Und seit der Industrialisierung durch den Menschen ist die Menge des CO2 in den oberen Schichten schon von ca. 280 Teilchen auf über 400 gestiegen. Nun will die Politik durch diverse Maßnahmen (man soll beispielsweise für CO2 bezahlen?!? Hülft bestümmt) nicht etwa dafür sorgen, dass es wieder weniger CO2 wird, sondern der Anstieg soll geringer werden. Hä? Wem soll das denn helfen?

Stellt euch mal vor, ihr seid das Klima. Und ihr habt einen Rucksack, in dem 28 Kg Steine gepackt sind. Ganz schön schwer, oder? Nun kommen nach und nach mehr Steine in diesen Rucksack, es sind jetzt 42 Kg, und ihr fangt an zu schwitzen. Kann man ja verstehen. Da kommt die geniale Idee: Damit ihr nicht mehr schwitzt, packt man euch zwar immer noch weitere Steine in den Rucksack, aber nicht mehr so viele! Ist das nicht prima? Da kann du als Klima doch fröhlich pfeifend weiter traben und wirst bestimmt nicht mehr so doll schwitzen… Wahnsinnsidee. Dafür kann man sich doch erwärmen…

Wo kommt denn diese Wärme überhaupt her, könnte man sich fragen. Es ist natürlich zum einen die Sonne, die scheint und Wärme liefert. Mit diesen Sonnenstrahlen kann der Mensch auch Strom erzeugen und mit diesem Strom kann man Sachen machen, die Menschen so machen. Und diese Sachen erzeugen auch wieder Wärme, das ist physikalisch unabdingbar. Nehmen wir mal sowas banales wie Auto fahren, und dabei möchte ich auf die Abgase gar nicht eingehen. Der Motor erzeugt neben Vortrieb auch Wärme, die an die Umgebung abgegeben wird, selbst ein Elektromotor. Und aber die Reifen, die erzeugen auch Wärme. Durch die Reibung auf dem Untergrund erwärmen sie sich und diese Wärme wird auch wieder an die Luft abgegeben. Das ist ja nun nicht viel, werden die meisten sagen und haben auch recht, aber sag ich dann: Es sind schon sehr viele Autos, LKW, Mopeds etc. auf den Strassen der Welt unterwegs! Sauviele, scheissenviele sogar. Und ohne irgendwelche Werte und Zahlen in Formeln zu quetschen, kann man sich doch ausmalen, dass Abermillionen von Reifen selbst bei dem Bruchteil eines Grad Celsius Temperaturerhöhung in Summe, über Jahrzehnte, Tag für Tag und überall, die Erwärmung der Erde um vielleicht 0,1 Grad vorantreiben? Immerhin reden wir bei der Erderwärmung eben um diese zehntel Grad, denn wenn man statt 2,0 lieber nur 1,5 hätte, sind 0,1 verdammt viel (auch 0,05). Und ich fabuliere hier nur über Reifen, die über Strassen rollen. Es gibt aber auch Züge auf Schienen, Schiffsmaschinen, die mit Seewasser gekühlt werden, und jenseits des Verkehrs noch viel mehr Gelegenheiten, wo der industrielle Mensch (Ab)Wärme erzeugt. Ich will gar nicht die Produktion von Rohstoffen auflisten (wie viel Energie braucht man für Aluminium, Stahl, Papier, Kunststoff, Silizium oder ganze Smartphones…). Ich selbst als Schlossermeister bohre, schleife, schweisse. Und es gibt sooo viele weitere Werkstätten auf der ganzen Welt und sooo viele andere Gewerke und und und.

