Holgermeister

Neulich mal hatte mein Sohn zu seinem 17. Geburtstag sich mit seinen Kumpels eine Flasche Jägermeister gegönnt. Ich kann da ja nichts gegen sagen, hab ich das Zeux doch auch lange Zeit oft getrunken. Nun nicht mehr so, und das muss auch gar nicht sein. Aber als ich am nächsten Tag die (leere) Flasche sah, da dachte ich mir: Was ist das eigentlich genau? Nun, lange forschen muss man nicht, um zu erfahren, dass es sich beim Jägermeister um einen Kräuterlikör mit über 50 Kräutern handelt. Welche Kräuter genau in welcher Menge wird natürlich nicht verraten. Etwas mehr Recherche ergab, dass Likör gar nicht so schwer selbst zu machen ist und man eben Kräuter dazu nehmen muss… hm. Ich hatte ja letztes Jahr einen „Pflauger“ angesetzt: Ein Einmachglas mit entkernten Pflaumen, viel Zucker, zwei Pakete Vanillezucker und einer Zimtstange, alles aufgefüllt mit Schnaps (ich hab kurzerhand Reste ausm Barfach genommen, die da seit Jaaahren rumstanden, ein grosser Teil „alter Hullmann“) und mindestens 4 Wochen stehen lassen, gerne länger. Nach der Reifezeit durch einen Kaffeefilter in eine leere Weinbrandflasche, handgemaltes Etikett drauf und: fertig! War lecker und zum Spanferkelessen gabs nen feinen Kurzen, den so noch keiner getrunken hat (schmeckte wegen dem Zimt sehr weihnachtlich). Alles das hatte ich im Kopf, als ich die leere grüne eckige Flasche vor mir sah und die Informationen bzgl. Kräuterlikör im Kopf.

Also ans Werk: Einmachglas her, sauber machen. Dann Küchenschrank auf und geguckt, was so an „Kräutern“ da ist: Fenchelsamen, Thymian, Rosmarin, Oregano und noch was, das mir gerade nicht einfällt. Das ist nun wahrlich keine Jägermeister-Auswahl, aber fürs probieren wirds reichen. Von jedem ca. 2 Gramm abgewogen und vom Fenchel noch etwas mehr, riecht ja lecker. Dazu noch gaaanz etwas Kümmel und als Abrundung noch einen Hauch Zimtpulver über alles. Nun zum Schnaps. Da die Jägermeister-Firma auch Schlehenfeuer herstellt und dieser mit Gin gemacht wird und ich noch Gin da hatte: Prima, passt. Für die besondere Note noch einen Rest (ca 3cm) aus einer Rum-Buddel, ist sicher gut für Farbe und Geschmack. Aber damit es ein Likör wird, muss da auch reichlich Zucker rein. Ich hatte irgendwo gelesen, das man den am besten vorher in Wasser auflöst, also: Kleinen Kochpott her, da rein 250 Gramm Zucker und 200 ml Wasser und erhitzt. Das gab schnell einen klaren Zuckersirup (beim nächsten mal nehme ich aber etwas weniger Wasser). Alles zusammen nacheinander in das Einmachglas und beim Einkippen noch schnell gemerkt: In die grüne JM-Flasche passen ja nur 0,7 Liter! Also nach Augenmass etwas weniger Gin genommen. Für den ausreichenden Alkohol wird schon der 54%ige Rum sorgen. Dann Deckel zu, Zettel dran „09.02.  öffnen“ (das war das 14Tage-Minimum zum ziehen) und auf ein Bord gestellt. Alle paar Tage hatte ich das Glas mal durchgeschüttelt. Ich habe es dann etwas länger als 14 Tage stehen lassen, schadet ja nicht. Dann kam der Tag der Abfüllung:

abfuellen

Der Trichter passte perfekt in den Flaschenhals, da hatte ich zunächst direkt den Kaffeefilter reingelegt. Ich wollte ja ein möglichst klares Getränk haben und alle Kräuterreste rausbekommen. Aber aus dem anfangs satten, mittigen Strahl wurde schnell nur ein Getröpfel, kaum was kam noch durch. Das hatte wirklich Likörkonsitenz. Deswegen nahm ich dann noch den auf dem Bild zu sehenden irdenen Kaffeefilteraufsatz zu Hilfe. Der passte prima in den Trichter und es kippelte auch nix, aber viel schneller ging das nicht, es tropfte nur. Egal dachte ich mir, dadurch ist die Filterwirkung um so besser. Ich kippte immer wieder mal nach, blieb aber nicht permanent daneben stehen (soviel Geduld habe ich dann auch nicht, da kann ich die Zeit besser nutzen). Und nach einiger Zeit bewies sich glücklicherweise mein Augenmass: Die Flasche war restlos voll, der Filter leer und vielleicht ein halbes Schnapsglas voll vorbei gelaufen. Ich war kurz davor, den Tisch abzulecken, hab dann aber doch nen Lappen genommen. Alles wurde gereinigt, Deckel drauf, die Flasche kam ins Regal.

Dann blieb die Flasche wieder eine Woche unberührt, bis sich die Gelegenheit ergab, meiner Frau und mir mal einen einzuschenken. Als beste Wertung für diesen selbstgemachten Kräuterlikör gelten wohl die ersten Worte meiner Frau: „Boah, den kriegst du doch nie mehr genau so hin, viel zu lecker!“ Und recht hatte sie: Wirklich kräuterig lecker, aber dank des Zuckers likörig im Mund und ich hatte mir nicht exakt notiert, von was wie viel da rein gekommen ist. Im Glas ist er wesentlich heller als ein Jägermeister, aber dunkler als Rum… nach kurzem Grübeln malte ich ein Etikett „Sturmlampe“ und klebte es auf die Flasche. „Holgermeister“ war ja nur ein Arbeitstitel, damit man weiss, worum es geht und man will sich ja vom Wettbewerb abheben 🙂
Nun weiss ich, wie man Kräuterlikör herstellt und werde das ganz sicher noch mal machen. Echt lecker und das alles liest sich viel länger als die eigentliche Arbeit, die man damit hat.

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