Aktion Yachtfleet

Ich habe neulich von der Mission Lifeline gehört und deren Idee, Segelyachten als Rettungsschiffe im Mittelmeer einzusetzen, um Flüchtlinge aufzunehmen und in einem sicheren (europäischen) Hafen abzusetzen. Hier kann man genaues dazu lesen: mission-lifeline.de

Mein erster Gedanke war: Interessante Idee! Aber mit ein wenig Grübeln bin ich zu einem ganz anderen Schluss gekommen: Das ist nicht nur doof, sondern auch gefährlich und hat nix mit Humanität zu tun. Davon abgesehen, dass die meisten Yachten die geplante Ausrüstung gar nicht an Bord stauen können:

Zum Ausrüstungspaket für eine Yacht gehören: 2 Rettungsinseln, 300 Mahlzeiten, 150 Automatik-Rettungswesten, 1 Satellitentelefon, Zusatztreibstoff, Seekarten, AIS-Transponder, Schleppleinen, Helme, Hand-Funkgeräte.

Denn wie passt das zu den folgenden Boots-Anforderungen:

Die Segelyachten müssen hochseetauglich, mindestens 12 Meter lang sein und Kojen für mindestens 6 Besatzungsmitglieder haben.

Gut, mein Boot ist nur knapp 10m lang und hat nur max. 5 Kojen, aber auch auf 2m mehr bekommt man das alles nicht Seefest weggepackt. Und selbst wenn man das irgendwie hinbekommt oder eben weniger Ausrüstung mitnimmt, wie soll das ablaufen? So ein Flüchtlingsboot (in letzter Zeit wohl oft Schlauchboote…) ist ja besetzt mit einigen Dutzend Menschen. Wenn ich nun auf ein solches stoße, wen nehme ich mit? Frauen und Kinder zu erst und die anderen warten brav, bis ich weggefahren bin? Ich würde viel eher befürchten, dass so eine Segelyacht schnell „geentert“ und ggf. selbst zum Seenotfall wird, wenn es völlig überladen ist. Hat man es dann geschafft, einige an Bord zu nehmen und fährt die vielen Meilen nach Malta oder Lampedusa (was durchaus einige Tage dauern kann), dann kann man dort einfach in einen Hafen einlaufen und unbehelligt die Leute an Land lassen und wieder ablegen? Ich denke nicht…
Klar, die naive Idee ist: „es gibt tausende Yachten“ und wenn wirklich etliche auf einmal mit Flüchtlingen in einem Hafen ankommen würden, dann gäbe es einen enormen Rummel, man kann nix verschweigen oder vertuschen usw. Aber welche private Yacht-Eigner lässt sich wirklich auf so ein Risiko ein? Zumal ganz sicher keine Versicherung hierbei entstehende Schäden abdeckt und man vermutlich sowieso gegen mehrere internationale Abkommen verstößt. Und nebenbei noch den Schleppern in Afrika in die Hände spielt: „Ach, das machen nun auch Yachten? Dann kann ich ja noch mehr seeuntaugliche Boote voll beladen und auf die Reise schicken, da klingelt die Kasse“.

Nein. Die Idee ist sicherlich ehrenwert, aber nicht umsetzbar. Das kann man höchstens als Gedankenspiel verwenden, um Menschen, die helfen wollen, mal anzustupsen. Und es soll mir auch keiner mit moralischen Aspekten kommen: „Aber da ertrinken Menschen!“. Ja, richtig! Warum fahren die auch los auf das offene Meer? Begeben sich freiwillig in Seenot und wehe es kommt ein lybisches Schiff, um die zu retten, denn das wollen die Flüchtenden nicht so gern.

Das mag alles hartherzig von mir klingen, aber ich bin eben der Meinung, dass diese ganzen komplexen Probleme im Kern gelöst werden müssen, nicht nur die Auswirkungen „lindern“. Krass und verkürzt formuliert: Wäre kein Krieg in Syrien, müsste auch keiner auf dem Mittelmeer sein Leben riskieren.

Und wer von euch, der jetzt empört über meinen Standpunkt ist, befindet sich gerade im Mittelmeerraum, um zu helfen?

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