Und wir Menschen mittendrin leben damit und davon. Ich hatte es schon mal erwähnt: Wir heizen unsere Wohnung und stellen einen Kühlschrank mitten rein. Da ist es schon harmlos, dass wir unsere Handys laden müssen, damit wir nach Energiesparmaßnahmen oder Gretas neueste Forderungen googeln können. Und dabei habe ich selbst mich höchstpersönlich Umwelttechnisch schon stark verbessert: Früher hatte ich einen einfachen Arbeitsweg von 27km, heute sind es nur noch 18. Da jubelt das Klima, weil mein Auto weniger Motor- und Reifenabwärme produzieren muss, wobei ein richtig Grüner natürlich fordern wird, dass ich das Stückchen wohl bitte mit dem Rad erledigen könnte (wenn ich schon nicht laufen will). Wo die Bequemlichkeit endet, endet der Einsatz des Menschen für seine Umwelt.

Über die Rodungen im Regenwald will ich schon gar kein Wort mehr verlieren, ich kann es ja eh nicht beeinflussen und finde es schon wegen dieser zerstörten Urnatur schrecklich. Es ist nur so verdammt schade um den Wald, weil Bäume eben genau die perfekte Lösung sind, um CO2 nicht nur aus der Atmosphäre zu holen sondern auch langfristig zu binden. Wenn es erstmal im Holz ist, bleibt es da auch, selbst wenn man aus dem Baum ein Haus, eine Halle oder ein Schiff baut. Torf macht das übrigens auch, wenn auch passiv, weil Torf ja nicht wächst sondern „entsteht“. Und ich wohne in einer Gegend, wo durchaus noch fleissig Torf abgebaut wird. Damit darf jeder Hobbygärtner, der sich nen Sack Blumenerde kauft, dann auch mal gepflegt die Fresse halten, selbst wenn er einen Baum pflanzen will (das dauert nämlich echt irre lange, bis dieser Baum uns helfen kann). Wer dazu mehr wissen will: Es gibt einen Podcast namens „Waldwunschdenken“ vom Deutschlandfunk.

Wenn man das alles so liest und überdenkt; man könnte trübsinnig werden. Und deswegen freuen sich so viele, wenn nun die Jugend merkt, dass ihre Zukunft im Arsch ist, wenn wir(?) so weiter machen und deswegen auf die Strasse geht. Aber, liebe Greta, mache es dir nicht so einfach: Nicht fordern, sondern fragen, was man selbst tun kann, damit es dann alle machen!

Auch wenn ich der Meinung bin, dass es eh zu spät ist. Denn z.B. der Plastikmüll wird dadurch nicht weniger und das ist nur ein weiteres selbstgemachtes Problem der Menschheit und irgendwie hängt das so alles zusammen, das man mit der Lösung des einen Problems im dümmsten Fall (und das können wir Menschen gut) das andere noch verstärkt. Vielleicht hatte Thanos doch recht mit seiner Idee…

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Gretas Reise

Das hat sie ja nun gut hinbekommen: Die Reise über den Atlantik mit einem Segelboot weckt mediale Aufmerksamkeit (auch wenn das aus anderen Gründen schon tausende Male gemacht wurde). Und auch wenn es nichts „bringt“, so werden doch immerhin Gedanken angestossen, warum nicht. Ganz nebenbei kann Boris noch ein bischen Werbung für sich, sein Boot und dem Segelsport an sich machen. Prima! Jede Wette, dass über das nächste Vendee Globe in Deutschland wesentlich intensiver berichtet wird. Mich freut das.

Aber es wäre noch pfiffiger gegangen: Die Avontuur oder gar die Tres Hombres wäre wesentlich perfekter für den Transport von Greta und ihren Ideen: Das sind alte (sehr alte) Frachtsegler, deren CO2-Bilanz mehr als ausgeglichen sind. Dazu bin ich mir sicher, dass so gut wie kein Carbon etc. dort an Bord verbaut ist und dass die noch eine richtige Kombüse haben, wo man frische, naturnahe Speisen zubereiten kann und bestimmt noch eine Kloschüssel aus guter Keramik .
Da hat der Conny Bockermann wohl nicht aufgepasst. Die ganze Werbung hätte ihm genauso gut gestanden und wie gesagt: Es wäre noch ehrlicher, trotz oder gerade weil so ein Frachtsegler die Strecke bestimmt nicht in zwei Wochen schafft und eine Reise mit solch lebender Geschichte noch authentischer ist, noch naturnäher und fairer der Umwelt gegenüber… vielleicht das nächste mal?

