Alles Zufall 4

(Die älteren Teile findet man hier: 1 2 3 )

Alles Zufall

4.

„Kadett, folgende Sachlage:“
Die kurzen Sätze von MPacho. Unter den Kadetten ist klar, was das zu bedeuten hat: Ich bin raus aus dem Projekt. Zumindest habe ich etwas zu erzählen, wenn ich wieder bei den Unterkünften bin.
„Wir haben ihre Leistungen durch den Prüfungscomputer checken lassen.“
Computer sind nicht immer ein Segen: Man kann sie nur schwer überreden, was anderes zu sagen als sie denken. Nun hatte ich es schwarz auf weiss: Wenn ich Brad schlagen will, nehme ich Sport, nicht Taktik. Nicht so. Keine Versetzung.
Ihr hättet mal sehen sollen, wie Brad mir beim ersten Staffel-Surf den Stick übergeben hat und dann quasi als Halbtoter ausgerollt ist. Oder bei der Selbstverteidigung: Da hat er sich glatt die Nase brechen lassen, obwohl der Coach als Übungseinheit eine Fuß-Sichel angekündigt hat. Zu seinem Glück konnte Gina[1] das mit ihren chirurgischen Grundkenntissen wieder einwandfrei korrigieren, ohne dass es in seiner Medi-Akte eingetragen wurde. Sportlich betrachtet kann ich Brad jeder Zeit schlagen, in Sachen Taktik kann ich mir wohl noch was abgucken.
Einer der beiden anderen übernahm das Wort: „Sie verbrachten einige Zeit in einem Internat, dort leiteten Sie offenbar mit einigem Erfolg die Cafeteria. Was war der Grund?“
Die Antwort war leicht, oft schon hatte ich die Erlebnisse meiner Jugend anderen erzählt: „Meine Eltern besaßen eines von diesen Space-Hotels, die immer durch das System reisten, um den Gästen an Bord ausserordentliche Schauplätze zu bieten. Dort habe ich oft ausgeholfen. In den Zeiten, wo sie besonders riskante Fahrten durchführten – zum Beispiel an den Rand von Kriegsschauplätzen oder Schwarzen Löchern- hielten meine Eltern es für besser, wenn ich nicht dabei bin und sicher untergebracht wurde. Und die Cafeteria im Internat war in einem wirklich miserablen Zustand, als ich dort ankam. Als Sohn von Menschen, die wissen, was man seinen Kunden bieten muss, konnte ich nicht umhin, einiges zu ändern.“
Nun sprach der dritte:
„Und gerade hier sehen wir ein grosses Potential für das Adjudanten-Projekt. Des weiteren haben Sie offenbar schon erste Erfahrungen mit nicht-irdischen Lebensformen sammeln können. Ihre Leistungen auf der Schule sind, nun ja, akzeptabel. Kurzum: Sie erhalten ihren Marschbefehl innerhalb der nächsten Tage und sobald die wichtigsten Prüfungen, welche sie an dieser Schule noch absolvieren müssen, beendet sind, werden Sie für Ihre zukünftige Ausbildung freigestellt.“
Das Gesicht von MPacho war recht verknautscht, als er sich das anhören musste. Mein Gesicht muss ebenso komisch ausgesehen haben, denn einer der drei winkte mit der Hand vor meinem Gesicht und fragte: „Haben Sie ein Problem damit? Möchten Sie den Auftrag aus irgendwelchen Gründen ablehnen?“
Dieses Stichwort brachte mich wieder unter Kontrolle. „Nein, Sir. Natürlich werde ich die mir übertragenen Aufgaben zur bestmöglichen Zufriedenheit aller Beteiligten ausführen und Gewissenhaft auf das Ausbildungsziel hinarbeiten.“
„Wir wünschen Ihnen alles Gute und entlassen Sie hiermit zurück in die taktische Ausbildung.“
Auch MPacho war wieder der Alte: „Und reden Sie in Zukunft nicht so geschwollen. Sie kommen auf ein Schiff der Galaxy-Klasse, nicht in irgendeine Hotel-Lobby.“
Ich wurde zurück gebeamt in den Transporterraum der Schulungseinheit und fragte mich, warum „der“ Ausschuß solch eine Geheimaktion daraus machte, mir mitzuteilen, das ich „dabei“ bin…
Ich musste mich wieder als „Anwesend“ melden und leider die verpassten Simulationen nachholen. Brad war noch da und vertrieb sich die Zeit damit, eine Admirals-Simulation unter Gefechtsbedingungen unbemerkt umzuprogrammieren: Die einzig zielführende Lösung bestand jetzt darin, dass die ganze Schiffsbesatzung auf einmal furzen muss, um durch die entstehenden Geräusche, Schwingungen und Gase das fremde kriegerische Volk kampfunfähig zu machen. Diesen Lösungsvorschlag transferierte er in den Holo-Doc des Admiral-Schiffes, welchen man nur abrufen konnte, wenn man dem Doc erlaubt, seine Kenntnisse über das gegnerische Volk dadurch zu ergänzen, dass er deren Ausscheidungen analysiert. Während er mir die Einzelheiten zeigte, fragte er beiläufig: „Und? Wurdest du bestraft oder verwarnt?“
Ich versprach ihm, das wir am Abend nochmal richtig feiern würden, damit er die neue Kunde auch verdauen kann.
Und das zweite Mal innerhalb der letzten halben Stunde sah ich ein wirklich dummes Gesicht.

(Fortsetzung)

[1] Gina kommt noch…

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