Wie rettet man einen Schmetterling?

Ich sitze in meinem Büro vor meinem iMac, habe gedämpftes Licht an und mache so Internetzeux. Plötzlich nehme ich hektische Schatten und wilde Bewegungen wahr: Ein Schmetterling hat sich ins Zimmer verirrt und flattert im Lichterkegel an der Wand. Irgendwie stört das Geflatter…

Ich mache im Flur Licht an, die Tür einen Spalt auf und am Computer die Schreibtischlampe aus: Es dauert nicht lange, und er sitzt im Flur an der Wand und ruht sich wohl aus. Fein. Am nächsten morgen hockt er noch immer dort. Was machen Schmetterlinge eigentlich „normalerweise“ um diese Jahreszeit? Keine Ahnung… dieser hier will sich offenbar nicht „einmotten“ 🙂 und auch nicht in den Süden fliegen. Gut, OK: Wenn er schon mal hier ist, dann sollte man ihn irgendwie unterstützen. Das ganze Flattern etc. kostet bestimmt Kraft und Durst hat so ein Tier doch auch? Als Angela und ich bei der Landesgartenschau in Papenburg waren, gab es dort auch ein Gewächshaus mit Tropenpflanzen und riiiiesigen Schmetterlingen. Und überall lagen Obststücke, an welchen sich die schönen Tierchen labten. Das kriegen wir doch auch hin:

Einen Apfel klein geschnitten und wegen Trinken noch etwas Wasser mit aufgelöstem Zucker drin, alles auf ein Tellerchen, in die Nähe unseres neuen Haustieres stellen und warten. Da wird er sich aber freuen, der Schmetterling! Und wir auch, dass man mal wieder eine kleine gute Tat begangen hat.

Ende

 

Nee, ganz zu Ende ist die Geschichte noch nicht. Irgendwann am Nachmittag hockte er auf dem Boden des Flures. War aber entspannt flatterig: Die Flügel ausgebreitet und sobald er (vermutlich) Gefahr witterte, klappte er die Flügel hoch und zusammen, so dass er von oben kaum noch zu sehen war. Ob er vom Apfel gekostet hat? Wir wissen es nicht. Etwas später war er dann im Wohnzimmer, immer noch am Boden. Wollte er Richtung Heizung? Könnte man ja verstehen… Ich stellte den Teller in seinen Weg, vielleicht war er schon zu schwach zum flattern? Leider kleckerte ich was vom Zuckerwasser auf den Fußboden. Das wollte ich später wegwischen, um den Kleinen da nicht zu stören und aufzuregen… ich ließ ihn gewähren, was sollte ich sonst tun?
Später, ich weiß nicht, wie lange, dachte ich wieder daran und ging mal gucken. Da lag er am Boden, wie auf die Seite gekippt. Ein Flügel war im Zuckerwasser. Das war sicher nicht gut, vermutlich konnte er ihn da nicht mehr rausziehen. Ganz ab und zu flatterte der noch freie Flügel. Mir fiel nichts ein, wie ich ihm helfen könnte. So ein Schmetterlingsflügel ist einfach viel zu fein und zierlich, jedewede Hilfe meinerseits zu grobschlächtig. Also starb der Schmetterling.

Ich habe eine Leiche fotografiert

Dann entsorgte ich ihn mit Hilfe von Kehrblech und Küchentuch, schmiss ihn ins Beet bei unserer Terasse. Weil wir einen von diesen praktischen Dampfreinigern haben, konnte ich auch eben schnell durchwischen, um diese lästigen, klebrigen Zuckerwasserflecken vom Boden zu entfernen. Alltag kehrt ein.

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