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Kaffeebecher

Wenn die Angaben stimmen, dann werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher weggeworfen. Jede Stunde.
Jede Stunde! Mein eigener Verbrauch von diesen Bechern liegt im Jahr so circa bei Null, aufgerundet: Einer. Überschlägig bedeutet das, dass andere Menschen mehrmals täglich solche Becher kaufen, benutzen und wegwerfen. Und das offenbar völlig sorglos. Die Folgen, der Müll etc., muss diesen Menschen egal sein, sonst würden sie es ja nicht machen. Und genau das ist das Hauptproblem: Das Bewusstsein der Menschheit, dass ihr Handeln Konsequenzen hat und das der Preis für eine Änderung dieses Handelns eben die Bequemlichkeit ist. Der Kaffeebecher an sich ist natürlich nicht das Problem, aber er ist ein guter Platzhalter für die komplette Wahrnehmung vom Menschen bzgl. Umweltverträglichem Verhalten.

Diese Bequemlichkeit (man könnte es auch Faulheit oder Luxus nennen) gibt aber keiner auf. Jaha, Fordern und Verlangen, das kann man mal eben machen, auch Freitags statt Schule mit nem Kaffeebecher gegen den Klimawandel protestieren. Und den bösen Politikern alle Schuld in die Schuhe schieben, weil die tun ja nix. Man selber tut zwar auch nix, aber das ist natürlich eine ganz andere Sache. Erstmal die anderen.Währenddessen stopft man das kleine Stück Folie mit in den Biomüll, fährt eben mit dem Auto zur Bank, kauft sich irgendwas für wenige Euro bei Amazon (ist ja so günstig, da konnte ich nicht widerstehen) und lässt das Licht brennen, weil man mit dem Schalter das Licht zwar ein- aber nicht ausschalten kann und fliegt in den Urlaub.

Wenn man etwas Gutes aus dieser Erkenntnis ziehen will: Der Einzelne kommt da nicht gegen an, also kann sich jeder die Mühe sparen und wir hoffen einfach, dass die Wissenschaft schon was erfinden wird, was den Müll einfach in Morgentau oder ähnliches verwandelt.

(Wenn demnächst Kaffeebecherhersteller Personal entlassen muss, dann ist das ein ganz anderes Thema, aber: Es hängt eben alles zusammen)

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Friday on my Mind

Na gut, über den Friday for the Future wurde bestimmt schon alles gesagt, aber eben noch nicht von mir. Also jetzt:
Ich will gar nicht lange darauf rumreiten, dass es ganz sicher eine wesentlich geringere Beteiligung gäbe, wenn die sagen würden „Hey, Sunday morning for the Future, seid alle dabei, acht Uhr gehts los!“. Es ist doch wohl jedem klar, dass ein Großteil der Schüler einfach die Gelegenheit wahrnimmt, eben mal nicht zur Schule zu gehen. Vermutlich schaffen die meisten es auch noch, die elementaren Gründe für das Schwänzen wieder zu geben:

…fordern von den Politikern, die Klimaziele ernst zu nehmen…

Nett. Auch ehrenwert. Man könnte gar noch mehr fordern.
Aber: Wer von den Schülern als erstes eine Steckdose sucht, um sein Smartphone aufzuladen, auf dem Weg zur Demo noch nen Coffee to go mit nimmt oder einen Schokoriegel mampft, mit dem Auto da hin fährt, den Müll nicht immer korrekt trennt und bei Amazon Dinge aus China bestellt nur weil die so günstig sind, der braucht von anderen mal gar nichts bzgl. Klimaschutz zu fordern.

So, und nun macht eure Hausaufgaben.

