Regelbefehle

Als ich vor vielen Jahren noch Schichtarbeit gemacht habe, da bin ich mal auf dem Weg zur Arbeit Heilig Abend morgens um 7:00 Uhr mit dem Fahrrad über eine rote Ampel gefahren. Wie es immer so passt, war ein Streifenwagen der Polizei nicht weit und hielt neben mir. Und sprachen mich aus dem herunter gelassenem Fenster an. Sie hätten das gesehen und was die jetzt wohl mit mir machen sollten? Ich sagte: „Ich würde mir frohe Weihnachten wünschen und weiterfahren“. Das taten sie dann auch, natürlich mit einer kleinen Ermahnung.

Heute, ein Werktag gegen 17:30 Uhr: Ich war mit Angela einkaufen. Sie Kartoffeln und Brot, ich Bier. Natürlich war ich schneller fertig als sie und wartete draußen an der Ecke neben dem Haupteingang auf sie. Es war winterlich, aber nicht kalt, es schneite leicht. Es war nicht viel los. Ich erfreute mich an allem und plötzlich sagte ein vorbeigehender Kunde (er ging offenbar zu seinem Auto) zu mir: „Würden Sie bitte Ihre Maske aufsetzen!“

Ich machte „Hmmh“, ohne ihn weiter zu beachten, aber damit liess er sich nicht abspeisen: „War das ein Nein?!?“ sprach er mich barsch von hinten an und im Bruchteil einer Sekunde liefen einige mögliche Szenarien, durchaus auch mit Gewaltpotential, in meinem Kopf ab. Stattdessen drehte ich mich kurz um und sagte nur: Doch. Und drehte mich wieder weg.
Ich konnte nicht erkennen, ob er damit zufrieden war oder sich damit nicht weiter auseinandersetzen wollte oder Muffe kriegte; auf jeden Fall ging er „aufm Parkplatz ist das Pflicht“ murmelnd weiter zu seinem Auto. Ich atmete durch.

Leute! Das geht mir voll aufn Sack! Natürlich muss es Regeln zum Verhalten geben, gerade bei sowas doofem wie die Gefahr von Infektion durch Viren. Und ich bin bestimmt auch kein Regelbrecher, aber: Regeln und deren Einhaltung müssen Sinn machen! Einfach sklavisch machen, was einem „befohlen“ wird ist zwar sehr praktisch für die Befehlsgewaltinhaber, aber das ist ganz sicher nicht der Sinn des (Zusammen)Lebens!
Ich verstehe auch, dass auf einem vollen Kundenparkplatz eines Supermarktes eine Schutzmaske durchaus sinnvoll ist. Aber: Wenn ich alleine (außer dem aufdringlichem Laberidioten) im Freien stehe und ich mir das Schneegestöber anschaue, wird ganz bestimmt keiner sterben, wenn ich dabei keine Maske aufhabe!

So wie eben nichts passiert, wenn man eine weit und breit Menschenleere Straße überquert, obwohl die Lichtsignalanlage genau das Gegenteil von mir verlangt. Bei Rot hat man stehen zu bleiben.
Und NEIN: Ich will damit nicht sagen, ihr dürft euch heimlich mit dutzenden Anderen treffen und feiern, „Hauptsache, es merkt keiner“.

Vernunft ist das Zauberwort! Aber stattdessen darf ich nicht bei meinem Lieblingsgriechen essen gehen, weil andere nicht verstehen, was die Regeln bezwecken sollen. Da hätte ich sogar etwas Verständnis für meinen oben erwähnten Parkplatzhilfspolizisten (wenn er anders aufgetreten wäre).

Ein Gedanke zu „Regelbefehle“

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