Kohle machen

…oder Make your own Repair-Cafe. Vermutlich wird sich selbst der treueste Leser hier nicht mehr daran erinnern: Vor knapp vier Jahren habe ich unsere Waschmaschine (und damit einen Wal) gerettet, weil ich die Kohlen vom Siemens-Motor getauscht hatte: Klick.

Und neulich, nach dem letzten Waschgang meldete eben diese Waschmaschine wieder diesen F.43-Fehler. Da wir mit der Waschmaschine immer noch grundsätzlich zufrieden sind, wollte ich die Reparatur erneut versuchen, einen Neukauf vermeiden und sowohl das Geld für die neuen Kohlen (keine Zehn Euro) als auch die Zeit für den Wechsel investieren. Obwohl ich mich noch gut erinnere, wie Sch… das seinerzeit ging. Aber wir wissen ja: Tief im Herzen bin ich ein Weltretter. Die Kohlen wurden Amazon-üblich blitzschnell geliefert. So schnell hatte ich gar keine Zeit, das zu machen. Ich ging davon aus, dass dieser Eingriff wieder etliche Stunden und Nerven kosten würde, einen Nachmittag evtl. mit Abendstunden mindestens. Und ich wollte das dann bitte auch gleich fertig machen, statt „morgen“. Gestern hatte ich ein kleines Zeitfenster von ca. zwei Stunden und hatte auch einen wachen, hoffnungsvollen Moment (das ist leider nicht immer so). Also: Auf Gesellen, frisch ans Werk! Ich wuppte die WaMa aus der Ecke, zog den Stecker ab, ließ die Schläuche aber angeschlossen. Das ist immer so eine Kleherei und alles wird Nass… nee, muss auch so gehen. Erstmal die Rückwand abschrauben. Und als ich alles so sah, da erinnerte ich mich auch wieder. Nun legte ich die Maschine auf die Seite, so dass (nicht sodass!) ich an den Boden ran kam. Da ich bei der damaligen Montage schon auf einige Schrauben verzichtete, ging die Demontage nun flott. Ich sah den Motor, erinnerte mich an die Quälerei und entschloss mich, die Kohlen am Motor direkt zu wechseln, ohne Ausbau. Und wie immer: Raus geht schnell. Wisst ihr, wie Kohlen aussehen? Neu und verschlissen? Hier, ich habe ein Foto gemacht:

Ja, da wundert man sich nicht, dass die Maschine einen Fehler liefert. Nun musste ich die neuen Kohlen nur noch eben schnell wieder einsetzen. Eben schnell: Ahnt ihr was? Ich lag längs, halbverdreht, auf dem Badezimmerboden, kam mit den Händen bzw. Armen kaum in die Waschmaschine und konnte die Kontakte der Kohlen oben und unten so gerade eben erkennen. Unten musste ich noch einen breiten Stecker abziehen, um überhaupt an die Kohle zu kommen. Dort zog ich das kurze Stück (siehe Bild) raus. Das war offenbar das damalige abgebrochene Ersatzteil. Nun konnte ich die neue Kohle einstecken und hatte die Herausforderung, die lange, weiche Feder in den engen Platz mit reinzustopfen, dann den Kontakt erst mit der einen, dann mit der anderen Seite so einzustecken, dass er sich selbst verriegelt und musste dann das Kabel wieder so aufstecken, dass der Kontakt sich nicht gleich wieder entriegelt. Denn dann würde alles wie ein schwarzer Mini-Kastenteufel wieder raushüpfen. Und alles über Kopf knapp übern Fußboden inklusive Kohlen-, sonstiger Staub und Spinnenweben. Um es kurz zu machen: Als ich mit der dritten Hand die Taschenlampe halten konnte, da bekam ich es hin, die Kohlen und die Kontakte samt Kabel an ihren Platz zu stecken. Ein kleines Risiko musste ich eingehen: Ich habe mir beim Rausziehen der alten Kohlen nicht gemerkt, mit welcher Seite sie dort drin steckten. Denn wie man oben auf dem Bild sehen kann, werden die vom Motor „schräg“ abgeschliffen. Nun steckte ich sie auf Verdacht wieder rein, fifty-fifty Chance.
Schnell den Boden wieder untergeschraubt, aufgestellt, Rückwand dran und alles wieder in die Ecke geschoben. Handtücher rein, angestellt, uuuund: Ta-taaaa! Lüppt! Man hört zwar noch fiese Geräusche, die hoffentlich nur von den Kohlen kommen, die sich noch einschleifen müssen, aber egal, sie läuft ja wieder.

Das hat keine Stunde gedauert, Übung macht den Meister! Und dann habe ich mal geschaut: Die Siwamat iQ500 kann man sogar noch neu kaufen, kostet so zwischen 580 und 750,- Euro. Klasse, da habe ich quasi wieder einen Wal gerettet.

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