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Töte einen Wal!

Wer von uns würde einen Wal töten? So ganz freiwillig, vielleicht sogar ohne Grund, einfach so? Natürlich keiner.

Und genauso natürlich habe ich den Titel dieses Beitrags etwas sehr dramatisierend gewählt. Der Ursprung ist eher etwas weiter entfernt von der Waljagd: Unsere Waschmaschine war kaputt. Siemens Siwamat. Fehler F.43, und wie man schnell rausfinden kann: Wohl irgendwas mit dem Motor. Nun bin ich alt und erfahren und Handwerker und wette mit mir selbst: „Die Kohlen sind runter, die müssen neu“. Auch wenn ich im Grunde weiss, wie man die Kohlen bei einem Elektromotor wechselt: Im Detail weiss ich es nicht und um an den Motor ran zu kommen, muss man sicher auch bestimmte Wege einhalten. Schön ist: Für alles gibt es Youtube-Videos, auch für mein Problem. So stellte sich recht schnell heraus, dass es eigentlich so ist, wie ich es mir dachte: Rückwand abschrauben, unten ist der Motor und wenn man den Treibriemen zur Trommel und die Kabelverbindungen entfernt hat, dann kann man den Motor ausbauen. Dazu gab es im Video noch hilfreiche Tipps zum Lösen der Stecker.

Also quäle ich die WaMa aus ihrer Ecke, mache erstmal mit dem Staubsauger eine grobe Reinigung, um Staub und Spinnenweben zu entfernen und nach dem ich Werkzeug etc. bereitgelegt habe, will ich mich ans Werk machen. Und schon kommt die erste Überraschung, die mich laut schimpfen lässt: Man kann die Rückwand nicht mehr einfach komplett weg schrauben! Es ist nur noch eine ovale Öffnung mit Deckel vorhanden, wo ich mit Kopf und Armen nicht durch passe. Und an den Motor kommt man so auch nicht. Früher und auch im YT-Video ging das noch. Was mich aufregt: Technisch gibt es keinen Grund dafür. Vermutlich kann man so etwas Metall sparen und trotzdem eine steife Konstruktion hinbekommen? Aber wichtiger: Wie komme ich nun an den Motor?

Zerlegen
Ich gebe natürlich nicht auf und nehme die Herausforderung an. Ich weiss nicht mehr, wie teuer diese WaMa seinerzeit war und wie lange wir die schon haben, aber: Wenn alles in Ordnung ist, alles gut funktioniert und NUR die Kohlen des Motors erneuert werden müssen, warum sollte ich dieses Gerät dann wegschmeissen und eine neue kaufen? Meine Frau studierte schon die üblichen Angebote, verglich Preise und Leistungen. Ich legte derweil die Maschine auf die Seite, um an den Boden heran zu kommen. Dort musste ich erstmal die „Wanne“ entfernen, die vermutlich Wasser auffangen soll (wie viel, zwei Liter? Ein Witz), dann das Kabel zum Schwimmschalter lösen und dann sehe ich von unten den Motor. Dieser ist von der Rückseite her auf zwei Daumendicke Kunststoff-Bolzen geschoben und mit zwei Schrauben gesichert. An die zweite Schraube kam man Dank der genialen Idee der Siemens-Ingeneure, die Rückwand fest zu montieren, kaum noch ran. Und als ich endlich den Motor mit einem dicken Schraubendreher nach hinten von den Bolzen hebeln wollte, da erkannte man die ganze Raffinesse dieser Idee: Man kann den Motor nicht einfach von der Trommel trennen und somit nicht ausbauen! Es fehlt schlicht an Platz! Mann Mann Mann!

