Bis dann

Gerade war ich beim Kiosk um die Ecke. Ich bin rein, hab geholt was ich wollte und wieder raus. Beim Rausgehen sagt der Kiosk-Heini wie immer „Bis dann…“. Und auf einmal frag ich mich: „Was meint der eigentlich damit? Bis dann? Bis wann denn? Hatten wir was ausgemacht?“ Ich kenne den guten Mann eigentlich nur vom Kiosk und dort bin ich auch sehr unregelmässig.

Natürlich ist das nur eine rhetorische Frage, die ich mir da selbst stelle. Aber dabei wird mir bewusst, wie viel Floskeln man so verwendet, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Ich mache so was ja auch, keine Frage. Der Haken ist nur, dass offenbar einige Mitmenschen ihren Wortschatz überhaupt nur noch auf solche Floskeln reduziert haben. Kennt ihr diese Gespräche, wo ein Teil oft so klingt: „Er dann nur boah…. und ich dann…. Hammer!“. Und diese Lücken, die hier durch Punkte dargestellt sind, die existieren wirklich. Da ist dann mal nix. Nicht mal eine Geste, die evtl. klarstellen könnte, was er denn nun gemacht haben könnte. Oft bekomme ich solche Dinge bei recht jungen weiblichen Mitmenschen mit. Und nicht selten wird diese scheinbar spannende Geschichte begleitet durch weit aufgerissene Augen und auch mal vom Körper abgewandte weit gespreizte Hände. Evtl. wird der Gesprächspartner dabei noch schräg von der Seite angeschaut. Szenen, wie man sie immer wieder im TV sieht, wenn man mal so durchs Billig-Fernsehen zappt. Nach wie vor glaube ich ja, dass es in den vereinigten Staaten eine (vermutlich recht günstige) Schauspielschule gibt, wo man an ein, zwei Wochenenden „das wichtigste“ beigebracht bekommt und wo massenweise im wahrsten Sinne des Wortes Seriendarsteller produziert werden. Und weiterhin glaube ich, dass nicht wenige junge Mädchen sich das endlos reinziehen und dabei von einer eigenen Schauspielkarriere träumen. Ist ja auch einfach: Da muss man nicht jahrelang irgendeinen Scheiss lernen und vorm Boss kuschen sondern stellt sich eben vor die Kamera und spielt sein Ding und in den Pausen gibt man tolle Interviews und Autogramme. Kann ja nicht so schwer sein, machen ja viele. Genauso, wie viele Leute selbst ihr Wohnzimmer tapezieren, weil: kann ja nicht so schwer sein. Und später muss man sich dann für Nachbarn und Familie eine Geschichte ausdenken, warum das so scheisse aussieht.

Ähm, wo war ich? Ach ja, Gespräche heutzutage. Ich nehme an, das alles ist auch der Grund, warum ich mich mit Smalltalk so schwer tue. Ich kann einfach nicht über irgendwas reden und immer „jo, jo, hehe, ja toll“ von mir geben. Ich hab ja schon die Schnauze voll, wenn irgendein Kollege laut auf mich zukommt: „Na alter Schwede, wie steht er dir!“. Und das soll dann nur die Begrüssung und sicher der geplante Anfang von verschwendeten Lebensminuten sein. Ich kürze das meist extrem ab, in dem ich freundlich nicke und weiter gehe. Hat ja eh‘ keinen Sinn: Liegt wohl an mir, ich guck halt zu wenig fernsehen.

In diesem Sinne:
„Bis später, Peter!“

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