Freischneiden
Nun erst recht: Als Schlosser habe ich natürlich eine Blechschere. Diese hergeholt und hinten ins Blech geschnitten. Ob gewollt oder nicht: Die Versteifungsrippen des Bleches waren total im Weg. Der Motor müsste eigentlich nur einen Zentimeter weiter nach hinten, aber dafür musste ich das Blech der festen Rückseite regelrecht vergewaltigen: Ein gerader Schnitt nach unten so weit es geht und dann ein Stück weiter zur Seite einen schrägen Schnitt usw. Irgendwann habe ich mit einer Pumpenzange die frei geschnittene Lasche und die scharfen Ecken weggebogen und endlich konnte ich den Motor rausziehen. Theoretisch hätte man die Kohlen auch am montierten Motor wechseln können, aber praktisch war das nicht möglich, weil extrem kleiner Fummelkram, dazu voll von Kohlenstaub. Bei frei liegendem Motor waren die Kohlen schnell entfernt. Noch ein Vorteil unserer modernen Zeit: Im Internet kann man alles kaufen. Die Ersatz-Kohlen zu finden und zu bestellen war kein Problem. Es war Samstag und Montag kamen sie schon per Post.

Reparatur
Ärgerlich war, dass eine der neuen Kohlen durchgebrochen war. Statt der ca. fünf Zentimeter hatte ich nur noch die Hälfte zur Verfügung. Nur etwas mehr als der entnommene Kohlenstummel. Aber egal, das sollte nun fertig. Ich habe mit Schleifpapier die Bruchkante geglättet und die neuen Kohlen eingesetzt. Und danach alles wieder quasi rückwärts zusammen gebaut. Schwer war natürlich, den Motor wieder in seine Position und über die Plastikbolzen zu kriegen, dazu musste ich sogar eine kleine Schraubzwinge verwenden. Danach nur noch die Bodenplatte fest, WaMa hinstellen, ovalen Deckel davor und erstmal nur grob in Richtung der alten Position geschoben. Ein technisches Hindernis gab es nun noch: Die Maschine zeigte noch immer den Fehler, man musste einen Reset ausführen. Aber auch hier wusste das Internet Rat (Klick). Toll, hat schon beim zweiten Versuch funktioniert und ich konnte den eigentlichen Funktionstest ausführen: Ein, zwei Handtücher in die Maschine und ein schnelles Programm laufen lassen: Super, es dreht sich! Der Motor war zwar etwas laut, aber das war sicherlich der nicht perfekt angepasste (abgebrochene) Kohlenstück. Das schleift sich ein. Prima, Fall doch noch erledigt.

Und was hat das nun mit dem Töten eines Wales zu tun?
Schaut euch mal eine Waschmaschine von innen an, am besten von oben. Da müsst ihr nur die Abdeckplatte runternehmen. Auf den ersten Blick alles HighTech, alle Kabel etc. akkurat und zackig verlegt. Auf den zweiten Blick? Alles verkapselte, vergossene HighTech und sehr viel Kunststoff. Da irgendwas auszutauschen oder zu entfernen ist kaum möglich. Nun weiss ich nicht, wie viele Waschmaschinen im Laufe der Zeit verkauft werden, aber auf jeden Fall werden fast genau so viele entsorgt, also weggeschmissen. Und selbst wenn ich glauben könnte, dass 95% der Wertstoffe recycelt werden würden, dann wäre immer noch sehr viel Abfall übrig. Und wo landet dieser Abfall? Ein Anteil davon ganz sicher irgendwann in unseren Weltmeeren (Klick). Und dort verhungern dann, oft gar mit vollem Magen, die Tiere (weil der unverdaubare Müll im Verdauungssystem steckt). Und damit sterben dann auch die Wale. Wollen wir das?

Ich will ja gar nicht so weit gehen und behaupten, Siemens ruiniert unsere Umwelt, denn das wäre zu einfach gedacht. Aber immer nur wegwerfen und neu kaufen geht eben nicht (mehr). Eigentlich. Es hört aber nicht auf und deswegen ist es, nüchtern und depressiv betrachtet, egal. Immerhin habe ich einige hundert Euro für eine neue Maschine gespart.

Wenn es doch nur so einfach wäre.

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